Rechte Rockband Prüfung von Frei.Wild-Texten auf Jugendgefährdung eingestellt

Kritiker werfen ihnen vor, Hass auf Andersdenkende und Gewaltphantasien zu verbreiten. Doch ein Verfahren zur Prüfung von Texten der umstrittenen Rockband Frei.Wild ist nun eingestellt worden. Und warum? Weil einfach ein paar Links gelöscht worden sind.

Frei.Wild-Auftritt in Wacken 2011: Videos und Songtexte nicht mehr abrufbar
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Frei.Wild-Auftritt in Wacken 2011: Videos und Songtexte nicht mehr abrufbar


Bonn/Erfurt - Ihre Texte handeln von Heimat und Patriotismus, von Saubermännern, die auf den Kinderstrich gehen und von Gewaltphantasien wie dieser: "Jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut/ Das Blut auf meinen Fäusten, ich find das steht mir gut", heißt es in dem Song "Rache muss sein" der umstrittenen Rechtsrock-Band Frei.Wild. Ob Zeilen wie diese jugendgefährdend sind oder nicht, das sollte die Prüfstelle für Jugendgefährdende Medien (BPjM) feststellen. Doch nun ist das Verfahren eingestellt worden.

Grund sei, dass die in einem Prüfauftrag des thüringischen Sozialministeriums genannten Internetseiten nicht mehr abrufbar seien, sagte die Vorsitzende der Bundesprüfstelle, Elke Monssen-Engberding. Das Ministerium in Erfurt bestätigte, dass die Links auf ein Frei.Wild-Video bei YouTube und einen Songtext auf der Homepage der Südtiroler Band inzwischen nicht mehr funktionierten.

Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) hatte die Überprüfung erst vor wenigen Wochen eingeleitet. Anlass war die Anfrage des Journalisten Thomas Kuban, der den Südtirolern vorwirft, in ihren Texten Hass zu verbreiten und Gewalt zu verherrlichen. Er führte sieben Texte der Band auf und analysierte sie, darunter eben auch "Rache muss sein". Kuban kritisiert, dass die Musik schon für Kinder freigegeben sei, obwohl darin Hass auf Andersdenkende verbreitet und antisemitische Stereotype bedient würden.

Der große Echo-Krach

In dem Antrag seien nur die beiden URLs aufgeführt worden, die inzwischen deaktiviert wurden, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Prüfstelle, Petra Meier, zu SPIEGEL ONLINE. Nur an den konkret genannten Stellen dürfe nach Hinweisen für Jugendgefährdung gesucht werden. So könne der Songtext zu "Rache muss sein" auf einer anderen Seite nicht abgerufen und als Beweis angeführt werden, sagte Meier. Im Fall der Frei.Wild-Verweise habe die eigentliche, inhaltliche Arbeit also gar nicht beginnen können. Würden neue Anträge mit weiteren Nachweisen eingereicht werden, könne ein erneutes Verfahren eingeleitet werden. Zur Zeit liegen Meier zufolge aber keine weiteren Prüfanträge vor.

Frei.Wild-Sänger Philipp Burger hatte die Vorwürfe der Nachrichtenagentur dpa zufolge als haltlos zurückgewiesen, zugleich aber in Bezug auf den Song "Rache muss sein" Fehler eingeräumt. Frei.Wild hatte eine ideologische Nähe zu Neonazis immer öffentlich von sich gewiesen, Kritikern gilt die Band aber als Speerspitze einer nationalistisch-rechtspopulistischen Rockkultur in Tradition der Böhsen Onkelz. Eine Echo-Nominierung, die die Südtiroler Musiker im Frühjahr erhielten, wurde nach Protesten von anderen Bands wie Kraftklub und MIA zurückgezogen.

Das Quartett um Sänger Burger, der früher in einer rechtsnationalen Skinhead-Band namens Kaiserjäger mitspielte, gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Rockbands. Ihr aktuelles Akustik-Album "Still" ist neue Nummer eins der deutschen Charts.

vks/dpa



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