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WDR beschließt "Funkhaus Europa"-Reform: Der Sound des Immergleichen

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WDR in Köln: Angst vor dem Sendersuchlauf

Der WDR-Rundfunkrat will es so: Aus "Funkhaus Europa", einem der letzten Nischen-Musiksender, wird eine weitere Berieselungsstation. Ein trauriger Schritt - der allerdings Tradition hat.

Nicht alles ist schrecklich an der Programmreform von "Funkhaus Europa", die der WDR-Rundfunkrat am Montag abgenickt hat.

Eine wochentägliche 30-Minuten-Infosendung in arabischer Sprache: sehr wichtig in Zeiten, in denen hunderttausende Menschen aus dem arabischen Raum versuchen, in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Allerdings: das "Herzstück" der Reform ist diese 30-Minuten-Sendung sicher nicht.

Das Herzstück ist vielmehr ein Sparprogramm, das - mal wieder - einen öffentlich-rechtlichen Sender zu einer musikalischen Berieselungsstation degradiert, ihm also einen Großteil seiner Eigenständigkeit und Besonderheit raubt.

Oldies - und das Beste von heute

Seit gut zwei Jahrzehnten säubern die öffentlich-rechtlichen Sender mit stumpfer Systematik alles aus ihren Programm, was musikalisch außerhalb des Oldie-Hits-und-das-Besten-von-heute-Schemas liegt.

Im Tagesprogramm darf für Sounds jenseits der immergleichen Dudelfunk-Rotation, die laut den Senderleitungen "Durchhörbarkeit" garantieren soll, ohnehin kein Platz mehr sein. Die nächtlichen Sendeplätze für Autoren-Musikradio sind rar geworden. Beim NDR gibt es noch ein paar, bei "Funkhaus Europa" sind sie mit der gestern beschlossenen Reform abgeschafft worden.

Statt die Hörer mit kompetenten Autoren-Moderatoren auf eine Entdeckungsreise zu globaler Musik zu schicken, zu neuen Sounds aus Buenos Aires, São Paulo, Luanda, Lissabon, Bamako oder Südafrika, will man sie nun mehr mit der "Farbe der Weltmusik" einseifen, so das ahnungslose und desinteressierte Wording von Senderchefin Valerie Weber, einer ausgewiesenen Dudelfunk-Radiofrau.

Die obskure Lust, sich selbst überflüssig zu machen

Mit dem allgemeinen Sparzwang lässt sich diese öffentlich-rechtliche Musikvernichtungspolitik kaum erklären. Für das Geld, das die nächtlichen "Funkhaus Europa"-DJs für zwei Stunden Musikauswahl und Moderation bekommen haben, kann man im Tagesprogramm nicht mal einen Drei-Minuten-Beitrag einkaufen.

Nein, es scheint ein Kampf der Kulturen zu sein, den die Senderchefs und Intendanten kämpfen. Weg mit den Nischen, weg mit allem, was anders klingt, noch unbekannt ist, aufregend sein könnte. Weg mit all dem, was die Hörer - die man sich in den Chefetagen der Öffentlich-Rechtlichen offensichtlich vorstellt wie Laborratten, die auf Chartsfutter konditioniert sind - irritieren könnte. Was sie dazu verleiten könnten, auf den Sendersuchlauf zu drücken.

Man will ja gern zugestehen, dass private Radiosender so denken und agieren; weil sie Unternehmen sind, deren Erfolg an Werbeeinnahmen hängt, die wiederum über ihre Marktanteile, sprich: die Quote, generiert werden.

Dass öffentlich-rechtliche Sender, die über Milliardenetats aus Rundfunkgebühren verfügen, diese Strategie verfolgen, lässt sich wohl nur noch aus einer obskuren Lust an der Selbstüberflüssigmachung erklären.

Zum Autor
Christoph Twickel
Stefan Barkhoff

Christoph Twickel (Jahrgang 1966) schreibt und sendet als freier Journalist für SPIEGEL ONLINE, "Brand Eins", "Frankfurter Rundschau", "Greenpeace Magazin", den NDR und andere.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 90 Beiträge
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1. und zu viel Wind...
gigi76 08.03.2016
Funkhaus Europa hatte wenige tausend, wenn nicht sogar noch weniger Hörer. Warum diese Aufregung? Im Internet kann man sich auch bestens mit Weltmusik versorgen. Es braucht dafür kein gebührenfinanziertes Angebot.
2.
TheBlind 08.03.2016
Da liegen sie wohl falsch, leider hab ich keine Zahlen, denke aber das die Resonanz schon größer ist. Es ist zumindestens mal ein Ausbruch aus dem Einerlei, wenn das jetzt auch glattgebügelt wird, kann man den ganzen Schritt gehen und ALLES zu machen und das Geld in die Vorstände schieben... und da wo GEZ weiteres Geld rangeschafft hat... Ab jetzt nach Maggie Thatcher, ich will mein Geld zurück.... :->
3. Tschüss Runfunk, hallo Internet
elblette 08.03.2016
Wenn da nur der gleiche Müll gesendet wird wie bei den Privaten, können sie es auch ganz abschalten. Das wäre wenigstens ehrlich. Der einzige Musiksender, den wir zu Hause hören ist FIP - der tollste gebührenfinanzierte Musiksender der ganze Welt. Und zwar im Internet.
4. @gigi76
duisburgerjung 08.03.2016
Es kann ja sein, dass Sie das nicht interessiert oder Sie mit der Chart-Gedudelei glücklich sind. Ich bin beruflich mehrere Stunden täglich in wechselnden Autos unterwegs und Funkhaus Europa ist mein Stammsender. Vielleicht kann man sich im Internet damit versorgen, aber auf der einen Seite kann ich im Internet primär die Sachen hören die ich kenne ohne vorher groß recherchieren zu müssen und zweitens kann ich in den Dienstwagen keinen Internetradiosender anwählen. Außerdem bin ich mir sicher, dass es sich nicht nur um ein paar Tausend Zuhörer handelt. Viel Spaß Ihnen mit 1Live und WDR2
5.
Auggie Smith 08.03.2016
@gigi76 Diese Musik nicht hören zu wollen, ist eine Sache! Sich aber dennoch mit mutmaßenden Statistiken (Quelle?) hier zu äußern, ist eine ganz andere. Die Qualität der redaktionellen Musikauswahl übertrifft alles, was im Netz zu finden ist. Und ja, von mir aus kann es gern gebührenfinanziert so weiter gehen! Aber es soll nicht sein. Somit gibt es wieder einen hörbaren Radiosender weniger, der im Auto zur Verfügung steht. Bedauerlich!
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