Gang Starr- und Jazzmatazz-Mastermind Rapper Guru ist tot

Er war Erneuerer und Traditionalist zugleich: Der Rapper Guru nahm mit dem Duo Gang Starr einige der wegweisendsten HipHop-Alben überhaupt auf. Doch mit dem Projekt Jazzmatazz begab er sich auch auf musikalische Wurzelsuche. Jetzt ist Guru mit 43 Jahren an Krebs gestorben.

Er hatte "tha voice": Guru, Rapper bei Gang Starr und Jazzmatazz
EMI Music

Er hatte "tha voice": Guru, Rapper bei Gang Starr und Jazzmatazz


Schon im Februar 2010 gab es erste Schreckensmeldungen über seinen Gesundheitszustand: Der Rapper Guru hatte einen Herzstillstand erlitten und war ins Koma gefallen. Er erholte sich zwar wieder, aber jetzt wurde ein Statement seines Produzenten und Geschäftspartners Solar bekannt. Demnach habe Guru schon seit einem Jahr an Krebs gelitten, am Montag habe er den Kampf mit der Krankheit schließlich verloren. Guru, der als Keith Elam in Boston auf die Welt kam, wurde nur 43 Jahre alt.

Guru war zugleich Traditionalist und Erneuerer des HipHop - zusammen mit DJ Premier bildete er das Duo Gang Starr, das HipHop auf das Wesentliche reduzierte: Beats und Reime. Aber mit seinem Projekt Jazzmatazz öffnete er den HipHop zugleich und begeisterte viele Rap-Fans für den Jazz.

Guru gründete Gang Starr schon 1985, aber berühmt wurde die Gruppe erst in der Zweierbesetzung mit dem ursprünglich aus Texas stammenden DJ Premier. Insgesamt veröffentlichten Gang Starr sechs Alben; "Step In The Arena" (1991) und "Daily Operation" (1992) wurden von dem Magazin "The Source" 1998 unter die hundert besten Rap-Alben aller Zeiten gewählt.

Schon früh oszillierte Gurus Musik zwischen Reduktion und Erweiterung: Mit der Single "Jazz Thing" gaben Gang Starr 1990 ein erstes Anzeichen für die musikalische Richtung, in die Guru fortan weiterarbeiten sollte. 1993 erschien das erste von vier Alben seines Projektes Jazzmatazz, bei dem prominente Jazzmusiker ihren Sound mit HipHop-Klängen verbanden - schließlich hätte es laut Guru ohne Be-Bop keinen HipHop gegeben. Trotzdem kritisierten viele HipHop-Fans die Jazzmatazz-Alben als Abkehr von der reinen Lehre; zugleich brachten sie ihm ein neues Publikum ein.

Guru scheute nie die kritische Auseinandersetzung mit der Szene: "Mostly Tha Voice" hieß ein Titel auf dem 1994er-Album "Hard To Earn", in dem er darüber rappte, dass zwar viele recht kunstfertig Reime aneinanderreihen könnten, doch ohne den richtigen Klang der Stimme werde trotzdem nichts Besonderes daraus. Und seine Stimme war besonders. Ein monotoner, aber ehrfurchtgebietender steter Fluss der Silben, dessen Komplexität den genauen Zuhörer reich belohnte.

Als 1998 das fünfte Album von Gang Starr, "Moment Of Truth", erschien, waren Guru und DJ Premier bereits einsame Streiter auf einer Mission: nämlich den HipHop als Kunstform zu retten, die aus der Reduktion auf Beats & Rhymes entsteht. "Man darf nicht vergessen, dass inzwischen Schokodrops und kalifornische Rosinen im Fernsehen rappen", sagte Guru damals in einem Interview mit dem Popkultur-Magazin "Spex". Er beklagte, dass HipHop auch von HipHop-Anhängern nicht mehr korrekt repräsentiert werde. Es war die Zeit nach den Kämpfen zwischen West- und Ostküsten-Rappern; es war die Zeit, in der der glamoursüchtige Geschäftsmann Puff Daddy zum Gesicht des HipHop wurde. Für Puristen wie Gang Starr war da kein Platz mehr. Das letzte gemeinsame Album von DJ Premier und Guru als Gang Starr erschien 2003. Danach nahm Guru noch zwei Soloalben auf, die von der Kritik jedoch gemischt beurteilt wurden.

"Ich schreibe dies mit Tränen in den Augen", heißt es in einem Brief, den Guru nach Angaben von Solar aus dem Krankenhaus an seine Fans gerichtet habe, "aber es sind Tränen der Freude über ein wunderbares Leben, das ich genießen durfte und über die wunderbaren Menschen, die ich kennenlernen durfte." Für Irritation in HipHop-Kreisen sorgt der Brief allerdings, weil sich Guru darin verbittet, dass sein "ex-DJ" (gemeint, aber nicht genannt ist Premier) an irgendwelchen Gedenkveranstaltungen oder -projekten teilnehme. Er habe sieben Jahre lang nichts im Leben mit ihm zu tun gehabt und wolle nun auch im Tod nichts mit ihm zu tun haben.

feb

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.