"Ganz in Weiß" Schlager-Poet Kurt Hertha gestorben

"Ganz in weiß", "Du kannst nicht immer siebzehn sein" - Kurt Hertha schrieb den Schlagerstars der Siebziger ihre Hits auf den Leib. Vom großen Talent des Komponisten profitierte Peter Alexander genau wie Roy Black. Im Alter von 81 Jahren ist Hertha jetzt gestorben.


München - Die große Zeit des deutschen Schlager, sie wäre ohne Kurt Hertha undenkbar gewesen: Er schrieb Texte für viele Stars der Schlagerszene, darunter Gerhard Wendland, Roy Black, Freddy, Bata Illic, Jürgen Marcus, Chris Roberts, Udo Jürgens und Peter Alexander. Mit dem Oktoberfest-Knaller "Ich möcht gern an Biersee so groß wie der Schliersee" feierte er seinen ersten Erfolg. Der Durchbruch gelang ihm im Jahr 1961 mit dem Wendland-Schlager "Tanze mit mir in den Morgen". Hertha erhielt im Verlauf seiner Karriere zwölf Goldene Schallplatten und drei Platinplatten. Zu seinen größten Hits gehörten der Roy-Black-Evergreen "Ganz in Weiß" (1965) und die Titel "Dich erkenn' ich mit verbund'nen Augen" (1968) und "Du kannst nicht immer siebzehn sein" (1974).

Schlager-Virtuose Hertha: "Prachtvolles Gehör"
GEMA

Schlager-Virtuose Hertha: "Prachtvolles Gehör"

"Kurt Hertha hat Herausragendes für das deutschsprachige Lied geleistet, seine Texte sind beispielhaft für den guten deutschen Schlager", sagte Gema-Chef Harald Heker zur Würdigung von Hertha, der Ehrenmitglied in der Verwertungsgesellschaft war. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) trauere um einen großen Kreativen und Künstler, der sich als Mitglied des Aufsichtsrats auch für die Belange seiner Berufskollegen eingesetzt und dabei große Verdienste erworben habe.

Die Kriegserfahrungen des im Jahr 1926 geborenen Hertha und seine Berufung zum Musiker fasste der Aufsichtsratsvorsitzende der Gema, Christian Bruhn, im Jahr 1997 wie folgt zusammen (Anlass war die Verleihung des Willy-Dehmel-Preises an den Schlagerdichter): "Er lernte das Violin- und das Klavierspiel, wurde aus der musikalischen Idylle jedoch jäh herausgerissen durch den Einberufungsbefehl. Dank seines prachtvollen Gehörs wurde er Funker, und so kam es, daß Kurt Hertha bis zum Kriegsende zwar an die tausend Funksprüche aber keinen einzigen Schuss abgegeben hatte. Vor der Versetzung in die Strafkompanie mit garantiertem Heldentod wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung bewahrte ihn seine fleißige Tätigkeit in frontnaher U-Musik. Da gelobte er dankbar, die Musik zu seinem Beruf zu machen."

Der Komponist und Texter starb am Sonntag im Alter von 81 Jahren in Gestungshausen bei Coburg, wie die Gema heute mitteilte. Die Trauerfeier findet am kommenden Donnerstag um 14.00 Uhr im Waldfriedhof Grünwald bei München statt. Seinen Abschied von der Welt hat Kurt Hertha einmal selbst in Verse gefasst: "Und kommt für mich die letzte Nacht, sind keine Tränen angebracht, weil meine Seele quietschvergnügt von einem Stern zum andern fliegt."

bos/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.