George Harrison Begräbniszeremonie nur ein Medien-Märchen?

Widersprüchliche Meldungen über eine am Ufer des Ganges geplante Bestattungszeremonie für George Harrison irritieren die Fangemeinde. Die indische Polizei hält inzwischen alles für eine Erfindung der Medien.


Geheimniskrämerei um sein Begräbnis: George Harrison
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Geheimniskrämerei um sein Begräbnis: George Harrison

Varanasi - Rätselraten um die Bestattung des am Donnerstag vergangener Woche verstorbenen Ex-Beatles George Harrison: Ein Vertreter der Hare-Krishna-Bewegung in Neu-Delhi hatte am Wochenende zunächst mitgeteilt, die Familie Harrisons werde am Montagabend die Asche in dem von Hindus als heilig verehrten Fluss Ganges verstreuen. Später zog der Krishna-Sprecher diese Äußerung zurück und erklärte, er sei offenbar falsch informiert worden und betonte, die Bestattung sei "ein sehr privates Ritual. Nur enge Angehörige und Freunde dürfen dabei sein." Er sagte außerdem, die Zeremonie solle am Dienstag oder Mittwoch stattfinden. Behördenvertreter in dem nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesch mutmaßten daraufhin, dass der Bestattungsritus möglicherweise insgeheim bereits vollzogen worden sei.

Auch am Mittwoch ist die Irritation über die nebulösen Verlautbarungen und Pläne der Krishna-Bewegung und der Familie Harrisons nicht abgeklungen. Laut einem Bericht der BBC hat die indische Polizei bisher weder Harrisons Witwe Olivia, 53, noch seinen Sohn Dhani, 23, in dem hinduistischen Pilgerort Varanasi gesehen, noch sei etwas über eine geplante Zeremonie bekannt. Der Polizei-Inspektor Vikram Singh sagte laut BBC, die Zeremonie sei "eine Erfindung der Medien". Bisher habe noch niemand polizeiliche Unterstützung erfragt, deshalb gehe er davon aus, dass "nichts passieren" wird. "Normalerweise würden prominente Personen um offizielle Unterstützung ersuchen, auch wenn es sich um ein privates Ritual handelt", sagte Singh.

"Alles beruht auf Zeitungsberichten"

Ein in Varanasi ansässiger Krishna-Sprecher, Arajit Das, zeigte sich nun ebenfalls ahnungslos. Trotz früherer Ankündigungen sei ihm nichts über etwaige Pläne für eine Zeremonie bekannt, sagte er laut BBC. "Alles, was ich sagen kann, beruht auf Zeitungsberichten, da es derzeit keine Kommunikation zwischen unserem Büro, Neu-Delhi und London gibt", sagte er. Doch auch dort, so wisse er, sei nichts über die Verbringung der Asche Harrisons nach Indien bekannt.

Nach früheren Aussagen der Hare-Krishna-Sekte sollte Harrisons Asche außer in Varanasi, wo in jedem Jahr mehr als eine Million hinduistische Pilger im Wasser des Ganges ein rituelles Bad nehmen, an einem weiteren heiligen Ort verstreut werden: in Allahabad, wo der Fluss Jamuna auf den Ganges trifft. Mit der Zeremonie werde der Übergang der Seele in das ewige Bewusstsein symbolisiert. Für Hindus gilt es als sehr erstrebenswert, in Varanasi zu sterben.

Harrison, das damals jüngste Mitglied der Beatles, hatte seine Bandkollegen Ende der sechziger Jahre mit indischer Musik und Kultur bekannt gemacht und damit eine Reihe von musikalischen Experimenten der Popgruppe ausgelöst. Damals konvertierte der Musiker zum Hinduismus.

Gläubiger Hinduist: Harrison mit Sitar, 1968 (mit Schauspielerin Rita Tushingham)
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Gläubiger Hinduist: Harrison mit Sitar, 1968 (mit Schauspielerin Rita Tushingham)

In Harrisons Heimatstadt Liverpool versammelten sich die Fans des Musikers am Montag zu einer Gedenkminute, zu der die Stadt aufgerufen hatte. In Deutschland nahmen Hunderte Menschen im Beatles-Museum in Halle (Sachsen-Anhalt) Abschied von Harrison. Spontan wurden Blumen und Kerzen als Dank vor dem Museumstor abgelegt.

Harrison-Album ausverkauft

In Rom wurden im Gedenken an Harrison am Wochenende spontan Konzerte organisiert. Eros Ramazzotti erinnerte beim Abschlusskonzert seiner Welttournee in Mailand an den Ex-Beatle. Bei einer Preisverleihung des US-Musiksenders VH1 in Los Angeles spielte Jon Bon Jovi den von Harrison geschriebenen Beatles-Hit "Here Comes The Sun" und sagte dann: "Du wirst uns fehlen, George." Weggefährten der Beatles aus Hamburger Zeiten wollen ihn mit einer Gedenk-Party ehren. Noch im Dezember sollen in St. Pauli mit Beatles-Revival-Bands und Live-Mitschnitten der legendären Pilzköpfe die "Fab Four" gefeiert werden.

Londoner Musikgeschäfte berichteten, das Harrison-Album "All Things Must Pass" sei ausverkauft. Die Boulevardzeitung "The Sun" begann eine Kampagne, um eine Neuauflage des Harrison-Hits "My Sweet Lord" zu erreichen, der zu Weihnachten auf Platz eins der Hitparade landen könne. Wie am Wochenende bekannt wurde, hatte Harrison noch kurz vor seinem Tod ein neues Album mit 25 Titeln aufgenommen.



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