George-Harrison-Kompilation Juwelen von Johns Juniorpartner

Lange wurde George Harrison als "Stiller Beatle" unterschätzt. Jetzt unterstreicht eine Sammel-CD mit seinen besten Kompositionen das außergewöhnliche Talent des verhuschten Superstars - und bereitet Superspezialisten eine besondere Freude.


Seine Karriere mit den Beatles war für George Harrison mindestens so problematisch wie spektakulär. Sicher, sie bescherte ihm ein astronomisches Vermögen, lässige Sportwagen und Paläste mit Parklandschaften. Aber sein herausragendes musikalisches Talent wurde trotzdem lange unterschätzt, weil er ewig im Schatten seiner Kumpanen John Lennon und Paul McCartney blieb.


An die Fähigkeiten des sogenannten "Stillen Beatles" erinnert nun die Best-Of-CD "Let it roll" mit Harrison-Klassikern wie "My sweet Lord", "Allthose Years ago" oder "Isn't it a Pity" und Solokonzert-Darbietungen seiner Beatles-Geniestreiche "Something", "While my Guitar gently weeps" und "Here comes the Sun".

Abgesehen von zwei obskuren Soundtrack-Beiträgen bietet die neue Zusammenstellung leider nichts, was Verehrer nicht bereits besäßen. Audiophile Superspezialisten jedoch freuen sich vielleicht über die neue Abmischung der Lieder, die der begnadete Giles Martin beisteuerte, der Sohn des Beatles-Hausproduzenten George Martin. Außerdem im Paket: ein hübsches Büchlein mit allerlei Fotos aus den Privatarchiven der Harrison-Sippe.

George Harrison war 16 Jahre alt, als Lennon und McCartney ihn nach einigem Zögern wegen seiner jungen Jahre bei The Quarrymen aufnahmen - und eine Art Juniorpartner ist er immer geblieben. Trotzdem war sein Einfluss in der Pilzkopf-Gang erstaunlich: Harrisons Interesse an amerikanischem Folkrock und später fernöstlicher Musik und Religion prägte die Band; vor allem in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre trug er viel zum Sound der Beatles bei.

Seine Fähigkeiten als Songwriter und Musiker entwickelten sich damals rasant, aber ebenso wuchs die Frustration darüber, dass seine Lieder bei Lennon und McCartney meist zweite Wahl blieben. Anfang 1968 kündigte er sogar für einige Tage, ließ sich aber zur Rückkehr überreden.

Kein Wunder, dass er sich nach dem Beatles-Finale gleich mit einer LP-Box, dem grandiosen "All things must pass" mit Hits wie "My sweet Lord", von all der aufgestauten schlechten Laune befreite. Seine folgenden Solowerke gerieten zwar nie mehr ganz so toll, enthielten aber stets einige wunderbare Songs.

Nach den Beatles widmete er sich leidenschaftlich seinen Hobbys jenseits der Musik: Autorennen, Gärtnerei und Filmen. So startete Harrison mal eben eine Produktionsfirma, als seinen Kumpels von Monty Python während der Dreharbeiten zu "Life of Brian" das Geld ausging, und finanzierte später außergewöhnliche Filme wie "Time Bandits", "Mona Lisa" und "Withnail and I".

Späten musikalischen Spaß hatte er Ende der achtziger Jahre noch mit der Promi-Kumpel-Truppe The Traveling Wilburys, in der ihm mit Bob Dylan, Roy Orbison, Tom Petty und Jeff Lynne lustige Klamauk-Hits wie "Handle with care" glückten.

Bleibt die Frage, wie weit George Harrison ohne die Beatles gekommen wäre: Ob er vor Bahnhofseingängen mit seinen geliebten Ukulelen für Kleingeld gespielt hätte? Oder ob er gleich Gärtner, Filmvorführer oder Automechaniker geworden wäre?

John Lennon und Paul McCartney haben das verhindert.


CD: George Harrison: "Let it roll" (Apple/Emi)

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Preston, 12.06.2009
1. My sweet lord
- ausgerechnet dieses schöne Lied war nicht komplett von Harrison, sondern klang nach einem Chiffons-Hit ("He's so fine"), so daß er am Ende sogar Tantiemen zahlen mußte. Das schmälert seine Leistung als Songschreiber natürlich nur unbedeutend. Das berühmteste Lied von Harrison ist für mich übrigens "Blackbird" - das beinahe klassisch ist.
Axo 12.06.2009
2. Blackbird...
... ist aber von McCartney.
BluesmanII, 12.06.2009
3. Blackbird
Zitat von Preston- ausgerechnet dieses schöne Lied war nicht komplett von Harrison, sondern klang nach einem Chiffons-Hit ("He's so fine"), so daß er am Ende sogar Tantiemen zahlen mußte. Das schmälert seine Leistung als Songschreiber natürlich nur unbedeutend. Das berühmteste Lied von Harrison ist für mich übrigens "Blackbird" - das beinahe klassisch ist.
Leider,lieber Mit-Forist muss ich hier korregieren.Blackbird ist zwar genial aber von McCartney: http://en.wikipedia.org/wiki/Blackbird_(song) Aber auch dies schmälert in keinster Weise seine Leistung.Auch für mich war er einer der ganz Großen!
pronoah, 12.06.2009
4. blackbird von george?
Zitat von Preston- ausgerechnet dieses schöne Lied war nicht komplett von Harrison, sondern klang nach einem Chiffons-Hit ("He's so fine"), so daß er am Ende sogar Tantiemen zahlen mußte. Das schmälert seine Leistung als Songschreiber natürlich nur unbedeutend. Das berühmteste Lied von Harrison ist für mich übrigens "Blackbird" - das beinahe klassisch ist.
wirklich? das ist doch ein "lennon/mccartney song? es gibt sogar ein buch von paul mit dessen songtexten, das er "blackbird" genannt hat. würde mich also sehr wundern, wenn das von george ist. aber mit einer sicheren quelle lass ich mich gerne eines besseren belehren... :) aber es stimmt, george hatte in seiner beatles ära nur ein paar handvoll songs geschrieben, die aber allesamt meisterwerke sind. mein persönliches lieblingsstück von george ist while my guitar gently weeps.
spmc-12355772248484 12.06.2009
5. Schönheitsfehler
Nicht George Harrison sondern Ringo Starr hatte aus Frust über dem permanenten Streit die Band für einige Tage verlassen, deswegen ist auf "Back in the USSR" nicht Ringo sondern Paul am Schlagzeug zu hören.
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