Getöteter Grenzsoldat: Armenien boykottiert Eurovision Song Contest

Glanz, Glitter und Popmusik: Der Eurovision Song Contest ist eigentlich eine reine Unterhaltungsshow. Jetzt gerät er langsam zum Politikum - nach dem Tod eines Soldaten wird Armenien nicht mehr an dem Wettbewerb teilnehmen.

Skyline von Baku: Armenien will beim ESC in Aserbaidschan nicht teilnehmen Zur Großansicht
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Skyline von Baku: Armenien will beim ESC in Aserbaidschan nicht teilnehmen

Eriwan - Zweieinhalb Monate vor dem Eurovision Song Contest (ESC) in Baku hat die Kaukasusrepublik Armenien ihre Teilnahme am Wettbewerb im verfeindeten Nachbarland Aserbaidschan abgesagt. Das Staatsfernsehen werde keine Teilnehmer zum ESC im Mai entsenden, teilte der Rundfunk in der Hauptstadt Eriwan mit.

Als Begründung für den Boykott nannte das Staatsfernsehen in einem Statement Äußerungen des aserbaidschanischen Präsidenten, wonach dieser Armenier in aller Welt als Hauptfeinde Aserbaidschans bezeichnet habe - obwohl die dortigen Behörden versprochen hätten, die Sicherheit aller Teilnehmerländer zu garantieren.

"Wir sind sehr enttäuscht über die Entscheidung des Senders", schrieb der Vorstand der EBU, der Europäischen Rundfunkunion, die den Wettbewerb ausrichtet, auf der offiziellen Website des ESC. Ganz überraschend kam die Absage allerdings nicht. Bereits vor kurzem hatten sich mehr als 20 armenische Künstler in einem offenen Brief für einen Boykott des Wettbewerbs ausgesprochen. Grund ist der Tod eines Grenzsoldaten, der von einem aserbaidschanischen Scharfschützen getötet worden sein soll.

"Wir wollen nicht in einem Land auftreten, in dem Hass auf Armenier Teil der Regierungspolitik ist", heißt es in der Erklärung der Künstler. Nach einem Krieg um die von Aserbaidschan abtrünnige Region Berg-Karabach herrscht zwischen den beiden Kaukasus-Staaten nur ein brüchiger Waffenstillstand. Mehrere internationale Vermittlungsversuche scheiterten bisher. Laut der Nachrichtenagentur dpa sollen vergangenen Samstag an einer Waffenstillstandslinie auch zwei aserbaidschanische Soldaten erschossen worden sein.

Für Deutschland geht der 21-jährige Roman Lob ins Rennen beim ESC. Er wurde per Zuschauervoting in der Show "Unser Star für Baku" ermittelt. In anderen Ländern lief die Kandidatenwahl weniger glatt: In Weißrussland führte nach Meinung der Experten-Jury eigentlich die Rockband Litesound, nach einer SMS-Abstimmung der Fernsehzuschauer lag allerdings plötzlich die staatstreue Sängerin Aljona Lanskaja in Führung. Nach Protesten in weißrussischen Internetforen schaltete sich sogar Staatschef Alexander Lukaschenko ein und sprach von einer unglücklichen "Pattsituation" - nun soll doch Litesound zum ESC fahren.

Die Austragung in Baku ist wegen des Ausrichtungslandes Aserbaidschan schon länger umstritten. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Reporter ohne Grenzen hatten das Land wiederholt kritisiert. Sie hatten Menschenrechtsverletzungen und Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit durch die autoritäre aserbaidschanische Führung angeprangert.

avk/dpa

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1. NDR schweigt auch zur Diktatur, nur das Geld zählt
JohnBlank, 07.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesGlanz, Glitter und Popmusik: Der Eurovision Song Contest ist eigentlich eine reine Unterhaltungsshow. Jetzt gerät er langsam zum Politikum - nach dem Tod eines Soldaten wird Armenien nicht mehr an dem Wettbewerb teilnehmen. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,819904,00.html
Der NDR macht bei diesem Spielchen der Diktatoren gerne mit. Kritisch über den Event will man nicht berichten. Der Spiegel hatte dazu eine interessante Meldung. Man sollte dem NDR die Gebührengelder entziehen. Entweder wird sind gegen Diktaturen oder nicht. Dann sollten wir keine Kritik mehr üben oder aber Aufstehen und über das Thema reden. Der NDR schweigt lieber, das Signal an uns Bürger ist fatal, im Zweifel lieber eine gute Show und die Greultaten unter den Teppich kehren.
2. Naja!
bene_lava 07.03.2012
Zitat von JohnBlankDer NDR macht bei diesem Spielchen der Diktatoren gerne mit. Kritisch über den Event will man nicht berichten. Der Spiegel hatte dazu eine interessante Meldung. Man sollte dem NDR die Gebührengelder entziehen. Entweder wird sind gegen Diktaturen oder nicht. Dann sollten wir keine Kritik mehr üben oder aber Aufstehen und über das Thema reden. Der NDR schweigt lieber, das Signal an uns Bürger ist fatal, im Zweifel lieber eine gute Show und die Greultaten unter den Teppich kehren.
Also ganz ehrlich, sie übertreiben ein wenig. Aserbaidschan ist keine Demokratie im deutschen Sinne. Es ist aber auch keine brutale Diktatur, die man boykottieren muss. Bei der ganzen Diskussion muss man schauen, wo stand Aserbaidschan vor 30 Jahren, wo vor 15 Jahren und wo steht es jetzt. Wenn man das tut, wird man feststellen, dass das Land in diesen Perioden enorme Fortschtschritte gemacht hat. Auch muss man schauen, welches muslimische Land in der kurzen Periode der Eigenständigkeit solche Fortschritte gemacht hat, wie Aserbaidschan. Mit den Maßstäben, die Sie anlegen können wir alle Grioßveranstaltungen, die außerhalb der USA oder Westeuropa stattfinden streichen. Das Armenien die Teilnahme absagt war von vornherein klar. Armenien hat ca. 20 % aserbaidschanische Gebiete erobert und ignoriert 4 UN-Resolutionen dazu. Die beiden Völker sind verfeindet. Kein Armenier wird auf aserbaidschanischem Boden singen, egal was passiert.
3. :i
TobiasCW 07.03.2012
wenn es hier um politik gehen würde, würden diese länder im EUROvision contest gar nicht mitmachen. theoretisch gehts um musik... und geld *hust*
4.
oback-barama 07.03.2012
Zitat von bene_lavaAlso ganz ehrlich, sie übertreiben ein wenig. Aserbaidschan ist keine Demokratie im deutschen Sinne. Es ist aber auch keine brutale Diktatur, die man boykottieren muss. Bei der ganzen Diskussion muss man schauen, wo stand Aserbaidschan vor 30 Jahren, wo vor 15 Jahren und wo steht es jetzt. Wenn man das tut, wird man feststellen, dass das Land in diesen Perioden enorme Fortschtschritte gemacht hat. Auch muss man schauen, welches muslimische Land in der kurzen Periode der Eigenständigkeit solche Fortschritte gemacht hat, wie Aserbaidschan. Mit den Maßstäben, die Sie anlegen können wir alle Grioßveranstaltungen, die außerhalb der USA oder Westeuropa stattfinden streichen. Das Armenien die Teilnahme absagt war von vornherein klar. Armenien hat ca. 20 % aserbaidschanische Gebiete erobert und ignoriert 4 UN-Resolutionen dazu. Die beiden Völker sind verfeindet. Kein Armenier wird auf aserbaidschanischem Boden singen, egal was passiert.
Genau.. Ausserdem sind Russland und die Ukraine demokratisch nicht besser als Aserbeidschan.. Und in Russland gab es schon den ESC und in der Ukraine auch und dazu findet bald die EM statt, obwohl die ex-Premierministerin nach einem politischen Prozess im Haft sitzt. Die Armenier und Aseris sind wegen dieses Gebietes, schon seit 20 Jahren, seit der Unabhängigkeit der beiden Kleinstaaten verfeindet und dass die Armenier boykottieren überrascht nicht wirklich.
5. Warum eigentlich ...
AntiGravEinheit 07.03.2012
... nehmen diese beiden Staaten überhaupt am Eurovision Song Contest teil? Armenien gehört genau wie Aserbaidschan geographisch zu Asien. Georgien übrigens auch genau so wie Israel. Ok, es heißt, beide Staaten sind geschichtlich und kulturell mit Europa verbunden. Kulturell bezweifle ich ein wenig, geschichtlich mag sein. Aber mit dieser Begründung könnten auch die USA an dem Contest teilnehmen. Vielleicht will ja noch der Iran teilnehmen, fühlt er sich doch in inniger Feindschaft mit Israel verbunden, welches bei kulturellen Veranstaltungen häufig Europa zugerechnet wird. Ach was rede ich ... laßt die ganze Welt teilnehmen. Der NDR zahlt.
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