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Gitarrenjazz: Aldi Beat

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Gitarren-Jazz: Die schnellsten Finger der Welt Fotos
Timea Buknicz/ Acid Photographie

Neues vom Gitarren-Jazz: Fingerzwirbler Al Di Meola hat ein Beatles-Tribute-Album aufgenommen. Ralph Towner bietet Kammermusikalisches in Triobesetzung, und The K Square aus Berlin veröffentlichen ein hörenswertes Debüt.

Zum Plausch in einem Hamburger Hotel bittet der Gitarren-Star in den Wintergarten. Al Di Meola wirkt jugendlich in seiner schwarzen Jeans und dem schwarzen T-Shirt. In bester Laune stellt er seine neue Lebensgefährtin vor und schwärmt von seiner neuen CD: Der 59-Jährige hat sich einen lange gehegten Traum erfüllt und 14 Beatles-Klassiker eingespielt. Sein Album "All Your Life" ist eine Ode an die Band, die er verehrt wie keine andere. Sie ist auch ein Paradebeispiel dafür, wie ein Künstler bekannte Songs interpretieren sollte. Das US-Magazin "Down Beat" bewertet Di Meolas neues Album mit viereinhalb (von fünf möglichen) Punkten. Eine Seltenheit.

Di Meola nahm seine Beatles-Cover natürlich in den Londoner Abbey Road Studios auf: im Alleingang, nur er und etliche Gitarren. Für den Titel "Blackbird" hat er sich neue Harmonien ausgedacht, "Eleanor Rigby" spielt er unverändert. Dass die Beatles so viele unvergängliche Songs hervorbrachten, erklärt der Musiker auch mit der Rivalität zwischen John Lennon und Paul McCartney. Die beiden Beatles hätten sich gegenseitig angefeuert - so wie sich John McLaughlin, Paco de Lucía und er zu Höchstleistungen trieben. Ihr Live-Album "A Friday Night In San Francisco" aus den siebziger Jahren verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Seine Fans verehrten Di Meola damals als "schnellsten Gitarristen der Welt".

Ensemble-Spiel statt Virtuosität

Während das Zusammenspiel von Di Meola, McLaughlin und de Lucia an ein "virtuoses Formel-1-Rennen" erinnerte ("NZZ am Sonntag"), klingt das Gitarren-Trio des US-Veteranen Ralph Towner mit seinen Kollegen Wolfgang Muthspiel und Slava Grigoryan kammermusikalisch verhalten. Ensemble-Spiel statt Virtuosität kennzeichnet das Album "Travel Guide". Towner, 73, und der aus Kasachstan stammende Australier Grigoryan spielen auf klassischen Gitarren. Der Österreicher Muthspiel benutzt eine E-Gitarre, die wunderbar mit den akustischen Instrumenten harmoniert. Eine Klasse-Platte.

Leichtere Kost bietet die CD "Silhouette" des Gitarristen und Komponisten Chuck Loeb, der sich im Rock und Pop genauso zu Hause fühlt wie im Jazz. Der US-amerikanische Alleskönner beherrscht Wes Montgomerys Spielweise - versackt aber leider im allzu geschmeidigen Smooth-Jazz, wenn er bei den letzten drei Titeln seine Frau Carmen und Tochter Lizzy singen lässt. Das Ukulelespiel seiner anderen Tochter Christina macht es nicht besser. Familiensinn mit fatalen Folgen.

Zauberei mit elektronischen Effekten

Die Gestaltungsmöglichkeiten der elektrischen Gitarre und des Gitarrensynthesizers nutzt der Australier Albare: wenn er im Eingangsstück seiner neuen CD "The Road Ahead" den Sound seines Geburtslandes Marokko herbeizaubert. Das klingt dann sehr orientalisch. Beim Titel "Gift" klingt Albares Gitarre - der elektronischen Verfremdung sei Dank - wie ein Blasinstrument, etwa ein Flügelhorn. Die Faszination von Albares Musik lässt sich aber nicht allein mit solchen Effekten erklären. Der Gitarrist, der eigentlich Albert Dadon heißt, beherrscht sein Instrument meisterhaft, er swingt, und er hat tolle Ideen. Dazu kommen die großartigen Musiker in seinem Quartet mit Piano, Bass und Drums.

Hörenswert ist auch die Band The K Square des Gitarristen Charis Karantzas. Das Sextett aus zwei Bläsern, Fender Rhodes, Bass und Schlagzeug klingt zuweilen wie eine Bigband. Und mit David Friedman (Marimbafon) und dem diesjährigen Albert-Mangelsdorff-Preisträger Nils Wogram (Posaune) gastieren zwei prominente Musiker auf der Debüt-CD der jungen Band aus der boomenden Berliner Jazzszene. Bandleader Karantzas, geboren in Athen, hat in Amsterdam und Berlin Jazzgitarre studiert. Sein Instrument prägt wesentlich den Sound von The K Square. Es lebe die Gitarre!


CDs:

Al Di Meola: All Your Life - A Tribute to the Beatles. Viliana Music; 14,99 Euro.
Ralph Towner / Wolfgang Muthspiel / Slava Grigoryan: Travel Guide. ECM; 15,99 Euro.
Chuck Loeb: Silhouette. Moosicus Records; 15,99 Euro. Erscheint am 4.10.
Albare: The Road Ahead. Enja; 14,99 Euro.
The K Square: Blue Desert. Traumton Records; 17,99 Euro.

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1.
loeweneule 28.09.2013
Wenn "Spiegel Online" seine Rezension des neuen Albums von Al Di Meola, der dort Beatles-Kompositionen interpretiert, mit "Aldi Beat" übertitelt, fällt mir sogleich Robert Gernhardt ein: "Mein Gott, ist das beziehungsreich, ich glaube, ich erbrech mich gleich."
2. Gitarrenjazz
1classGuitar 28.09.2013
Zitat von loeweneuleWenn "Spiegel Online" seine Rezension des neuen Albums von Al Di Meola, der dort Beatles-Kompositionen interpretiert, mit "Aldi Beat" übertitelt, fällt mir sogleich Robert Gernhardt ein: "Mein Gott, ist das beziehungsreich, ich glaube, ich erbrech mich gleich."
The K Square - ist das schlecht recherchiert, masterminds und Komponisten sind Charis Karantzas (g) und Julian Külpmann (dr), Hauptinitiator (Bandgründungh) ist Julian Külpmann (dr), das kann man auch nachlesen bei Traumton (http://www.traumton.de)
3. Gitarrenjazz
1classGuitar 28.09.2013
Zitat von sysopTimea Buknicz/ Acid PhotographieNeues vom Gitarren-Jazz: Fingerzwirbler Al Di Meola hat ein Beatles-Tribute-Album aufgenommen. Ralph Towner bietet Kammermusikalisches in Triobesetzung und The K Square aus Berlin veröffentlichen ein hörenswertes Debüt. http://www.spiegel.de/kultur/musik/gitarren-jazz-mit-al-di-meola-ralph-towner-chuck-loeb-albare-a-924521.html
The K Square - leider schlecht recherchiert, masterminds und Komponisten sind Julian Külpmann (dr) und Charis Karantzas (g), jnachlesen bei Traumton (http://www.traumton.de)
4. optional
sincere 28.09.2013
Lassen sie diese dummen Wortspiele wie etwa Aldi-Beat - DiMeola gehört zur absoluten Weltklasse.
5. Wortspiel zwo
wakajawaka 28.09.2013
Zitat von sincereLassen sie diese dummen Wortspiele wie etwa Aldi-Beat - DiMeola gehört zur absoluten Weltklasse.
In unseren Muckerkreisen heisst er Al di Mazola. Übrigens auch im Toupet-Tragen absolute Weltklasse!
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