"Godfather of Fusion" Gitarrist Larry Coryell gestorben

Als einer der ersten Gitarristen seiner Generation vermischte er Ende der Sechziger Rock- und Jazz-Elemente zu einem neuen Sound: Larry Coryell, der "Godfather of Fusion", ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

Gitarrist Larry Coryell (2012 )
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Gitarrist Larry Coryell (2012)

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Wäre Larry Coryell nicht mit Anfang Zwanzig nach New York gezogen, wahrscheinlich wäre vieles anders gekommen. Doch der gebürtige Texaner, der in Seattle aufgewachsen war, Journalismus studiert und in ersten Jazzbands gespielt hatte, wusste wohl, dass der sogenannte Schmelztiegel New York City ein kreativer Katalysator für ihn sein würde. Bereits kurz nach seiner Ankunft im Herbst 1965 spielte er mit seiner eigenen Combo The Free Spirits und nahm erste Platten auf. Beeinflusst hatten ihn Jazz-Revolutionäre wie John Coltrane ebenso wie die Popstars der Ära, die Beatles ebenso wie The Byrds und Bob Dylan. Im Quartett des Drummers Chico Hamilton übernahm er den Gitarrenpart von Gabor Szabo.

Doch erst seine Zusammenarbeit mit dem Vibraphonisten Gary Burton auf dessen Album "Duster" ließ erkennen, dass sich eine neue Spielart ausformulierte, die in England mit progressiven Rockbands wie Pink Floyd und Manfred Mann's Earth Band begonnen hatte, und sich über den Jazz nun auch in die USA fortpflanzte: Die Vermengung von Rock-Grooves, orientalischer oder östlicher Musik, Klassik und Freestyle-Jazz zum sogenannten Fusion Jazz, der bestimmenden Stilistik des Genres in den Siebzigern.

Larry Coryell - wenngleich nicht so bekannt wie seine Zeitgenossen und Gitarristenkollegen John McLaughlin oder Pat Metheny - gilt als Pate dieser aktuell von Post-Hip-Hop-Künstlern wie Flying Lotus neu entdeckten Spielart, er wurde "Godfather of Fusion" genannt. Vor allem seine ersten beiden Alben "Coryell" und "Spaces" (beide 1969 auf Vanguard erschienen) gelten heute als wegweisende Meilensteine des Genres, auf Letzterem spielten spätere Genre-Größen wie McLaughlin, Chick Corea und Billy Cobham.

Anfang der Siebzigerjahre gründete Coryell zusammen mit seinem guten Freund, dem Keyboarder Mike Mandel, dem Trompeter Randy Brecker, dem Bassisten Danny Trifan und dem Drummer Alphonse Mouzon die Fusion-Supergroup The Eleventh House, die jedoch nur drei Jahre zusammen blieb. Auch mit Miles Davis und Chet Baker spielte Coryell im Verlauf seiner langen Karriere.

Mehr als 60 Soloalben brachte Coryell heraus, das letzte, "Barefoot Man: Sanpaku" erschien im Oktober 2016. Unermüdlich tourte der Gitarren-Virtuose mit seiner Musik, noch am vergangenen Wochenende hatte er zwei Auftritte im New Yorker Iridium Jazz Club absolviert. In der Nacht zu Montag verstarb Larry Coryell in seinem Hotelzimmer im Schlaf. Er hinterlässt seine Ehefrau Tracey, vier Kinder und sechs Enkel. Larry Coryell wurde 73 Jahre alt.

bor/AP

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