Gracia-Produzent David Brandes Chart-Sperre bleibt bestehen

Erst der Skandal, jetzt der Rechtsstreit: Musikproduzent David Brandes wollte den Hitparaden-Ausschluss seiner Künstler nicht hinnehmen und ging vor Gericht. Doch das Berliner Landgericht entschied heute gegen ihn: Gracia & Co. bleiben für die Charts gesperrt.


Produzent Brandes: "Es hat weitere Manipulationen gegeben"
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Produzent Brandes: "Es hat weitere Manipulationen gegeben"

Berlin - Singles und Alben des Produzenten David Brandes bleiben weiterhin aus den Charts verbannt. Im Beisein seines Schützlings Gracia scheiterte Brandes heute vor dem Berliner Landgericht mit dem Versuch, umgehend wieder in die von Media Control ermittelten Hitlisten aufgenommen zu werden. Der Phonoverband hatte ihn am 22. April für drei Monate ausgeschlossen, nachdem der Produzent und Chef des Plattenlabels Bros Music öffentlich massenhafte CD-Aufkäufe zwecks besserer Chartnotierungen zugegeben hatte.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft ist von dem Ausschluss unter anderem Gracias Song "Run & Hide" betroffen, mit dem die 22-Jährige beim Eurovision Song Contest in Kiew auf dem letzten Platz gelandet war. Gesperrt sind insgesamt sechs Brandes-Produktionen, darunter auch die Rockgruppe Vanilla Ninja, die ebenfalls beim "Grand Prix" angetreten war.

Nachdem vor Gericht noch der 8. Juli als Ende der Sperre genannt worden war, erklärte Phonoverband-Sprecher Hartmut Spiesecke, der Ausschluss bleibe bis 21. Juli bestehen.

Gracia war überraschend zum Prozess gekommen und hielt ihrem Produzenten die Treue. "Er hat nie etwas mit bösem Vorsatz gemacht", sagte sie. "Für mich ist das alles natürlich nicht schön. Ich war es ja nicht." Sie schaue jedoch nach vorne. Brandes wolle stets nur das Beste für seine Künstler. "Bros Music ist eine große Familie."

Grand-Prix-Verliererin Gracia, Brandes: "Für mich ist das nicht schön"
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Vor Gericht erneuerte Brandes seine Vorwürfe gegen die Branche. Aufkäufe zur Manipulation der Charts seien üblich. "Es hat weitere Chartmanipulationen gegeben. Ich kann ihnen 30 weitere Beispiele sagen", erklärte der Produzent und hielt einen Stapel Papier hoch, den ihm Gracia zuvor übergeben hatte. Den durch die Chartsperre angeblich entstandenen Schaden bezifferte sein Anwalt auf "etliche hunderttausend Euro".

Das Landgericht Hamburg hatte vor einigen Tagen einer einstweiligen Verfügung der Firma Media Control stattgegeben, wonach Brandes nicht mehr behaupten darf, auch andere Produzenten hätten in größerem Stil mit Aufkäufen die Charts manipuliert. Ein beteiligter Anwalt erklärte, die Wiederholung der Äußerungen vor Gericht sei jedoch zulässig.

Ein vom Gericht vorgeschlagener Vergleich kam nicht zustande. Demzufolge sollte Brandes auf Schadenersatzforderungen verzichten und dafür vom Phonoverband sofort wieder in die Charts aufgenommen werden. Gegen das Urteil des Landgerichts ist nach Angaben einer Sprecherin Berufung zulässig.



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