Preis für Adele statt Beyoncé Grammy-Chef weist Rassismus-Vorwürfe zurück

"Was soll Beyoncé denn noch machen, um fürs Album des Jahres ausgezeichnet zu werden?" Das fragte sich bei den Grammys nicht nur Preisträgerin Adele. Nun reagiert der Akademiepräsident.

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Einer schien für sich eine völlig logische Erklärung gefunden zu haben, warum bei den Grammy Awards am Sonntagabend Adele für "25" mit dem Hauptpreis für das Album des Jahres ausgezeichnet wurde - und nicht Beyoncé für ihr ambitioniertes Projekt "Lemonade": "Ich glaube, dass Adele gewonnen hat, weil sie singen-singen kann!", sagte Altmeister Carlos Santana zur australischen Nachrichtenagentur AAP. Und Beyoncé? "Bei allem Respekt vor unserer Schwester: Beyoncé ist sehr schön anzusehen und macht eher eine Art Model-Musik, zu der man Kleider vorführen kann. Aber sie ist keine Sängerin-Sängerin!"

Ob der 69-Jährige da auf dem neuesten Stand der künstlerischen Entwicklung von Beyoncé ist? Immerhin wurde ja ihr Album "Lemonade" bei Erscheinen 2016 als dringlicher Pop-Ausdruck der afro-amerikanischen Gegenwart gefeiert. Von "Model-Musik" ist Beyoncé jedenfalls weit entfernt. "Lemonade" wurde mit so viel Kritikerlob überschüttet, dass die Verblüffung groß war, als sie nur mit Preisen in Genre-Unterkategorien bei den Grammys ausgezeichnet wurde.

Beyoncé-Auftritt bei der Grammy-Show
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Beyoncé-Auftritt bei der Grammy-Show

Selbst die Preisträgerin Adele war da erstaunt. In ihrer Dankesrede sagte die Engländerin, das "Lemonade"-Album sei für sie derart "monumental", sie liebe Beyoncé, auch dafür, wie sie "meine schwarzen Freunde fühlen lässt, so ermutigend". Hinter den Kulissen wurde Adele noch deutlicher: "Ich fand, dass die Zeit gekommen ist für ihren Sieg. Was zum Teufel muss sie denn noch tun, um 'Album des Jahres' zu gewinnen?", zitierte das Branchenblatt "Billboard" die Londonerin.

Adele zerbricht die Grammy-Trophäe
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Adele zerbricht die Grammy-Trophäe

Mancher Beobachter hatte da einen anderen Verdacht. Waren nicht in den vergangenen fünf Jahren immer wieder herausragende Alben von schwarzen Künstlern wie Frank Ocean, Kendrick Lamar oder eben Beyoncé in der Königskategorie "Album des Jahres" gescheitert? Ein australischer Twitter-User hat es zusammengefasst:

Und der Kommentator des US-Internetmagazins "Slate" brachte den Vorwurf auf eine knallige Überschrift: "Beyoncé fällt dem Rassismus der Grammy Awards zum Opfer". Beyoncés jüngere Schwester Solange verlinkte ohne größeren Kommentar auf ein Statement von Frank Ocean, in dem dieser Entscheidungen der Grammy-Jury anzweifelte. Der letzte schwarze Musiker, der den Hauptpreis gewann, war 2008 Herbie Hancock - für eine Album-Hommage an Joni Mitchell.

In einem Interview mit dem Musikmagazin "Pitchfork" hat nun Neil Portnow, der Präsident der Recording Academy, die die Grammy-Preise vergibt, zu den mehr oder weniger expliziten Rassismus-Vorwürfen Stellung genommen. "Nein, ich glaube ganz und gar nicht, dass es ein Rassimusproblem bei den Grammys gibt", sagte Portnow. Schließlich spreche man, wenn man von "den Grammys" rede, von einer Akademie mit 14.000 Mitgliedern. Deren Wahl sei demokratisch, und im Zweifel entscheide auch eine Mehrheit von nur einer Stimme darüber, wer den Preis gewinnt und wer nicht.

Recording-Academy-Chef Neil Portnow
AP

Recording-Academy-Chef Neil Portnow

"Wir als Musiker hören Musik nicht auf der Basis von Geschlecht oder Ethnie", glaubt der langjährige Plattenfirmen-Vorstand Portnow: "Wenn ich über ein Musikstück abstimme, ist es fast, als ob ich mir die Augen verbinden würde und einfach zuhöre."

Bei den Oscars war Kritik an der Zusammensetzung der Akademie aufgekommen. Die lässt Portnow für das Grammy-Gremium nicht gelten: "Wir haben dieses Problem nicht in dem Ausmaß. Aber wir arbeiten natürlich immer daran, die Diversität unserer Mitgliedschaft zu erhöhen - in puncto Ethnizität, Geschlecht, Genre und Alter."

Carlos Santana hat übrigens inzwischen seinen Kommentar zu Beyoncé "klargestellt": Er sei "leider aus dem Zusammenhang gerissen" worden, schreibt Santana auf seiner Facebook-Seite. Es sei ihm darum gegangen, Adele zu ihrer großen Grammy-Nacht zu gratulieren. Beyoncé verdiene jede Auszeichnung, die ihr entgegengebracht werde: "Ich wünsche Beyoncé und ihrer Familie nur das Beste."

Ob man das auch über den Sänger Cee-Lo Green sagen kann? Der Hit-Sänger ("Fuck You", "Crazy" mit Gnarls Barkley) hat einen alten Rick-Springfield-Song aus den Achtzigerjahren aufgegriffen und aus dem Titel "Jessie's Girl" nun "Jay-Z's Girl" gemacht, das er begehre.

Nun ja. Da schließen wir lieber mit den Wort des Kinderbuchautoren Myles E. Johnson, der in einem Gastkommentar für die "New York Times" schrieb, Beyoncé habe etwas gewonnen, was mehr wert sei als ein Grammy: Weil sie sich mit "Lemonade" auf den Ausdruck ihrer persönlichen Erfahrung und ihrer Einfallskraft konzentriert habe, ohne auf den Applaus des männlichen oder weißen Publikums zu schauen, habe sie das Leben zahlloser schwarzer Zuschauer der Show geändert. Mit ihrer Kunst die Welt verändert zu haben, sei ein Triumph, den ein Künstler für immer genießen könne.

Beyoncé beim Grammy-Auftritt
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Beyoncé beim Grammy-Auftritt

feb



insgesamt 28 Beiträge
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herr_jaspers 15.02.2017
1. Adele hat
ein paar okaye Songs gebracht, aber 25 bietet nur altbekanntes aus dem vertonten Mädchentagebuch (der Hase frißt nicht mehr, der süsse Junge guckt sie nicht mehr an, und traurig ist sie auch, aber sie wächst ja dran). Langweilig.
brehn 15.02.2017
2. naja
"Beyoncé ist sehr schön anzusehen und macht eher eine Art Model-Musik, zu der man Kleider vorführen kann. Aber sie ist keine Sängerin-Sängerin!" - Meine Zustimmung, kann man so stehen lassen. Im Übrigen verstehe ich den Aufriss um ihre Schwangerschaft nicht...ist ja immerhin nicht die erste ... und dann noch die geschmacklosen Aufnahmen....
helmut.alt 15.02.2017
3. Musik ist Geschmacksache
und es ist schäbig bei der Beurteilung andere Aspekte ins Spiel zu bringen. Manchmal wünscht man sich nur die Musik zu hören und den Sänger oder die Sängerin nie gesehen zu haben, um zu einem objektiven Urteil zu kommen. Leider nicht möglich.
Tevsa 15.02.2017
4. Ich bin einfach nur Erstaunt
Das es solche Tweets bis in die deutsche Presse schaffen? Mir ist völlig egal wie die Hautfarbe des Künstlers ist. Der/Die/Das kann meinetwegen auch Blau oder Lila sein. Wenn ich die Augen schließe dann lausche ich der Musik und keine Hautfarbe :-D Aber es gibt ja wohl immer jemanden der sich empören möchte.
HalBregg 15.02.2017
5. Beste Rap-Performance
Seit Jahren bis auf eine Ausnahme nur US-amerikanische Künstler. Rappen andere Länder wirklich so schlecht? Was ist da los?
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