Los Angeles/Hamburg - Die Grammys gaben sich international: Bei der Verleihung der weltweit beachteten amerikanischen Musikpreise in Los Angeles am Sonntagabend gewann eine britische Band, Mumford & Sons, den Preis für das beste Album, ein belgisch-australischer Musiker, Gotye, wurde für die beste Aufnahme des Jahres geehrt, während die New Yorker Band Fun. für den besten Song ausgezeichnet und zum besten Newcomer erklärt wurde.
Allen drei Gewinnern der Top-Preise ist gemein, dass sie noch nicht zu den über alle Generationen hinweg bekannten Superstars gehören dürften. Aber an der Musik muss das nicht liegen, die ist bei allen tauglich für die ganze Familie: Mumford & Sons wurden prämiert für ihr zweites Album "Babel", auf dem sie fröhlichen Banjo-Folk-Rock spielen. Der Song "We Are Young" von Fun. ist euphorischer und solide produzierter Radio-Pop. Und "Somebody That I Used To Know", das Duett von Gotye mit der Sängerin Kimbra, war sowieso der meistverkaufte (und wohl meistgecoverte) Song des Jahres 2012 in den USA.
Die beiden Rap-Superstars konnten auch für einen weiteren Song aus ihrem gemeinsamen Album "Watch The Throne" goldene Grammophone einheimsen: "Niggas In Paris" wurde als bester Rap-Song und als beste Rap-Performance ausgezeichnet.
Noch dominanter in ihrer Genre-Kategorie waren die Black Keys: Das Blues-Rock-Duo bekam den Grammy für den besten Rock-Song, die beste Rock-Performance (beide für "Lonely Boy") und das beste Rock-Album ("El Camino"). Die eine Hälfte der Band, Dan Auerbach, konnte sich zudem noch über den Preis für den besten Produzenten freuen.
Timberlake-Comeback im Sinatra-Stil
Anders als im Vorjahr wurden die Preise also recht gleichmäßig an alle vorab hoch gehandelten Favoriten verteilt; eine Abräumerin wie Adele, die 2012 sechs Preise gewann, gab es diesmal nicht - aber Adele bekam auch diesmal wieder einen Grammy: Ihre Live-Version von "Set Fire To The Rain" wurde als "Beste Pop-Solo-Performance" gekürt. Nur gerecht, denn ihr Album "21" war im Bewertungszeitraum erneut das meistverkaufte Album in den USA.
Die Preisverleihungsgala wurde aus dem Staples Center live im US-Sender CBS übertragen, weshalb natürlich die Bühnenauftritte der Stars mindestens so bedeutsam wie die von der National Academy of Recording Arts and Sciences vergebenen Trophäen waren. Die Show eröffnen durfte Country-Popstar Taylor Swift, die ihren nominierten Hit "We Are Never Ever Getting Back Together" vor einer Art Zirkuskompanie präsentierte.
Für sein Comeback als Musiker nutzte die erneut von Rapper LL Cool J moderierte Show diesmal Justin Timberlake: In einem sehr klassischen Outfit - beinahe im Frank-Sinatra-Stil - präsentierte er zwei neue Songs aus seinem für März angekündigten Album.
Grammy-Tradition sind die großen Gemeinschaftsauftritte mehr oder minder gut zusammenpassender Stars. Diesmal fanden sich Sting, Rihanna, Bruno Mars und Ziggy Marley zusammen, um den Vater von Letzterem, Bob Marley, zu ehren. Elton John sang gemeinsam mit seinem jungen Landsmann Ed Sheeran.
Die zahlreichen nominierten deutschen Künstler gingen fast alle leer aus: Weder der Filmkomponist und Oscar-Preisträger Hans Zimmer, noch die Sängerin Ute Lemper oder der Organist Hansjörg Albrecht konnten ihre Kategorien gewinnen. Auch das ebenfalls nominierte WDR Sinfonieorchester Köln, das SWR Vokalensemble Stuttgart und der WDR Rundfunkchor Köln, der Darmstädter Dirigent Michael Boder und die Akademie für Alte Musik Berlin wurden von Vertretern der Plattenindustrie und Musikern nicht als Sieger ausgewählt.
Nur der in Nordrhein-Westfalen ausgebildete Bass-Sänger Hans-Peter König wurde als Teil der "Ring des Nibelungen"-Inszenierung der New Yorker Metropolitan Opera für die beste Opernaufnahme ausgezeichnet; er gibt den Hagen in der von James Levine und Fabio Luisi dirigierten Wagner-Interpretation.
feb/AP/dpa
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