US-Musikpreis And the Grammy goes to... Georgsmarienhütte

Bei den Grammy Awards spielt Deutschland gewöhnlich keine Rolle. Außer bei der Klassik. Diesmal wurde das Musiklabel CPO aus Niedersachsen für die beste Opernaufnahme ausgezeichnet. Der große Abräumer war aber der Brite Sam Smith.


Los Angeles - Der britische Liedermacher Sam Smith ist bei den Grammys als bester neuer Künstler des Jahres ausgezeichnet worden. "Oh Gott. Jetzt muss ich mich anstrengen und etwas sagen, ohne zu weinen. Danke!", sagte Smith, als er den begehrten US-Musikpreis im Staples Center in Los Angeles entgegennahm. Der Brite, der mit seinem Soul-Hit "Stay with me" die Charts gestürmt hatte, setzte sich unter anderem gegen die australische Rapperin Iggy Azalea durch.

Vor der Verleihung hatte Smith auf dem Roten Teppich gesagt: "Ich bin einfach glücklich, dass die Menschen wissen, wer ich bin. Letztes Jahr wusste niemand, wer ich bin."

Kurz darauf erhielt der Brite drei weitere Grammys - für seine Platte "In the lonely hour" für das beste Pop-Gesangsalbum und für "Stay with me" als bester Song und beste Aufnahme. Insgesamt war er in sechs Sparten nominiert, darunter in den drei Hauptkategorien "Beste Single", "Bestes Album" und "Bester Song".

Deutschland hat bei den diesjährigen Grammys erneut wieder nur im Bereich der klassischen Musik Erfolge verzeichnet. Bei der Verleihung wurde das kleine Musiklabel CPO aus dem niedersächsischen Georgsmarienhütte für die beste Opernaufnahme ausgezeichnet ("La descente d'Orphée aux enfers" des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier). Unter den Gewinnern war auch wieder die Deutsche Grammophon mit einem Album der US-Violinistin Hilary Hahn, das einen Grammy für die beste Kammermusikdarbietung erhielt.

Anders als deutsche Künstler räumen Musiker aus den USA regelmäßig die begehrte Trophäe ab. Die US-Stars Beyoncé und Pharrell Williams waren mit je sechs Nominierungen in den Grammy-Abend gegangen. Pharrell Williams triumphierte mit seinem Hit "Happy" in den Kategorien "Bestes Musikvideo" und "Beste Pop-Solodarbietung". Außerdem holte er mit der Platte "Girl" den Grammy in der Kategorie "Bestes Urban-Contemporary-Album".

Beyoncé konnte sich über drei Grammys freuen: Der US-Popstar gewann mit dem gemeinsam mit ihrem Ehemann Jay-Z gesungenen Duett "Drunk in Love" in der Kategorie "Bester R&B-Song", ihre Platte "Beyoncé" erhielt die Auszeichnung in der technischen Kategorie "Bestes Raumklang-Album". Beim "Besten Album des Jahres" ging Beyoné allerdings leer aus: Diesen Titel gewann überraschend der amerikanische Songwriter Beck.

Den kämpferischsten Auftritt des Abends legte der Alt-Star Prince hin. Er nutzte die Bühne für ein Plädoyer für Alben: In Zeiten des Streamings und des Downloads zählen für viele nur noch die einzelnen Songs. Prince propagierte: "The Album still matters!", das Album zählt immer noch etwas. Ähnlich wie ein Buch sei ein Album eine Komposition, ein Kunstwerk. Der Applaus war entsprechend, denn viele der anwesenden Musiker sind insgeheim genervt von den Streamingdiensten, die ihre Alben zerpflücken, einzelne Lieder zum Kauf anbieten - und so das Gesamterlebnis Album zerstören.

Die Grammys werden in 80 Kategorien vergeben, bei der Preisverleihung traten in diesem Jahr unter anderem Madonna, Lady Gaga, Ex-Beatle Paul McCartney und AC/DC auf. Durch die Show führte der Rapper LL Cool J.

Und hier die wichtigsten Gewinner im Überblick :

- Album des Jahres: "Morning Phase", Beck

- Song des Jahres: "Stay with me", Sam Smith

- Aufnahme des Jahres: "Stay with me", Sam Smith

- Neuer Künstler: Sam Smith

- Pop Solo-Performance: "Happy (Live)," Pharrell Williams

- Pop-Album vocal: "In the Lonely Hour," Sam Smith.

- Pop-Performance eines Duos oder einer Gruppe: "Say Something," A Great Big World und Christina Aguilera

- Rap/Gesang Kollaboration: "The Monster," Eminem und Rihanna

- Rock-Song: "Ain't It Fun," Hayley Williams und Taylor York

- Traditionelles Pop-Vokalalbum: "Cheek to Cheek," Lady Gaga und Tony Bennett

- Rap-Performance: "I," Kendrick Lamar

- Rap-Song: "I," Kendrick Lamar

- Rap-Album: "The Marshall Mathers LP2," Eminem

- R&B-Performance: "Drunk in Love," Beyonce und Jay Z

- R&B-Song: "Drunk in Love," Beyonce und Jay Z

- R&B-Album: "Love, Marriage & Divorce," Toni Braxton und Babyface

- Urban-Contemporary-Album: "Girl," Pharrell

- Rock-Performance: "Lazaretto," Jack White

- Rock-Album: "Morning Phase," Beck

- Country-Solo-Performance: "Something in the Water," Carrie Underwood

- Country-Performance eines Duos/ einer Gruppe: "Gentle on My Mind," The Band Perry

- Country-Song: "I'm Not Gonna Miss You," Glen Campbell

- Country-Album: "Platinum," Miranda Lambert

vet/AFP/AP

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
schauerstoff 09.02.2015
1. langweilig...
Zumindest die Gewinner der Sparten der "Populärmusik" sind durch die Bank weg keine Überraschung. Für die Werke lohnt der "Album zählt" aufruf nicht, da klingt ohnehin jeder Track gleich...
nandolino 09.02.2015
2. Unvollständig
Jazz....?
kp229, 09.02.2015
3. Diebstahl
Der Grammy für den Song des Jahres gehört eigentlich Tom Petty, denn von diesem hat Sam Smith wesentliche Teile des Gewinner-Songs abgeschrieben.
cipo 09.02.2015
4.
Zitat von kp229Der Grammy für den Song des Jahres gehört eigentlich Tom Petty, denn von diesem hat Sam Smith wesentliche Teile des Gewinner-Songs abgeschrieben.
Dasselbe ging mir auch gleich durch den Kopf. Wo sind die Grammys für Tom Petty und Jeff Lynne, die Sam Smith die Vorlage für "seinen" Hit geliefert haben?
zwietracht 09.02.2015
5. Grammy is amerikanisch
Sich darüber zu wundern dass die US Musiker bevorzugt beim Grammy abräumen - wie der Schreiber dieses Artikels - ist ungefähr so informiert wie sich darüber zu wundern, dass auf dem Oktoberfest in München so viele Bayern zu finden sind… Der Grammy ist ein Preis der US Musikindustrie, abgestimmt wird von den zu 99% US-amerikanischen Mitgliedern der 'Academy of Recording Arts', es nehmen auch viele nicht US-amerikanische Labels gar nicht erst Teil an dieser Lotterie. Hinzu kommt dass die Abstimmungen geheim sind und man auch nie weiß wer eigentlich abgestimmt hat. Weniger Transparenz geht eigentlich nicht. In der Klassik ist es wohl der sinnloseste aller Preise, aber sieht hübsch aus so ein vergoldetes Grammophon und ist gut fürs Geschäft.
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