Grand Prix Schwedin Charlotte Nilsson trägt Schlagerkrone

"Take me to your heaven" - mit diesem Titel siegte Charlotte Nilsson aus Schweden beim Grand Prix Eurovision de la Chanson in Jerusalem. Die deutsch-türkische Gruppe "Sürpriz" landete mit ihrem Beitrag "Die Reise nach Jerusalem" auf dem dritten Platz.


Jerusalem - Auf den zweiten Rang gelangte Island, auf den vierten Kroatien. Israel selbst belegte den fünften Platz. Eindeutiger Verlierer des Abends war Spanien mit nur einem Punkt.

Charlotte Nilsson siegte im 44. Grand Prix de la Chanson
DPA

Charlotte Nilsson siegte im 44. Grand Prix de la Chanson

Mit Nilssons Sieg gewann Schweden zum dritten Mal den Eurovisions- Wettbewerb. Die mit einem lilafarbenen Dress bekleidete Schwedin mit langem blonden Haar überzeugte die Fernsehzuschauer in Europa mit einem Jive im "Abba"-Stil. Die Sängerin Selma aus Island, die ebenfalls in englischer Sprache sang, hatte sich mit ihr während der Länderabstimmung bis zuletzt ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert.

Israel favorisierte den deutsche Beitrag "Die Reise nach Jerusalem" der Gruppe "Sürpriz". Zwölf Punkte für Deutschland gab es außerdem von Polen, den Niederlanden und der Türkei, die ihrerseits zwölf Punkte von Deutschland erhielt. Auch das Publikum im Jerusalemer Kongreßzentrum hatte den Auftritt von "Sürpriz" mit begeistertem Applaus aufgenommen. Die sechs deutsch-türkischen Musiker betraten im Techno-Look gekleidet die Bühne und präsentierten als deutschen Beitrag ihren orientalisch klingenden Schlager auf deutsch, türkisch und englisch. Die letzte Zeile sangen sie hebräisch. Nach dem letzten deutschen Grand-Prix-Erfolg mit der Gruppe Mecado ("Wir geben 'ne Party") im Jahre 1994 konnte Komponist und Produzent Ralph Siegel erneut einen respektablen dritten Platz für sich verbuchen. Zum Abschluß des Schlagerabends stimmten alle Interpreten ein Lied für den Frieden an ("Halleluja"). Dana International, die transsexuelle israelische Gewinnerin des Vorjahres-Wettbewerbs, begeisterte in der Abstimmungspause mit einem spektakulären Open-Air-Auftritt vor der Zitadelle der Jerusalemer Altstadtmauer. Gekleidet im prunkvollen Stil ihrer jemenitischen Vorfahren und in Begleitung zahlreicher Tänzerinnen und Tänzer sang sie das Lied "Free" von Stevie Wonder und das traditionelle jemenitische Sabbat-Lied. Dies hatte im Vorfeld zu Protesten strengreligiöser Israelis geführt.

Der Eurovisionswettbewerb war in Jerusalem mit enormem Aufwand vorbereitet worden. Ton-Ingenieure und 45 Tonnen Beleuchtungsmaterial waren aus Deutschland eingeflogen worden, Licht-Designer kamen aus England, zwei Lastwagen mit Produktionsmaterial aus Belgien. Die Produktion war die aufwendigste in der Geschichte des israelischen Fernsehens. Die Auftritte der einzelnen Gruppen wurden überbrückt mit kurzen Filmspots, die biblische Motive mit Schauplätzen im modernen Israel verbanden.

Völkerverbindende und multikulturelle Themen waren unübersehbar im gesamten Wettbewerb. Für Israel trat die vierköpfige Gruppe "Eden" auf, der auch zwei Mitglieder der in Israel nur geduldeten "schwarzen Hebräer" angehörten. Norwegen vertrat der farbige Sänger Stig van Eijk, die bosnische Gruppe war ebenfalls aus Angehörigen verschiedener Volksgruppen zusammengesetzt. Zwölf der 23 Interpreten trugen ihre Songs englisch vor, ein Novum des Wettbewerbs, der vor 44 Jahren zum ersten Mal im schweizerischen Lugano ausgetragen wurde. Am Samstag verfolgten geschätzte 400 Millionen Menschen den Wettbewerb live im Fernsehen.

Der Grand Prix wurde von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Hunderte von Polizisten umstellten das Jerusalemer Kongreßzentrum, um jede Störung auszuschließen. Die 2000 geladenen Gäste mußten sich vor Eintritt strengsten Sicherheitskontrollen unterziehen.



© SPIEGEL ONLINE 1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.