Grand Prix und DSDS: Die alte Leier vom Plagiat

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Das klingt nach Skandal: Nach Grand-Prix-Vorentscheid und DSDS-Finale werden die obligatorischen Plagiatsvorwürfe laut. Alles geklaut, wettern die einen, "lächerlich" kontern die anderen.

Hamburg - War ja zu erwarten, dass sie wieder aufgelegt wird, die gute alte Schallplatte vom Plagiat. Dieses Jahr hat es "No, No, Never", den Siegertitel des Grand-Prix-Vorentscheids der Band Texas Lightning erwischt. Musikproduzent Marco Delgardo will in dem Song der Country-Rocker den dänischen Grand-Prix-Beitrag "Never Ever Let You Go" der Band Rollo & King aus dem Jahr 2001 erkannt haben.

Vorentscheid-Sieger Texas Lightning: "Keinerlei Übereinstimmung"
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Vorentscheid-Sieger Texas Lightning: "Keinerlei Übereinstimmung"

"Es sind zwar verschiedene Tonarten, aber neun von elf Tönen sind absolut identisch", sagte der 37-Jährige zu SPIEGEL ONLINE. Der Unterschied bestehe nur darin, dass das Original "musikalisch hochwertiger ist". Für seine Plagiatsschelte wandte sich der Produzent an die "Bild"-Zeitung: "Ich habe mich mal ans Klavier gesetzt und für 'Bild' die Lieder in derselben Tonlage eingespielt."

Die Meinung des Pop-Produzenten, der sich mit obskuren Dance-Nummern wie "Moshammer lebt" einen Namen gemacht hat, teilen bisher allerdings wenige. Dirk Neuhaus, Redakteur der größten deutschen Country-Community im Internet, Country.de, kennt beide Songs und findet die Vorwürfe "lächerlich". Für Neuhaus sind es "zwei unterschiedliche Texte und zwei unterschiedliche Melodien." Einen musikalischen Zusammenhang kann der Country-Experte "nicht heraushören".

X-Cell Records, die Plattenfirma von Texas Lightning, nimmt den Vorwurf gelassen. "Es gibt keinerlei Übereinstimmung, ja nicht einmal eine Ähnlichkeit", ließ Band-Manager Tim Schurig in einer Presseerklärung verlauten. "Die einzige Parallelen, die man mit viel gutem Willen noch herstellen kann, sind: Es handelt sich in beiden Fällen um einen Countrysong."

Aufregung gab es auch um Tobias Regner, den Sieger von "Deutschland sucht den Superstar". Der Song "I Still Burn", am vergangenen Samstag noch als "Weltpremiere" und "eigens für ihn komponiert" angekündigt, war bei der Online-Datenbank songlink.com schon im Herbst 2005 zu hören. "Eine Fehlmoderation", sagte RTL-Pressesprecherin Anke Eickmeyer, die die ganze Aufregung nicht versteht. "Tobias hat den Song persönlich aus mehreren Liedern ausgewählt. Er passt auf ihn wie die Faust aufs Auge."

Beim Grand-Prix-Vorentscheid haben Plagiats-Vorwürfe fast schon Ritual-Charakter. Im Jahr 2001 erklärte die "Bild am Sonntag", der Song "Wer Liebe lebt" von Schlagersternchen Michelle sei schon einmal von der Kölner Sängerin Ava Cimiotti eingesungen worden. Komponist Jean-Pierre Valance warf Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel nach dem Vorentscheid 2002 vor, das Lied "Let's Get Happy" von seinem Wolfgang-Petry-Hit "Weiß der Geier oder weiß er nicht" abgekupfert zu haben. Auch Stefan Raab war bei seinem Grand-Prix-Auftritt im Jahr 2000 vor Betrugsanschuldigungen nicht sicher. Ihm wurde unterstellt, die Blödelnummer "Wadde hadde dudde da" von der Nummer "Say You'll Be There" der damals erfolgreichen Mädchenband Spice-Girls kopiert zu haben.

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