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Superstar Gregory Porter: Jazzerweckung mit Kopfbedeckung

Von

Jazzstar Gregory Porter: Voll auf die Mütze Fotos
Vincent Soyez

Ein Jazzstar, der die Massen mobilisiert: Gregory Porter ist als Liveact höchst erfolgreich - nach seinem Wechsel zum berühmten Blue-Note-Label veröffentlicht seine alte Firma nun "Issues of Life", eine CD mit "Features and Remixes".

Und wieder hat ein Großer das kleine Label verlassen, das ihn zum Erfolg geführt hat: Der US-amerikanische Jazz-Superstar Gregory Porter ist vom Label Membran, das ihn entdeckte, zu Blue Note gewechselt. Ein bitterer Rückschlag für die kleine Firma aus dem New Yorker Stadtteil Harlem, der nur ein bisschen abgefedert wird durch ein letztes Album. Die Aufnahmen darauf sind nicht neu. "Issues of Life" enthält "Features und Remixes", die Gregory Porter "auf seinem Weg zum Superstar" aufgenommen hat. Ab jetzt arbeitet das mächtigere Label mit dem Sänger, dessen Platten viele Käufer jenseits der Jazzgemeinde findet. Mindestens so gut wie der Album-Verkauf funktioniert aber das Livegeschäft. Porters Konzerte bringen Massen auf die Beine. Freitagabend strömten Tausende in den Hamburger Stadtpark - so viele kommen sonst nur, wenn Popstars auftreten.

Der 43-jährige Sänger mit der Figur eines Football-Profis ist seit Jahrzehnten der erste Jazzkünstler, der Massen mobilisiert. "Jazzwunder Porter", schreibt "Die Zeit". Und die Jazzbranche fragt nach Erklärungen. Was macht Porter anders als die anderen Sänger des zeitgenössischen Jazz?

"Seit Langem schien gerade der Vocal Jazz in einem stylistischen Trott zu stagnieren", schreibt das US-Magazin "Down Beat", dessen Kritiker Porter zum Jazzkünstler des Jahres 2014 und - weit vor Kurt Elling und Bobby McFerrin - zum besten Sänger kürten. Der Jazzgesang, so "Down Beat", habe stagniert, weil sich Generationen von Künstlerinnen und Künstlern zu sehr an Vorbildern wie Billie Holiday, Ella Fitzgerald und Nat King Cole orientierten. Dann hätten zwar Cassandra Wilson und Kurt Elling "das Repertoire und den Charakter von Post-Beatles Rock und Soul" in den Jazzgesang eingebracht. Doch auch dieser Impuls liege nun schon 20 Jahre zurück.

Das Neue am Sänger Porter ist, dass er überwiegend eigene Stücke bringt. Wie die Singer/Songwriter im Folk und Rock erfindet er Melodien und Texte, die vom Alltagsleben der einfachen Leute erzählen. "Ich denke, dass die Jazzfans ein paar neue Songs hören wollten", sagt der Sänger. Seinen Erfolg verdankt Porter aber noch mehr seinem begnadeten Bariton und seiner Bühnenpräsenz - offenbar zahlt sich seine Erfahrung bei einer Broadway-Produktion aus. Porter verbindet traditionellen Jazzgesang mit Soul und Gospel. Und Pop-Fans mögen Porter, obwohl er seine Songs in Jazztradition von Konzert zu Konzert variiert, hin und wieder scattet und den Instrumentalisten seiner Begleitcombo Raum für Soli lässt. Oder kommen auch Leute wegen seiner Kopfbedeckung, die inzwischen ein Thema wurde wie Porters Stimme? So schrieb das "Hamburger Abendblatt" in der Ankündigung von Porters Stadtpark-Konzert "Nie ohne seine Mütze".

Tatsächlich kennt man Hüte als Markenzeichen im Musik-Geschäft von Frank Sinatra bis zu Udo Lindenberg, Jan Delay und Roger Cicero. Ein Hut kann Verwegenheit signalisieren und - so wie bei den beiden Deutschen - eine beginnende Glatze verbergen. Von Porters Strickschlauch über Hals und Ohren und der übergestülpten Russenmütze wurde zunächst angenommen, dass sie irgendwelche Narben oder Wundmale bedecken. Inzwischen aber gilt die Haube als modischer Gag. "It's my bit of personal stuff", erklärte Porter in einem Interview. Ein andermal sagte er: "Das bleibt auf ewig mein Geheimnis." Belassen wir es dabei: Was zählt, ist Porters Gesangskunst.


CD-Angaben:
Gregory Porter: Issues of Life - Features and Remixes. MustHaveJazz/Membran; 14,99 Euro.

Konzerte:
1.12. Mannheim (10. Leverkusener Jazztage), 2.12. Dresden, 3. 12. München, 4.12. Mainz, 5. 12. Erlangen. Karten: Karsten Jahnke.

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insgesamt 7 Beiträge
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    Seite 1    
1. großartige Musik
twaddi 14.09.2014
Porter ist groß, weil er eine fantastische Stimme, spitzenmäßiges Timing und viel Kreativität besitzt. Zusammen mit Jamie Cullum ist er das Beste, was zur Zeit musikalisch unterwegs ist. Dass seine Musik so erfolgreich ist - umso schöner!
2. Hoffentlich...
tombker 14.09.2014
wird da nicht jemand verheizt. Ich bin immer sehr misstrauisch, wenn Jazz plötzlich massenkompatibel erscheint. Jamie Cullum ist ein gutes Beispiel. Er ist - meiner Ansicht nach - total überschätzt.
3. ...
-1. 14.09.2014
interessiert mich nich ich höre gar kein jazz
4. Ein Komet ...
reever_de 14.09.2014
Mal vor einiger Zeit bei ihm reingehört. Ja, schon sehr guter Schnitt, würde ich sagen. Mehr leider für mich nicht. Am Musik-Himmel hell aufleuchtend, mit langem feurigen Schweif irgendwann wieder absteigend ...
5. Unter Hut
torlinnovak 14.09.2014
steckt natürlich einen Kopfhörer, der an einen Diktiergerät angeschlossen ist. Dadurch bekommt Potter Text und Musik eine halbe Sekunde zuvor zugeflüstert. Der leidet nämlich unter Kurzeitgedächtnisstörung. Ohne Gerät wäre er unfähig zu spielen und zu singen
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