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Wiedervereinigung von Guns N' Roses: Ernie und Bert des Hardrock

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Guns N' Roses: Ein großer Witz der Popgeschichte Fotos
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Nach Flops und Feindseligkeit wollen Axl Rose und Slash tatsächlich und wirklich wieder gemeinsam auftreten. Warum auch nicht? Guns N' Roses waren schon immer ein großer Witz der Popgeschichte. Aber ein guter.

Rock entsteht erstaunlich oft aus Männerpaarungen. Freundschaft ist für diese Art der künstlerischen Produktionsbeziehung wohl das falsche Wort. Am Anfang ist sie das wahrscheinlich immer, da werfen zwei Jungs ein Auge aufeinander, sehen, dass sie sich ergänzen, dass sie zusammen die Welt erobern können.

Aber spätestens wenn die Welt ihnen gehört, können sie sich nicht mehr ausstehen. Das war bei Paul McCartney und John Lennon so. Bei Keith Richards und Mick Jagger. Bei Pete Doherty und Carl Barât. Bei Liam und Noel Gallagher. Und ganz bestimmt bei Axl Rose und Slash, den beiden Köpfen hinter Guns N' Roses.

Dass ausgerechnet diese beiden sich nun wieder gefunden haben, der introvertierte Gitarrist Slash, der eine der großen Silhouetten des Rock hat, schwarze wirre Haare, die ihm ins Gesicht hängen, der Zylinder, den er auf dem Kopf trägt, die Stiefel, die Lederhose und das Jack-Daniels-T-Shirt, und der charismatische Sänger Axl Rose mit dem kaputten Sexappeal, das Irrlicht mit den Problemen - es ist einer der großen Witze der Rockgeschichte.

Wenn alles gut geht und sie sich nicht zerstreiten, werden die beiden und ihre Band Guns N' Roses am 16. und am 23. April zusammen als Headliner des Coachella-Festivals in Kalifornien auftreten. Es ist sogar die Rede davon, dass sie zusammen auf Tour gehen könnten, für drei Millionen Dollar Gage pro Show.

Guns N' Roses: Was sollte das noch mal?

Wie viel sie für ihren Auftritt beim Coachella bekommen, ist nicht bekannt. Was sie sich von dem Auftritt versprechen, warum das Comeback ausgerechnet jetzt über die Bühne gehen soll, ist ziemlich unklar, wahrscheinlich wissen sie es selbst nicht so genau. Ein Auftritt von Rose in einer amerikanischen Talkshow für heute Abend wurde auf jeden Fall kurzfristig abgesagt. Vielleicht findet er natürlich trotzdem statt. Bei Rose ist immer alles möglich. Tatsächlich ist ja nicht nur ihre Reunion, sondern die ganze Band einer der großen Witze der Popgeschichte. Ein guter Witz. Aber eben trotzdem ein Witz. Guns N' Roses: Was sollte das noch mal?

Der Hardrock-Sumpf von Los Angeles, aus dem sich Guns N' Roses Ende der Achtziger erhoben, war eine ziemlich triste Angelegenheit. Langhaarige weiße Männer, die noch einmal Rock machen wollten. Musik, die einfach war, die weiß war, die nichts mit all dem Kram zu tun hatte, der den Pop der Achtzigerjahre so interessant und aufregend machte: das Spielen mit Geschlechteridentitäten, die Übergänge von Schwarz und Weiß, die Beats, die nicht mehr von Schlagzeugern, sondern von Maschinen gemacht wurden. Guns N' Roses wollten noch einmal das große Rockdrama aufführen.

Axl Rose und Slash 1991: Oberkörperfrei in Rio Zur Großansicht
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Axl Rose und Slash 1991: Oberkörperfrei in Rio

Dafür waren Axl Rose, den es aus Indiana nach Los Angeles verschlagen hatte, ein junger Mann, dessen Vater ermordet und der als Kind missbraucht worden war und Slash, weltgewandter Gitarrist, dessen Mutter schon für David Bowie Kostüme genäht hatte, das richtige Paar. Der überschnappte Sänger mit den Leichen im Keller. Und der introvertierte Gitarrist, mit den richtigen Riffs. Guns N' Roses waren dreckig, aufregend und sagenhaft erfolgreich, "Appetite for Destruction", ihr Debütalbum, ist bis heute eine der erfolgreichsten Rockplatten aller Zeiten.

Ab Mitte der Neunziger ging eigentlich nichts mehr

Zwei Alben und ein paar hundert Konzerte lang ging es gut - und anders als fast alle Rockmusik aus jener Epoche sind Songs wie "Welcome to the Jungle", "Paradise City" oder "Sweet Child o Mine" erstaunlich gut gealtert. Von Rose kam der Irrsinn, von Slash die Gitarre. Diese beiden Elemente trennten sich jedoch bald. Drogen, große Egos, das, was man "künstlerische Differenzen" nennt - ab Mitte der Neunziger ging eigentlich nichts mehr. Rose feuerte Bandmitglieder, ohne die anderen zu konsultieren, Slash nahm Songs auf, ohne Rose Bescheid zu sagen. Man trat ohne den anderen auf, kommunizierte nur noch über Anwälte - das übliche Spiel. 1996 stieg Slash aus und widmete sich anderen Projekten. Rose engagierte einen Musiker nach dem anderen, nur, um sie wieder zu feuern. Trat nicht mehr auf.

Und dann kam "Chinese Democracy". Das unbetitelte Guns N' Roses-Album, das diesen Titel bekam, weil es ähnlich lange auf sich warten ließ. Noch so ein Witz, eine der überflüssigsten Platten der Popgeschichte. Ein Witz allerdings, der durch die Begleitumstände unglaublich komisch ist.

Denn die Getränkemarke Dr. Pepper etwa versprach Ende März 2008 jedem Amerikaner eine Umsonstdose, wenn das Album zum Jahresende noch erscheinen werde - jedem außer Slash und dem zweiten Guns N' Roses-Gitarristen Buckethead. Als die Platte schließlich im November endlich einen Erscheinungstermin hatte, brach zum Glück für Dr. Pepper der Internetserver der Firma zusammen, wo man seine Umsonstdose bestellen konnte. Rose hatte angekündigt, seine Cola mit Buckethead zu teilen. Allerdings nicht mit Slash.

"Chinese Democracy" ist eine der teuersten Platten aller Zeiten, es soll um die 14 Millionen Dollar gekostet haben, sie zu produzieren. Sie spielte nur einen Bruchteil davon wieder ein. 14 Jahre werkelte Rose daran herum, es gibt Leute, die glauben, die größte Pointe der Platte sei, dass sie die Musikindustrie zum Einsturz gebracht habe. Wollen sie das nun wieder gut machen? Axl Rose und Slash? Dieses späte Traumpaar? Ernie und Bert des Hardrock?

Lustig wäre es.

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insgesamt 57 Beiträge
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1.
pewo77 05.01.2016
Chinese democracy ist nicht so schlecht, wie ständig behauptet wird. Ich habe manchmal das Gefühl, das sich niemand die Mühe gemacht hat, das Album wenigstens zu hören, bevor man es schlecht findet :-) Mindestens der Titelsong ist saugeil...
2.
Kurbelradio 05.01.2016
früher wollte ich immer auf Guns´n Roses-Konzerte gehen. Allerdings schreckte ich davor zurück, weil Axl Rose so ähm...launisch(?) war. Und jetzt - nein. Ich will nicht mehr hin. Ich mag die Musik zwar immer noch, aber auf ein Konzert, wo ein gealterter Axl sich evtl. auch noch blamiert...und dann beleidigt von der Bühne stampft. Ian Anderson ist trotz Alter immer noch sehenswert. Und zuverlässig. Da spare ich mein Geld lieber für den Flötisten.
3. Äh, ja..
phiasko76 05.01.2016
..GnR ein guter Witz (der Rock-Geschicht?!). Schon klar, dass Artikel auf SPON polarisieren müssen, um die nötige Anzahl an Lesern anzulocken. Aber was genau will uns der Autor eigentlich sagen? GnR war Anfang der 90er schlicht die größte Rock-Combo der Welt. Die Jungs haben Rock-Geschichte in großen Lettern geschrieben. Ihre Songs laufen weltweit immer noch die Radiostationen rauf und runter. Ähnlich groß war damals nur noch Metallica. Dann kam lange erstmal nichts..
4. Chinese Democracy
Heisenberg 05.01.2016
fand ich damals und finde ich auch heute noch großartig. Ein sehr sehr sehr geiles Album.
5. Bitte, es reicht jetzt
romeov 05.01.2016
Das ist jetzt schon der zweite Artikel. Wir haben begriffen, dass sie abgebrannt sind und wieder etwas Kohle brauchen. Die Hardcore Fans werden sich das nochmals anschauen, wie die totgefärbten, ondulierten Haare über die Bühne wehen.
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