Sänger der Schock-Metaller Gwar Der Mann, der Oderus Urungus war, ist tot

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Sein bürgerlicher Name war Dave Brockie, doch Freunde des theatralischen Metal kannten ihn als Oderus Urungus. So lautete sein Rollenname in der Band Gwar, die 30 Jahre lang Konzertgänger mit einer Blut-und Sperma-Show unterhielt. Nun ist der Sänger im Alter von 50 Jahren gestorben.

2010 öffnete Oderus Urungus für das US-Magazin "Spin" die Türen seiner Sklavenwerkstatt in Richmond, Virginia. Allerlei symbolträchtiger Trash stand und hing dort herum, unter anderem ein Gwar-Wahlkampfplakat, ein Andenken an das 2004er-Album "War Party". Damals habe man George W. Bush bei der Wiederwahl helfen wollen: "Gwar unterstützt die Republikaner, weil sie viele Dinge fördern, die Gwar wichtig sind: Krankheit, Hunger und Krieg", sagte der Sänger.

Nein, subtil war der Humor der Band eher nicht, die Dave Brockie 1984 mit einigen Mitstreitern in Richmond gründete. Brockie nannte sich Oderus Urungus; ein 43 Milliarden Jahre alter Außerirdischer vom Planeten Scumdogia. Seine Kollegen nannten sich Balsac the Jaws of Death, Flattus Maximus oder Beefcake the Mighty. Der Manager, "der berüchtigte Pornograf und Plattenproduzent Sleazy P. Martini" ("Berliner Zeitung") brachte sie nach New York, wo sich schon bald nicht nur Debbie Harry an Vorläufer wie Kiss oder Alice Cooper erinnert fühlte.

Während die Musik von Gwar eher gewöhnlicher - und nicht sonderlich inspirierter - Thrash Metal mit ordentlichem Hardcore-Einschlag war, machte die Bühnenshow der Band um so mehr Eindruck. Der Besuch von Gwar-Konzerten wurde zur Mutprobe unter experimentierfreudigen Teenagern und Kunststudenten in spe, ab Anfang der Neunziger auch regelmäßig in Europa. Denn hier wurden Figuren von Prominenten massakriert und geschändet, Massen von Kunstblut wurden durch die Hallen geschossen, und Oderus Urungus ejakulierte aus einem Riesenpenis - den er allerdings bei einer Gerichtsverhandlung 1990 als Gummifisch auszugeben versuchte.

Gwar schrieben eine Erfolgsgeschichte, allerdings eher außerhalb der traditionellen Metal-Szene. Zweimal waren sie für Grammys nominiert: 1993 für das beste Langform-Musikvideo ("Phallus In Wonderland") und 1996 für die beste Metal-Performance ("S.F.W."). Mit ihrer theatralisch-satirischen Show halfen Gwar mit, den Boden zu bereiten für Bands wie die Insane Clown Posse oder Slipknot, die mit Metal-Maskeraden hoch in die Charts kamen. Und sogar in die brave Welt des Eurovision Song Contests drangen die Kinder von Gwar vor - und verzückten ganz Europa: 2006 triumphierten die finnischen Gwar-Klone von Lordi.

Die meisten Rollen in der Grusel-Theatertruppe von Gwar wurden über die Jahre immer wieder neu besetzt. So war 2011 der Tod im Bandbus des 34-jährigen Cory Smoot ein Schock - doch der Gitarrist war schon der fünfte in der Rolle des Flattus Maximus gewesen, die Band beschloss, die laufende Tournee ohne ihn fortzuführen.

Dave Brockie hingegen war der einzige Oderus Urungus und auch das letzte verbliebene Gründungsmitglied von Gwar. Der Manager der Band bestätigte gegenüber "Blabbermouth", dass ein Mitmusiker Brockie leblos in seinem Haus in Richmond aufgefunden habe. Er wurde 50 Jahre alt. Die örtliche Polizei hat eine Autopsie angeordnet.

feb/AP

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10 Leserkommentare
Zappa_forever 24.03.2014
wolbek 24.03.2014
lovearthatecops 24.03.2014
spotmakesmyday 24.03.2014
LaermTot 25.03.2014
LaermTot 25.03.2014
astelgraaf 25.03.2014
zwiebel1896 25.03.2014
elcamel666 25.03.2014
madcostelloartist 26.03.2014

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