Los Angeles/New York/Hamburg - Bis Kurt Cobain seinen Grunge-Weltschmerz herausbrüllte und damit ihren Karrieren ein Ende setzte, galten Männer wie Jani Lane als Götter im amerikanischen Rock-Zirkus. Spätestens seit Mitte der Achtziger bis in die frühen Neunziger hinein feierte der sogenannte Hair- oder auch Glam-Metal in den USA gigantische Chart-Erfolge - und auch Europa blieb von einer ordentlichen Dosis musikalischen Haarsprays nicht verschont.
Was mit der rotzigen Chicks-and-Partys-Attitüde von Bands wie Mötley Crüe begonnen hatte, fand mit dem Hardrock-Pop von jüngeren Posertruppen wie Poison oder eben Jani Lanes Warrant einen logischen Abschluss: Der perfekt in die Reagan-Ära passende, herzhaft prokapitalistsche Sex-and-Drugs-and-Rock'n'-Roll-Cocktail der Bands, die vor allem der Szene rund um den Sunset-Strip in Los Angeles entstammten, wurde eimerweise mit musikalischem, optischem und textlichem Zucker versüßt, um ihn auch dem letzten Teenager verdaulich zu machen.
Lane war nicht nur der Sänger von Warrant, der mit Schmollmund und tadellos frisierter Blondmähne durch die damals noch äußerst wichtigen MTV-Clips hüftwackelte, sondern zugleich Haupt-Songwriter: Mit Songs wie "Heaven", "Down Boys", "Cherry Pie" und "Uncle Tom's Cabin" erreichte seine Band mehrfach Top-Platzierungen in den Charts weltweit.
Die Grunge-Welle schwappte schließlich auch über die Köpfe von Warrant hinweg - statt fröhlich-frechem Heartbreak-Rock wünschte sich das Publikum nun düsteres Herzschmerz-Gewummer. Nach zwei äußerst erfolgreichen Alben, die sich mehrere Millionen Mal verkauften, erlitt die Band mit "Dog Eat Dog" aus dem Jahr 1992 folgerichtig einen ersten kommerziellen Einbruch - und danach ging es richtig bergab. Es kamen ein paar weitere Alben heraus, Lane verließ die Poser-Rocker, stieg wieder ein und wieder aus, zuletzt im Jahr 2008.
Mit "Rockaholic" veröffentlichten Warrant dieses Jahr ein Album, mit dem die Band zwar nicht an alte Erfolge anknüpfen konnte, das aber im Rahmen eines kleinen Glam-Revivals immerhin auf wohlwollendes Interesse seitens des Publikums und einiger Kritiker stieß.
Bei dieser Aufnahme war Lane allerdings nicht mehr dabei, er hatte sich zuletzt als Solo-Künstler versucht und war bei anderen Bands eingesprungen. Jetzt ist der Sänger im Alter von nur 47 Jahren verstorben, seine Leiche wurde nach Angaben der "Los Angeles Times" in einem Hotelzimmer im Stadtbezirk Woodland Hills gefunden. Die Todesursache konnte die Polizei zunächst nicht nennen.
tdo
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