Hardrock-Veteranen: Scorpions denken an Karriereende

Sie sind Deutschlands international erfolgreichste Hardrockband, nun wollen sich die Scorpions nach über 40 Jahren auflösen: Das aktuelle Album soll das letzte sein, die weltweite Tournee soll den Metal-Veteranen als Abschiedsreise dienen.

Fotostrecke

4  Bilder
Scorpions: Weht da etwa der Wind of Change?
Hamburg/Hannover - Wie immer bei alternden Rockbands, die nur noch im Schatten ihres vergangenen Ruhms agieren, wird jetzt sicher so mancher erleichtert sein: Die Scorpions lösen sich auf. Nach gut 45 Jahren im Rockgeschäft. Im März erscheint das neue Album "Sting In The Tail", es folgt eine Welttournee, danach soll Schluss sein, das kündigte die aus Hannover stammende Band am Sonntag auf ihrer Homepage an.

"Wir wollen die außergewöhnliche Scorpions-Karriere mit einem Höhepunkt zu Ende bringen", heißt es in einer "wichtigen Nachricht an unsere Fans". "Deshalb scheint es uns an der Zeit, gerade jetzt an das Ende der Karriere zu denken." "Wir gehen lieber jetzt mit einem Hammeralbum und folgen unserem Herzen", sagte Sänger Klaus Meine, 61, der "Bild am Sonntag". "Wir haben ein bisschen gerechnet. Jetzt kommt das Album, dann zwei, drei Jahre Tour. Dabei werden wir ja nicht jünger." Der gleichaltrige Gitarrist Rudolf Schenker erklärte: "Wir wollen nicht, dass es unwürdig wird."

Ein guter Punkt. Aber man darf natürlich nicht vergessen, dass die Scorpions vor allem in den siebziger und achtziger Jahren, der Hochzeit des Heavy-Rocks, zu den erfolgreichsten deutschen Rockexporten zählten. Nach ihrem internationalen Durchbruch in Japan, wo auch das bis heute unter Musikern als Klassiker geltende Live-Album "Tokyo Tapes" entstand, füllten die Hannoveraner Stadien von Brasilien bis Los Angeles. Viele Rockgrößen von heute, darunter Iron Maiden, Bon Jovi und Metallica, traten im Vorprogramm der Scorpions auf und ließen sich von der Bühnenperformance der Deutschen inspirieren. Auch bis in den Alternative Rock reichte ihr Einfluss: Smashing-Pumpkins-Sänger Billy Corgan überraschte Interviewpartner immer wieder mit der gänzlich unironischen Aussage, Scorpions-Fan gewesen zu sein.

Zweischneidiger Karrierehöhepunkt

Die Band verkaufte über 100 Millionen Tonträger und wurde mit mehr als 200 Gold- und Platin-Auszeichnungen bedacht. Zu den bekanntesten Songs der Band gehören "Rock You Like A Hurricane", "Big City Nights" sowie die Balladen "Still Loving You" und "Wind of Change". Letztere, 1990 veröffentlicht, wurde zum elegischen Soundtrack für den durch Michail Gorbatschows Perestroika-Politik ausgelösten Zusammenbruch der Sowjetunion und die deutsche Wiedervereinigung nach dem Fall der Berliner Mauer. Einladungen in den Kreml und bejubelte Massenkonzerte in Russland und Osteuropa folgten.

Die Single "Wind of Change" und das zugehörige Album "Crazy World" gehören zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen der Band - ein zweischneidiger Karrierehöhepunkt, an den die Scorpions nie wieder anknüpfen konnten. Die kitschige Hymne mit dem markanten Pfeifen, nicht die energischen Rocksongs, wurde zum Markenzeichen der Band und setzte sie in den Folgejahren vielfach der Kritikerhäme aus.

Rudolf Schenker gründete die Scorpions 1965, Sänger Klaus Meine stieß zum Jahreswechsel 1969/1970 dazu und bildete fortan mit Schenker ein überaus erfolgreiches Songwriter-Paar. Die Besetzung wechselte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder. In den Anfangsjahren gehörte auch Rudolfs Bruder Michael Schenker, später Lead-Gitarrist bei UFO und der Michael Schenker Group. Neben Schenker und Meine gehört Matthias Jabs zu den am längsten zugehörigen Bandmitgliedern. Der Gitarrist stieß 1979 nach dem endgültigen Ausstieg Michael Schenkers zu den Scorpions.

Traurig müssen treue Fans der Hannoveraner Metal-Veteranen nun erst einmal nicht werden: Durch die Ankündigung der Welttournee bleiben die Scorpions der Rockwelt noch mindestens drei Jahre erhalten. Und wer weiß, vielleicht weht danach ja auch ein "Wind of Change" durch die aktuellen Auflösungspläne der Band. Gut möglich, dass es zunächst nur darum geht, die Plattenverkäufe noch einmal richtig anzukurbeln.

bor/apn

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Vergessen?
willywurm 24.01.2010
Hallo, SPIEGEL-Redaktion, habt ihr in diesem Artikel nicht was vergessen? In einem solchen Artikel muss doch das traditionelle Hannover-Bashing auftauchen... also flugs noch einfügen... Entweder: "...unverständlich, wie eine solche Stadt eine solche Band hervorbringen würde..." oder für die Scorpions-Hasser "...eine Band so überflüssig wie ihre Heimatstadt..." Na ja, den Artikel hat wahrscheinlich ein Praktikant geschrieben, wahrscheinlich aus Lüneburg, der weiß halt noch nicht, dass Hamburg der Nabel der Welt ist...
2. Money does matter ...
michel_aus_lönneberga 24.01.2010
... die wievielte Abschiedstournee haben Cher, die Stones oder die Turner bereits gespielt? Also Lemminge, nun schön bei den Scorpions antreten ...
3. blogg!
jot-we 24.01.2010
Zitat von willywurmHallo, SPIEGEL-Redaktion, habt ihr in diesem Artikel nicht was vergessen? In einem solchen Artikel muss doch das traditionelle Hannover-Bashing auftauchen... also flugs noch einfügen... Entweder: "...unverständlich, wie eine solche Stadt eine solche Band hervorbringen würde..." oder für die Scorpions-Hasser "...eine Band so überflüssig wie ihre Heimatstadt..." Na ja, den Artikel hat wahrscheinlich ein Praktikant geschrieben, wahrscheinlich aus Lüneburg, der weiß halt noch nicht, dass Hamburg der Nabel der Welt ist...
Aber ist es denn nicht viel eher so: "Nur zu verständlich, dass eine solche Stadt eine solche Band ..." Doch, bestimmt, grosses Ehrenwort!
4. war schon lange überfällig
lorn order 24.01.2010
Zitat von sysopSie sind Deutschlands international erfolgreichste Hardrock-Band, nun wollen sich die Scorpions nach über 40 Jahren auflösen: Das aktuelle Album soll das letzte sein, die weltweite Tournee soll den Metal-Veteranen als Abschiedsreise dienen. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,673699,00.html
Die Scorpions hätten schon vor langem aufhören sollen. Lovedrive, Blackout,Animal Magnetism und Love at First Sting waren starke Metal Alben. Die beiden weltbekannten Superballaden waren auch klasse! Aber das ist alles über zwanzig Jahre her!!! Seitdem kam doch nichts mehr, was der Rede wert gewesen wäre.
5. LG nicht beleidigen
Wattläufer 24.01.2010
Zitat von willywurmHallo, SPIEGEL-Redaktion, habt ihr in diesem Artikel nicht was vergessen? In einem solchen Artikel muss doch das traditionelle Hannover-Bashing auftauchen... also flugs noch einfügen... Entweder: "...unverständlich, wie eine solche Stadt eine solche Band hervorbringen würde..." oder für die Scorpions-Hasser "...eine Band so überflüssig wie ihre Heimatstadt..." Na ja, den Artikel hat wahrscheinlich ein Praktikant geschrieben, wahrscheinlich aus Lüneburg, der weiß halt noch nicht, dass Hamburg der Nabel der Welt ist...
Keine Beleidigung Lüneburgs bitte, der Stadt mit der höchsten Kneipendichte Norddeutschlands, dem höchsten Frauenanteil in Bezug auf die Einwohnerzahl ( stimmt echt !) und einer hübschen Altstadt. Null Aggressivität, mit dem Superzug 'metronom' bequem erreichbar. Lüneburg ist die schönste und beste Stadt Norddeutschlands ! Ich bin kein Lüneburger aber fahre gerne dahin.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Musik
RSS
alles zum Thema Scorpions
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 26 Kommentare