"Wir wollen die außergewöhnliche Scorpions-Karriere mit einem Höhepunkt zu Ende bringen", heißt es in einer "wichtigen Nachricht an unsere Fans". "Deshalb scheint es uns an der Zeit, gerade jetzt an das Ende der Karriere zu denken." "Wir gehen lieber jetzt mit einem Hammeralbum und folgen unserem Herzen", sagte Sänger Klaus Meine, 61, der "Bild am Sonntag". "Wir haben ein bisschen gerechnet. Jetzt kommt das Album, dann zwei, drei Jahre Tour. Dabei werden wir ja nicht jünger." Der gleichaltrige Gitarrist Rudolf Schenker erklärte: "Wir wollen nicht, dass es unwürdig wird."
Ein guter Punkt. Aber man darf natürlich nicht vergessen, dass die Scorpions vor allem in den siebziger und achtziger Jahren, der Hochzeit des Heavy-Rocks, zu den erfolgreichsten deutschen Rockexporten zählten. Nach ihrem internationalen Durchbruch in Japan, wo auch das bis heute unter Musikern als Klassiker geltende Live-Album "Tokyo Tapes" entstand, füllten die Hannoveraner Stadien von Brasilien bis Los Angeles. Viele Rockgrößen von heute, darunter Iron Maiden, Bon Jovi und Metallica, traten im Vorprogramm der Scorpions auf und ließen sich von der Bühnenperformance der Deutschen inspirieren. Auch bis in den Alternative Rock reichte ihr Einfluss: Smashing-Pumpkins-Sänger Billy Corgan überraschte Interviewpartner immer wieder mit der gänzlich unironischen Aussage, Scorpions-Fan gewesen zu sein.
Zweischneidiger Karrierehöhepunkt
Die Band verkaufte über 100 Millionen Tonträger und wurde mit mehr als 200 Gold- und Platin-Auszeichnungen bedacht. Zu den bekanntesten Songs der Band gehören "Rock You Like A Hurricane", "Big City Nights" sowie die Balladen "Still Loving You" und "Wind of Change". Letztere, 1990 veröffentlicht, wurde zum elegischen Soundtrack für den durch Michail Gorbatschows Perestroika-Politik ausgelösten Zusammenbruch der Sowjetunion und die deutsche Wiedervereinigung nach dem Fall der Berliner Mauer. Einladungen in den Kreml und bejubelte Massenkonzerte in Russland und Osteuropa folgten.
Die Single "Wind of Change" und das zugehörige Album "Crazy World" gehören zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen der Band - ein zweischneidiger Karrierehöhepunkt, an den die Scorpions nie wieder anknüpfen konnten. Die kitschige Hymne mit dem markanten Pfeifen, nicht die energischen Rocksongs, wurde zum Markenzeichen der Band und setzte sie in den Folgejahren vielfach der Kritikerhäme aus.
Rudolf Schenker gründete die Scorpions 1965, Sänger Klaus Meine stieß zum Jahreswechsel 1969/1970 dazu und bildete fortan mit Schenker ein überaus erfolgreiches Songwriter-Paar. Die Besetzung wechselte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder. In den Anfangsjahren gehörte auch Rudolfs Bruder Michael Schenker, später Lead-Gitarrist bei UFO und der Michael Schenker Group. Neben Schenker und Meine gehört Matthias Jabs zu den am längsten zugehörigen Bandmitgliedern. Der Gitarrist stieß 1979 nach dem endgültigen Ausstieg Michael Schenkers zu den Scorpions.
Traurig müssen treue Fans der Hannoveraner Metal-Veteranen nun erst einmal nicht werden: Durch die Ankündigung der Welttournee bleiben die Scorpions der Rockwelt noch mindestens drei Jahre erhalten. Und wer weiß, vielleicht weht danach ja auch ein "Wind of Change" durch die aktuellen Auflösungspläne der Band. Gut möglich, dass es zunächst nur darum geht, die Plattenverkäufe noch einmal richtig anzukurbeln.
bor/apn
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