Hauptstadt-Rap Bundesprüfstelle setzt Songs auf den Index

Deutschlands Hauptstadt-Rapper landen immer öfter in den Charts - und auf dem Index. Weil Gewalt, Sexismus und Nationalismus zum guten Ton gehören, greift die Bundesprüfstelle ein. Heute wurden erneut Produkte des Labels Aggro Berlin für den Verkauf an Jugendliche verboten.


Rapper Sido: Jugendfrei trotz Zotentexten
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Rapper Sido: Jugendfrei trotz Zotentexten

Zuletzt hatte der Berliner Rapper Fler für einen regelrechten Skandal gesorgt: Die Plattenfirma Aggro Berlin bewarb sein Debütalbum "Neue Deutsche Welle" mit ganzseitigen Anzeigen in der Fachpresse. Headline: "Ab 1. Mai wird zurückgeschossen".

Zum abgewandelten Hitler-Zitat kamen Frakturschrift und Reichsadler; die Ästhetik des 23-jährigen Rappers rief übelste Assoziationen mit Rassismus und Rechtsradikalismus wach; die ansonsten auf Toleranz und Multikulturalität abonnierte HipHop-Szene war schockiert.

Mit Flers Verwurstung patriotischer und sexistischer Themen, um sein Image zu verschärfen, erreichte die Debatte um die Radikalisierung des deutschen HipHop einen vorläufigen Höhepunkt. Den Medienwächtern sind die Texte von Künstlern wie Sido, Fler und Bushido schon lang ein Dorn im Auge. Vor allem das Label Aggro Berlin schafft es immer wieder auf die Indexliste der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Nachdem bereits der Sampler "Aggro Ansage Nr. 3" indiziert wurde, sind jetzt auch "Aggro Ansage Nr. 2" und "King of Kingsz" von Bushido für den Verkauf an Kinder und Jugendliche verboten worden.

Bei den beiden CDs geht es allerdings nicht um nationalistische Töne, sondern um den exzessiven Gebrauch von Fäkalsprache und die Schilderung sexueller Szenarien. Laut BPjM seien die Texte geeignet, Jugendliche "sozialethisch zu desorientieren", wie die dpa heute meldete. Es werde ein menschenverachtendes Menschenbild vermittelt, die Würde der Frau in hohem Maße verletzt.

Sidos "Arschficksong" ist vom Urteil des Bonner Gremiums jedoch ausgenommen. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), die im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden handelt, gab das dazugehörige Video schon für 16-Jährige frei. Pointe der Einschätzung: Liegt bereits ein Alterskennzeichen der FSK vor, ist der Fall für die Bundesprüfstelle erledigt.

Bushido, Ex-Aggro-Berlin-Rapper und mittlerweile beim Branchenmulti Universal unter Vertrag, hatte weniger Glück: Drei seiner fünf bislang veröffentlichten Alben durchlaufen derzeit das Indizierungsverfahren. Der HipHop-Star macht sich allerdings seinen eigenen Reim auf die Entwicklung: "Wenn man sagt, dass meine Musik schlimmes Zeug ist, wird es für die Kids doch erst interessant", sagte er im Interview der "Süddeutschen Zeitung".



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