Video-Premiere "Doppelherz" Grönemeyer singt auf Türkisch

Leidenschaftliches Plädoyer gegen engstirnige Heimat-Debatten: Herbert Grönemeyer singt seinen neuen Song "Doppelherz / Iki Gönlüm" auf Türkisch und Deutsch. Den zugehörigen Videoclip zeigen wir als Premiere.

Herbert Grönemeyer
Antoine Melis

Herbert Grönemeyer

Von


Ein Partyschiff auf der Spree, ein Hochzeitspaar, das sich anödet. Aber um sie herum lässt einer die Puppen tanzen: Herbert Grönemeyer ist mit der zweiten Single aus seinem neuen Album "Tumult" für einige Überraschungen gut. "Doppelherz / Iki Gönlüm" heißt der beschwingte Song, den der 62-jährige Sänger und Songwriter ("Mensch") auf Türkisch und Deutsch singt. "Jeder braucht seinen Fluchtpunkt seinen Platz, 'ne zweite Heimat", heißt es darin, und weiter: Auch Du bist so vieles mehr/ Schwarz und weiß im Wechsel/ Man lebt auch mal seinen Ort leer und braucht dann wieder neue Rätsel".

Das ist ein starkes, politisches Statement für kulturelle Vielfalt - in der Seele, wie auch im Lande. Und eine leidenschaftliche Absage an die zurzeit immer engstirniger und populistischer geführten Debatten um Heimat und Identität. Grönemeyers Lied, das orientalische Rhythmik mit Hip-Hop- und R&B-Beats verschränkt und den deutschtürkischen Kreuzberger Sänger Andac Berkan Akbiyik alias BRKN als Gastrapper aufbietet, will dazu animieren, mit den vielen kulturellen Einflüssen und Eindrücken, die jeden von uns umgeben, tanzen zu gehen - und dabei auch das vermeintlich Fremde als neu und aufregend zu umarmen. So, wie die Braut im Videoclip (Regie: Zoran Bihac), die sich am Ende buchstäblich den Sprung ins frische Wasser traut.

Heimat gibt es für Herbert Grönemeyer nur im Plural, es geht ihm um Sehnsüchte nach dem Fernen und dem Vertrauten gleichermaßen, die wir alle in uns tragen, die uns einen. Er habe früher schon auf Englisch und auf Französisch gesungen, dann habe er gedacht, "nehme ich mal Türkisch. Um natürlich zu zeigen: Das ist eine Sprache, die existiert in Deutschland schon lange." Kein Deutschtürke solle sich die Frage stellen müssen, ob er hierhergehöre oder nicht, findet der in Berlin lebende Sänger: "Das sind Deutsche, und die gehören hierher, genauso wie ich." Seine eigene Mutter komme auch nicht aus Deutschland, sondern aus Estland. "Diese Debatte dürfe gar nicht passieren", meint Grönemeyer: "Ich find' das völlig überflüssig."

Herbert Grönemeyers 15. Studioalbum "Tumult" erscheint am 9. November.



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.