Herzinfarkt Pop-Sänger Robert Palmer ist tot

Der Soul- und Popsänger Robert Palmer ist im Alter von 54 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Palmer feierte in den achtziger Jahren Erfolge mit Hits wie "Addicted To Love" und "Simply Irresistible".


Popsänger Palmer: Selbstironisches Sexsymbol
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Popsänger Palmer: Selbstironisches Sexsymbol

London - Palmer starb am Freitag in Paris an einem Herzinfarkt, teilte sein Manager Mick Cater mit. Der britische Popsänger wurde nur 54 Jahre alt. Zu seinen bekanntesten Songs gehörten "Addicted to Love" und "Simply Irresistible", beides Hits der achtziger Jahre. Cater nannte keine Einzelheiten, sagte aber, Palmer sei zu einer zweitägigen Unterbrechung von Plattenaufnahmen nach Paris gereist.

Nachdem er bereits in den sechziger und siebziger Jahren erfolgreich mit Soul und Reggae experimentiert und sich mit seiner eklektischen Musik und einem eleganten Kleidungsstil den Ruf eines eher verschrobenen Pop-Dandys eingehandelt hatte, gelang Palmer erst mit dem Synthie-Pop-Album "Clues" (1980) der Durchbruch. Mit Hilfe der prominenten Kollegen Chris Frantz (Talking Heads) und Gary Numan schuf er einen elektrisch groovenden Sound, der im Zuge der frühen Achtziger zu seinem Markenzeichen wurde. Das Album enthielt unter anderem den Disco-Klassiker "Looking For Clues" und den TopTen-Hit "Johnny & Mary"

Spätere Hit-Alben wie "Riptide" (1985) und "I Didn't Mean To Turn You On" (1987) präsentierte Palmer eher Rock- und Gitarren-orientierter. Zu Palmers Lieblingsthemen gehörte das Spiel mit seinem eigenen Image als Sexsymbol, ein Thema, das er immer wieder in selbstironischen Texten abhandelte. Sein Auftritt im Videoclip zu "Addicted to Love" inmitten einer Band aus lasziv tanzenden Vamps gehört zu den Klassikern der Popkultur. Der Song, für den er 1987 den Grammy für beste männliche Gesangsleistung erhielt, wurde sein größter Hit, das Video zu einem der meistgezeigten des damals jungen Musiksenders MTV und löste einige feministische Proteste aus. Über seine Videos, die ihn auch in den folgenden Jahren immer wieder umgeben von verführerischen und leicht bekleideten Frauen zeigten, sagte er einmal: "Ich will dem keine unangemessene Aufmerksamkeit zukommen lassen, weil es damals einfach nichts bedeutete. Es wurde einfach so ein ikonischer Stil." 1990 kürte ihn der "Rolling Stone" zum bestangezogenen Pop-Künstler.

Performer Palmer: Bestangezogener Popstar
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Performer Palmer: Bestangezogener Popstar

Weitere Erfolge waren 1990 seine Version des Bob-Dylan Songs "I'll Be Your Baby Tonight" mit UB40 und ein Medley mit den Marvin-Gaye-Klassikern "Mercy Mercy Me" und "I Want You" von 1991. Gemeinsam mit John Taylor und Andy Taylor von der Gruppe Duran Duran hatte Palmer 1985 die Band Power Station gegründet, die zwar nur zwei Jahre existierte, aber mit pompösen Poprock-Hits wie "Communication" und "Get It On" Erfolge feiern konnte.

In den Neunzigern wurde es eher still um Palmer, der zu den frühen Experimenten zurückkehrte und unter anderem eine Compilation klassischer Cabaret-Nummern veröffentlichte. Mit "Drive" erschien im vergangenen Jahr das letzte Album des Popstars.

Die letzten 16 Jahre hat Palmer in der Schweiz gelebt. An den Exzessen eines Lebens als Rock'n'Roll-Star habe er nie Interesse gehabt, sagte er einmal dem US-Musikmagazin "Rolling Stone". "Ich kann mir kein anderes Verhalten gegenüber dem Publikum vorstellen als ein hoffnungsvolles und positives. Und wenn das so altmodische Dinge wie Sentimentalität einschließt, nun, ich kann mir das erlauben."

Andreas Borcholte



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