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HipHop-Star 50 Cent: "Ruhm ist wie eine Sucht"

Er gilt als Vorzeige-Bad-Boy des Gangsta-Rap, aber wenn es um seinen Sohn geht, wird 50 Cent plötzlich kuschelweich. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der HipHopper über seine Angst vor dem Versagen, seine Gier nach Erfolg - und seine Vatersorgen.

50 Cent: Böser Bube als Pädagoge Fotos
Universal Music

SPIEGEL ONLINE: Ihr neues Album heißt "Before I Self Destruct" - fühlen Sie sich kurz vor der Selbstzerstörung?

50 Cent: Das Showbusiness ist unbarmherzig. Da werden Stars aufgebaut, nur um sie der Unterhaltung wegen wieder vom Sockel zu stoßen. Viele warten auf einen Fehltritt von mir, um meinen Platz einzunehmen.

SPIEGEL ONLINE: Sie beziehen sich in Ihren neuen Songs wieder auf Ihre Vergangenheit als Drogendealer in den Straßen und Sozialblocks von Queens...

50 Cent: ...und dabei bin ich ehrlicher als die meisten anderen Rapper. Sie versuchen in ihren Texten cool und gefährlich rüberzukommen, verkörpern millionenschwere Drogenbosse. Sie schreiben nicht darüber, was sie sind, sondern was sie gerne wären. Ich dagegen fühle mich inzwischen sicher genug, um über meine Unzulänglichkeiten als Jugendlicher und junger Mann zu reden. Ich musste in letzter Zeit viel daran denken, als ich mit Robert Greene das Buch "The 50th Law" schrieb (deutsch: "Geld Macht Freiheit", im Redline Verlag). Für mich war das ein geradezu therapeutischer Prozess.

SPIEGEL ONLINE: Sie stiegen innerhalb weniger Jahre vom kleinen Drogenhändler zum weltweit erfolgreichsten HipHop-Star auf. Sehen Sie Ihr Leben immer noch als ständigen Kampf?

50 Cent: Wie die meisten Rapper habe ich als Underdog angefangen, und verdiene inzwischen genug, um mein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Aber der Ruhm ist wie eine Sucht. Man bleibt ihm zuliebe in der Tretmühle - und arbeitet bis zum Umfallen, um das bisher Erreichte nicht zu verlieren.

SPIEGEL ONLINE: Seit Ihrem 2003er Debüt "Get Rich Or Die Trying" haben Sie nur Bestseller veröffentlicht. Was müssen Sie denn mit Ihrem neuen Album noch beweisen?

50 Cent: Es gibt im HipHop nicht wie im Rock die Möglichkeit, sich als Veteran auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Hast du einen großen Hit, musst du einen weiteren nachschieben. Und dann noch einen. Respekt bekommst du nicht als One-Hit-Wonder, sondern für ein anspruchsvolles Gesamtwerk. Das Schlimmste für mich wäre, die Leidenschaft zu verlieren, neue, noch bessere Songs zu schreiben. Das Publikum erwartet Perfektion. Deshalb habe ich das Album so oft verschoben.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in letzter Zeit nicht nur wegen Ihrer Verbalattacken auf andere Rapper, sondern auch wegen der Querelen um Ihren 14-jährigen Sohn Marquis in die Schlagzeilen geraten.

50 Cent: Ich verhandle gerade vor Gericht um eine andere Besuchsregelung. Im Moment darf ich meinen Sohn jedes zweite Wochenende sehen, aber ich bin so oft auf Tournee oder bei Filmdrehs, dass ich gerne flexiblere Zeiten hätte. Wenn mich die Sehnsucht packt, dann gibt es zum Glück noch die Großmutter, bei der ich Marquis jederzeit sehen kann.

SPIEGEL ONLINE: Machen Sie sich Sorgen um ihn?

50 Cent: Manchmal würde ich gerne mehr bei ihm sein, um ihm ein männliches Vorbild zu geben. Dieses dauernde Computerspielen etwa, da würde ich ihn lieber mit ins Fitness-Studio nehmen. Ich sehe mich in meinem Sohn wie in einem Spiegel. Er entwickelt dieselben Verhaltensweisen, zeigt dieselben Unsicherheiten wie ich einst an seiner Stelle. Er erwartet etwa, dass die Leute auf ihn zugehen und nicht umgekehrt. Wenn ihm was nicht passt, redet er nicht über seine Gefühle - sondern frisst alles in sich hinein. Das habe ich viel zu lange selbst so gehalten. Heute sage ich meinem Sohn: Lass uns drüber reden.

SPIEGEL ONLINE: Sie versuchen ihm den Halt zu geben, den Sie als Halbwaise - ihre Mutter wurde ermordet, als Sie acht Jahre alt waren - nie hatten?

50 Cent: Ich musste ohne Vater aufwachsen, kam nach dem Tod meiner Mutter zu den Großeltern. Die hatten noch acht andere Kinder an der Backe. Wie sollten sie mir da die nötige Aufmerksamkeit schenken? Ich musste sie mir woanders holen, auf der Straße. Mein Sohn wächst da viel behüteter auf.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind inzwischen ein erfolgreicher Geschäftsmann im 35. Lebensjahr. Wäre es da nicht an der Zeit, in Ihren Raps auch andere Rollen als die des jugendlichen Straßenkämpfers zu thematisieren?

50 Cent: Sie hätten mich gerne gemütlicher mit einem kleinen Bauch? Nein, mein Job ist es, spannende Geschichten zu erzählen, egal ob in der Gegenwart oder Vergangenheit. Außerdem gehört es einfach dazu, sich von seiner attraktivsten Seite zu präsentieren. Dafür trainiere ich jeden Tag. Natürlich bin ich privat ein vielseitiger Mensch: Ich lese etwa über Nelson Mandela, schaue mir die Klassiker der Filmgeschichte an. Vor allem aber studiere ich, welche Qualitäten ein Star braucht: die richtige Erscheinung, das richtige Material, den richtigen Auftritt und die richtige Persönlichkeit.

SPIEGEL ONLINE: Und dann noch die richtige Duftnote?

50 Cent: Sie spielen auf mein Parfum "Power bei 50 Cent" an? Es hilft dem Selbstbewusstsein auf die Sprünge. Gut auszusehen ist wichtig, gut zu duften noch besser. Was nützen die feinsten Klamotten, wenn man schlecht riecht?

SPIEGEL ONLINE: Sie nehmen das Wässerchen selbst, um sich besser zu fühlen?

50 Cent: Ich habe das nötige Selbstbewusstsein schon mitgebracht - sonst hätte ich es im HipHop nie geschafft. Meine Plattenfirma wollte mich manchmal anders haben als ich bin, politisch korrekter. Aber dem nachzugeben hätte nur schwachen Charakter bewiesen. Wer nicht von sich überzeugt ist, der hat im HipHop-Business nichts verloren.

Das Interview führte Jonathan Fischer

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
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1. .
frubi 16.11.2009
Zitat von sysopEr gilt als Vorzeige-Bad-Boy des Gangsta-Rap, aber wenn es um seinen Sohn geht, wird 50 Cent plötzlich kuschelweich. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht der HipHopper über seine Angst vor dem Versagen, seine Gier nach Erfolg - und seine Vatersorgen. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,661495,00.html
Für jemanden aus der Rap-Szene wenig interessant. Das was Fifty den "Homies" vom Spiegel erzählt hat er schon 1000 mal in andere Mikros gesagt. Ihr wart sozusagen Opfer des "Franchise-Interviews".
2. Der Nächste bitte
fiutare 16.11.2009
Unwichtige Menschen machen unwichtige Musik und produzieren unwichtige Meldungen. Der Nächste bitte.
3. Diese "Kunst" fängt mit Drogenverkauf an
marvinw 16.11.2009
50Cent baute seine Karriere auf Knochen Anderer in dem er Drogen viel ehrgeiziger verkauft hat als andere Dealer. In Amerika zählt der Erfolg und das Geld viel mehr als Leben anderer Menschen. Diese ganzen Möchtegerns-Gängster versuchen diese schmutzige Tatsache aus ihrer Vergangenheit zu romantisieren als ihr schwieriges Leben. Ein bischen Gewissensbisse über zerstörte Schiksäle durch Förderung des Drogenverkaufs würden hier nicht schaden. Und überhaupt: entweder singen lernen oder es sein lassen. "Bla, bla, bla, so cool bin ich" kann jeder produzieren. Wir haben genug Proleten an jeder Ecke.
4. U-Musik?
borpomat 16.11.2009
Zitat von fiutareUnwichtige Menschen machen unwichtige Musik und produzieren unwichtige Meldungen. Der Nächste bitte.
Arroganz steht keinem gut. Jemanden, der viele Menschen begeistert (ja, das tut er) als unwichtig zu bezeichnen, nur weil er den eigenen Geschmack nicht trifft (meinen übrigens auch nicht) ist... kein Beweis großer sozialer Kompetenz. Kann sich noch jemand an die U-Musik/E-Musik "Debatte" erinnern? Allerdings ist das Interview hier tatsächlich so oder so ähnlich schon oft geführt worden. Ob mit 50Cent oder mit Eminem oder Dr. Dre, das gleicht sich doch sehr.
5. USA und Hiphop
borpomat 16.11.2009
Zitat von marvinw50Cent baute seine Karriere auf Knochen Anderer in dem er Drogen viel ehrgeiziger verkauft hat als andere Dealer. In Amerika zählt der Erfolg und das Geld viel mehr als Leben anderer Menschen. Diese ganzen Möchtegerns-Gängster versuchen diese schmutzige Tatsache aus ihrer Vergangenheit zu romantisieren als ihr schwieriges Leben. Ein bischen Gewissensbisse über zerstörte Schiksäle durch Förderung des Drogenverkaufs würden hier nicht schaden. Und überhaupt: entweder singen lernen oder es sein lassen. "Bla, bla, bla, so cool bin ich" kann jeder produzieren. Wir haben genug Proleten an jeder Ecke.
Zum ersten Absatz: Ja. Die USA sind das einzige Land der Welt, wo Hugh Hefner nicht nur Geld machen konnte sondern auch gesellschaftlich es ganz nach oben geschafft hat. Zum zweiten Absatz: Hip-Hop leider nicht verstanden. Setzen, sechs ;) - Mit Worten umgehen wie 50Cent kann übrigens NICHT jeder. Sonst würde ihm ja keiner zuhören.
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