Hippie-Ikone: Indische Sitar-Legende Ravi Shankar gestorben

Der indische Musiker Ravi Shankar ist im Alter von 92 Jahren in Kalifornien gestorben. Der "Pate der Weltmusik" unterrichtete den Beatle George Harrison im Sitarspiel und wurde mit Auftritten auf den Festivals von Woodstock und Monterey weltberühmt.

San Diego - Er war Woodstock-Veteran und Beatles-Lehrer, Hippie-Ikone und Musikbotschafter seines Landes: Der legendäre indische Sitarmusiker Ravi Shankar ist tot. Der indische Nachrichtensender NDTV berichtete, der 92-Jährige sei am Dienstag mehrere Tage nach einer Operation in einem Krankenhaus im kalifornischen San Diego gestorben.

Indiens Premierminister Manmohan Singh würdigte den Musiker am Mittwoch als einen "nationalen Schatz und weltweiten Botschafter des indischen Kulturerbes". Die indische Botschafterin in den USA, Nirupama Rao, twitterte am Mittwoch, sie trauere "um ein musikalisches Genie und eine liebenswürdige Seele".

Shankar beeinflusste zahlreiche westliche Musiker - von den Rolling Stones über John Coltrane bis zu Yehudi Menuhin. Durch seine Zusammenarbeit mit den Beatles wurde er zur Ikone der Hippie-Bewegung. Er führte den traditionellen indischen Raga in die Popmusik ein, unterrichtete in den sechziger Jahren den Beatle-Gitarristen George Harrison, der ihn als "Godfather of World Music", den Paten der Weltmusik, verehrte.

Shankar brachte Harrison 1966 das Sitarspiel bei, was sich in Songs wie "Norwegian Wood" oder "Within You, Without You" niederschlug. Die beiden verbrachten viele Wochen zusammen, erst in Harrisons Haus in England, später auf einem Hausboot in Kaschmir und dann in Kalifornien. Sie arbeiteten bei zahlreichen Projekten zusammen, darunter das legendäre Konzert für Bangladesch 1971, das Shankar als "eine der bewegendsten und intensivsten musikalischen Erfahrungen des Jahrhunderts" beschrieb. Auch Bands wie die "Butterfield Blues Band" oder "The Byrds" übernahmen den Raga-Sound.

Bereits 1954 bereiste Shankar die Sowjetunion, wo er als Sitarspieler auftrat, ab 1956 war er in Großbritannien, Deutschland und den Vereinigten Staaten auf Tour. Auf dem Monterey Music Festival spielte er 1967 vier Stunden lang. 1969 trat er neben Jimi Hendrix, Janis Joplin und anderen Stars beim legendären Woodstock-Festival auf. Allerdings war er nie ein gefälliger Mitläufer, sondern kritisierte offen den Drogenkonsum der Hippies sowie deren wenig reflektierte Meinung über sein Heimatland Indien.

"Ich war schockiert, die Leute so auffällig gekleidet zu sehen. Sie waren alle stoned. Das war für mich einen neue Welt", sagte er später über das Monterey-Festival. Er sei entsetzt gewesen, als Jimi Hendrix seine Gitarre angezündet habe: "Das war zu viel für mich. In unserer Kultur haben wir Respekt vor unseren Instrumenten, sie sind wie ein Teil Gottes."

Ravi Shankar wurde am 7. April 1920 in Varanasi als jüngster von sieben Söhnen einer bengalischen Brahmanenfamilie geboren. Nach der Trennung der Eltern wuchs er bei seiner Mutter auf. 1962 gründete er die Kinnara School of Music in Mumbai, fünf Jahre später eine Zweigstelle in Los Angeles.

Shankar unterrichtete an Hochschulen in New York und Los Angeles, leitete ab 1970 die Abteilung für Indische Musik am California Institute of the Arts. Er komponierte zahlreiche Filmmusiken, unter anderem zu Richard Attenboroughs "Gandhi". 1986 wurde er von Ministerpräsident Rajiv Gandhi für das Oberhaus des indischen Parlaments nominiert, dem er bis 1992 angehörte. Shankar ist Vater der prominenten Sitarspielerin Anoushka Shankar und der weltberühmten Soul- und Jazzsängerin Norah Jones.

Mit seinem Album "The Living Room Sessions Part 1" ist Shankar für die Grammy Awards 2013 nominiert. In der Kategorie "Bestes Weltmusik-Album" tritt er posthum unter anderem gegen seine Tochter Anoushka an, die mit "Traveller" ins Rennen geht.

ala/AP/dpa/AFP

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