Hörfunk Radiosender streichen "Die perfekte Welle"

Angesichts der Flutkatastrophe in Asien mit zigtausend Toten haben viele deutsche Radiosender den Hit "Die perfekte Welle" der Popgruppe Juli aus dem Programm genommen. Auch "Die Flut" von Witt/Heppner und "Land unter" von Herbert Grönemeyer werden vorerst nicht mehr gespielt.


Juli-Sängerin Eva Briegel: Keine "Geile Zeit", keine "perfekte Welle"
Universal Music

Juli-Sängerin Eva Briegel: Keine "Geile Zeit", keine "perfekte Welle"

Frankfurt/Main - "Jetzt kommt sie langsam auf dich zu, das Wasser schlägt dir ins Gesicht, siehst dein Leben wie ein Film, du kannst nicht glauben, dass sie bricht." So heißt es im Text des Songs "Die perfekte Welle" der deutschen Popband Juli. Für zahlreiche Sender Grund genug, das Lied vorerst nicht mehr zu spielen. Aus Pietätsgründen nahmen unter anderem HR3 und SWR3, der Norddeutsche, Westdeutsche und Mitteldeutsche Rundfunk, Radio SAW, Radio Hamburg und die private Senderkette Radio NRW das Lied aus dem Programm.

Die stellvertretende WDR2-Musikchefin Christiane Erhard, erklärte hierzu der Nachrichtenagentur AP: "Die Hörer reagieren da sehr empfindlich. Redakteure und Techniker achten schon automatisch auf mögliche Geschmacklosigkeiten."

HR3-Pressesprecherin Claudia Petroll sagte: "Wir haben den Song sofort am Sonntag aus dem Programm genommen. Ihn weiter zu senden, wäre uns pietätlos erschienen." Auch andere Stücke wie etwa "Die Flut" von Witt/Heppner kommen seitdem bei HR3 nicht mehr vor. Darin heißt es: "Wann kommt die Flut? Wann kommt die Pforte, in ein anderes großes Leben - irgendwo?"

Die nordrhein-westfälische Senderkette Radio NRW hat "Die Perfekte Welle" seit Montag um zehn Uhr ebenfalls aus den Musiklaufplänen entfernt. Grund sei schon der Titel, der passe nicht angesichts der Flutkatastrophe, sagte Sprecherin Anette Schmiedel in Oberhausen. Es werde jetzt nur noch der neueste Song von Juli, "Geile Zeit", gespielt. Die Entscheidung in solchen Fragen treffe die Musikredaktion und die Programmdirektorin. Die Popwelle SWR3 hat den Titel bereits am Sonntag aus dem Programm genommen, wie Sprecher Frank Bischoff in Baden-Baden bestätigte. "Es passt nicht, dass der Titel jetzt gespielt wird", so Bischoff. Jetzt werde etwas ruhigere Musik gesendet. Auch beim Golfkrieg oder den Anschlägen vom 11. September habe man schnell reagiert und das Musikprogramm entsprechend umgestellt.

Auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat den Juli-Song nach Angaben von Sprecherin Birthe Gogarten noch am Tag der Flutkatastrophe gestrichen. So etwas sei selbstverständlich und werde automatisch veranlasst. Der Programmchef von Radio Hamburg, Marzel Becker, sagte der "Bild"-Zeitung: "Mit Blick auf die entsetzliche Naturkatastrophe haben wir uns entschieden, den Song vorerst nicht mehr zu spielen."

Beim privaten Rundfunk-Sender Radio SAW in Magdeburg wird der Titel ebenfalls nicht mehr gesendet, "obwohl es im Liedtext eigentlich um Emotionen und nicht um Wasser geht", wie Musikredakteurin Conny Eisert auf Anfrage betonte. "Wir gehen gerade bei deutschen Liedern mit den Texten sehr sensibel um", fügte Eisert hinzu. Deshalb werde auch der Folgetitel der Gruppe Juli "Die geile Zeit" derzeit nicht gespielt. "So etwas kann man nach Nachrichten über die Katastrophe in Asien einfach nicht auflegen, das wäre geschmacklos", meinte die Musikredakteurin.

Weitere Sender, die den Wellen-Song von Juli zunächst nicht mehr spielen: die niedersächsischen Privaten Radio FFN und Hit-Radio Antenne und der Österreichische Rundfunk.



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