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One-Hit-Wonders: Wir sind Helden - für einen Song

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Die Ein-Hit-Wunder: Das gab's nur einmal, das kam nie wieder Fotos
Carolin Löbbert/ Avant

Aus dem Nichts an die Chartspitze - und genauso schnell wieder zurück: So erging es Bobby McFerrin oder Vanilla Ice. Das Illustrationsbuch "Ice Ice Baby" setzt den One-Hit-Musikern ein Denkmal.

Gibt es sie eigentlich überhaupt noch, die klassischen One-Hit-Wonders? Auf die man früher einen Sommer lang vor dem Radio gewartet hat, um schnell den Aufnahmeknopf zu drücken und zu hoffen, dass der Moderator nicht den nächsten Stau ins Ende reinquatscht. Von denen man sich Maxi-CDs gekauft hat, die dann in Regalecken verstaubten und die höchstens noch zu nostalgischen WG-Partys hervorgekramt wurden.

Und deren Interpreten - einmal Star und zurück - sofort wieder in der Obskurität verschwanden. Das Internet, Castinghows und musikalische Globalisierung haben den Zauber der One-Hit-Wonder ziemlich angekratzt, den Begriff verwässert. Denn es gibt inzwischen so viele Kurzzeithits und schnell verglühende Stars, dass sie kaum mehr zu zählen sind.

Wie schön, dass die Illustratorin Carolin Löbbert gemeinsam mit dem Journalisten Marcus Lucas ganz tief in der Mottenkiste der Charts gewühlt hat und in ihrem wunderschön illustrierten Buch eine Hall of Fame der oft vergessenen One-Hit-Wonder zusammengestellt hat.

Ohrwürmer der Jugend und modische Entgleisungen

Von 1955 bis 2015 geht die Schussfahrt in "Ice Ice Baby" durch einen Wald aus Evergreens und Kurzblühern. Der titelgebende Vanilla Ice ist natürlich mit dabei, die Crash Test Dummies oder Bobby McFerrin, aber auch zahlreiche Beispiele, bei denen man den Song sofort auf den Lippen hat, deren Namen aber niemand mehr kennt. Zu jedem Hit gibt es eine Doppelseite - auf der einen ein großes, fotorealistisches Porträt des Interpreten mit passenden Farbdetails, auf der anderen ein paar Infohäppchen mit Miniaturen.

Je mehr sich das Buch der Gegenwart nähert, desto unpassender wirkt allerdings die Kategorie des echten One-Hit-Wonder. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass die neueren Hits noch nicht mit einer verklärenden Patina überzogen sind.

Unterhaltsam wird es eher in den älteren Jahrgängen. Da kann man je nach eigenem Alter in den Ohrwürmern der Jugend stöbern und sich an all die Hits und Sternchen von einst erinnern. Und natürlich an den dazugehörigen Zeitgeist. Denn die Illustrationen der Hamburger Zeichnerin sind auch eine modische Reise durch die Jahrzehnte. Von Percy Sledges Schmalzlocke bis zum gewagten Outfit von Billy Ray Cyrus gibt es einiges an modischen Entgleisungen zu entdecken - es passt, dass viele der Zeichnungen im Stil an Modeillustrationen erinnern.

Vielen scheint der rasante Aufstieg nicht bekommen zu sein

Klar, dass es eine sehr subjektive Auswahl ist, die Löbbert und Lucas da zusammengestellt haben. Serge Gainsbourg oder Nena kann man höchstens in den USA als One-Hit-Wonder abtun, wie insgesamt die Ausrichtung des Buches eher auf den amerikanischen Markt zugeschnitten zu sein scheint. Aber das war ja schon immer das Schöne an persönlichen Listen: Sie liefern Stoff für Diskussionen.

Die jedem Hit beigesteuerten Informationen können einem zumindest bei der nächsten Party Bonuspunkte beim Gegenüber verschaffen. Oder hätten Sie gewusst, dass der Elvis-Hit "Blue Suede Shoes" ursprünglich von Carl Perkins stammte, oder dass Patrick Swayze seinen Klassiker "She's like the Wind" eigentlich für einen anderen Film als " Dirty Dancing" geschrieben hatte?

Wenn es um die Künstler selbst geht, sind es oft eher traurige Geschichten, die nach dem kurzlebigen Erfolg kamen. Vielen scheint der rasante Aufstieg in den Popstarhimmel nicht gut bekommen zu sein, von Selbstmorden, Süchten, dem Absturz in die Anonymität ist da zu lesen. Immerhin ist ihnen in diesem Buch jetzt ein kleines literarisches Denkmal gesetzt. Und zu dem gehört dieser verdammte Mitsummfaktor - man braucht nur den Titel eines Songs zu lesen, der sich irgendwann mal im Ohr eingenistet hat.

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  • Carolin Löbbert, Marcus Lucas:
    Ice Ice Baby

    One-Hit Wonders 1955 - 2015

    avant-verlag;
    168 Seiten; 22,00 Euro.

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
Shredder3000 02.11.2015
Wohl eher eine Grundschulen-Illustration.
2. Bobby McFerrin?
stageguy 02.11.2015
Er hat bei den One Hit Wonders nichts zu suchen. Sein Ausflug in die Charts brachte ihm eine Nummer eins Plazierung ein. Sonst ist er ein sehr erfolgreicher, innovativer Jazzsänger mit unglaublichen Fähigkeiten.
3.
snigger 02.11.2015
naja ... die auswahl der bilderstrecke ... ist dürftig. peter schilling hatte zum beipiel mit "terra Titanic" auch einen nachfolger-ohrwurm der öfters bei den 80er-parties läuft, als major tom. mir fehlen so richtige eintagsfliegen, wie ferkel sharky mit seinem good heart ... kommt der wenigstens im buch vor?
4. Unerreicht...
karlbrandt 02.11.2015
Ist für mich immer noch von Aqua-Barbie Girl :D
5.
crunchy_frog 02.11.2015
Zitat von sniggernaja ... die auswahl der bilderstrecke ... ist dürftig. peter schilling hatte zum beipiel mit "terra Titanic" auch einen nachfolger-ohrwurm der öfters bei den 80er-parties läuft, als major tom. mir fehlen so richtige eintagsfliegen, wie ferkel sharky mit seinem good heart ... kommt der wenigstens im buch vor?
Ferkel sind junge Schweine, der nordirische Sänger heisst Feargal und hatte zumindestens in seiner Heimat UK schon noch eine Reihe weiterer Hits und ist daher nicht wirklich ein klassisches one-hit Wonder.
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