Internet-Hype Rebecca Black "Friday" ist "schlechtester Videoclip aller Zeiten" 

Teeniestar schlägt U2, Susan Boyle - und sogar Rednex. Ein britisches Musikblatt hat die "50 schlechtesten Musikvideos aller Zeiten" gewählt. Auf Platz eins steht ein leichtes Opfer, Rebecca Blacks "Friday". Deutlich mutiger: Der vierte Platz für Lady Gaga.


Hamburg/London - Rebecca Black, 14, US-Popsängerin, steht auf Platz eins der Liste der "50 schlechtesten Musikvideos aller Zeiten". Der "New Musical Express", das wichtigste englische Fachblatt für Pop, ließ dem durch YouTube bekannt gewordenen Teeniestar diese zweifelhafte Ehre für das Video zu ihrem Song "Friday" zuteil werden.

Die Redaktion begründete ihre Entscheidung unter anderem mit den "fünf Euro teuren Spezialeffekten", den zahllosen Zahnspangen, die in dem Film zu sehen seien wie auch den Schulkindern, die tun würden, als ob sie Auto fahren - tatsächlich ist der Clip von derart naivem, unbeholfenem Charme, dass er als allzu einfaches Ziel der Kritik erscheint.

Nachdem der US-Comedian Daniel Tosh das amateurhaft gemachte Video im März 2011 in seinem Blog gepostet hatte, kam der Clip auf YouTube allein innerhalb der folgenden 14 Tage auf über vierzig Millionen Klicks. Insgesamt erreicht Black nach eigenen Angaben sogar 167 Millionen. Die kalifornische Schülerin war plötzlich ein Weltstar - allerdings weniger, weil sie so viele Bewunderer gefunden hatte, sondern weil es derart leicht war, sich über die an eine College-Aufführung erinnernde Darbietung und den dadaistischen Songtext ("Vordersitz, Rücksitz, ich muss mich entscheiden, welchen kann ich nehmen?") lustig zu machen. Black brach mit 1,2 Millionen "Dislikes" den Rekord für das meistgehasste YouTube-Videos. Dass sich der "NME" mit seinem Urteil über ein halbes Jahr später an diese Welle anhängt, erscheint angesichts der Unzahl scheußlicher Videos in der Popgeschichte ziemlich armselig.

Dann doch lieber eine Entscheidung wie die für zweiten Platz der Liste. Ihn belegt die Mainstream-Gitarrenband Kings Of Leon mit "Radioactive": "Wie christliche Missionare, die nach Afrika geschickt wurden, um den Schulkindern zu zeigen, wie man zerrissene Jeans trägt", so der "NME". Auf dem dritten Rang folgt die britische Castingshow-Gewinnerin Susan Boyle mit "Perfect Day". Biederer Song, kitschige Ästhetik, abermals ein allzu billiges Opfer.

Auf Platz vier aber steht die Künstlerin, die mit aufwendig produzierten Videos in Überlänge zuletzt Maßstäbe setzte, die seit dem Niedergang von MTV vergessen schienen: Lady Gaga. Ihr Clip zu "Judas" allerdings kam beim "NME" sehr schlecht an. "Ein Versuch, sich an den Madonna/Katholizismus-Zug anzuhängen - mit Tänzern die aussehen, als hätten sie seit den Neunzigern nichts richtiges gegessen".

Die weiteren Ränge werden dominiert von jeder Menge Trash und Classic Rock der achtziger und frühen Neunziger: Darunter befinden sich Huey Lewis And The News ("Hip To Be Square"), U2 ("Numb"), Rednex ("Cotton Eye Joe"), Survivor ("Eye Of The Tiger") und, auf Platz 50, Cher mit "If I Could Turn Back Time".

sha/dapd

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