Interview mit Sarah Connor "Das war einfach doof von mir"

Die deutsche Pop-Sängerin Sarah Connor sprach mit SPIEGEL ONLINE über peinliche Anfängerfehler, erotische Fotos und amerikanische Rapper.


Popstar Connor: "Delmenhorst ist wirklich okay"

Popstar Connor: "Delmenhorst ist wirklich okay"

SPIEGEL ONLINE: Frau Connor, wenn man wie Sie aus dem niedersächsischen Städtchen Delmenhorst kommt, muss dann ein Künstlername her, wenn man eine erfolgreiche Karriere starten will?

Sarah Connor: Nein, ich hätte sicher auch mit meinem richtigen Namen Karriere gemacht, aber ich wollte meine Familie schützen. Delmenhorst ist ziemlich klein, da war es schon besser sich einen Künstlernamen zuzulegen.

SPIEGEL ONLINE: Ärgert es Sie, wenn im Zusammenhang mit Ihnen immer wieder dieProvinzialität von Delmenhorst betont wird?

Connor: Überhaupt nicht, Delmenhorst ist wirklich okay, ich kehre immer wieder gerne dorthin zurück. Ich glaube auch nicht, dass es eine Rolle spielt, woher man stammt. Musik ist einfach eine Sache des Herzens und selbst Wyclef Jean hat es in Delmenhorst gefallen, als er mich mal besucht hat.

SPIEGEL ONLINE: Der amerikanische Rapper und HipHop-Produzent hat einen Song Ihres neuen Albums geschrieben. Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

Connor: Wir haben uns vor etwa einem Jahr bei der Aftershow-Party von "The Dome" kennen gelernt und gleich sehr gut verstanden. Er hat mich dann eine Woche später zu seinem Auftritt in Berlin eingeladen, wo ich gemeinsam mit ihm den Song "911" gesungen habe, den er ursprünglich mit der Soul-Diva Mary J. Blige aufgenommen hat. Und da hat er mich dann gefragt, ob er etwas für mein neues Album schreiben könnte.

SPIEGEL ONLINE: War das eine große Ehre für Sie?

Connor: Allerdings, schließlich ging die Initiative von ihm aus. Wir hatten uns zwar bereits angefreundet, aber ich hätte dennoch im Traum nicht daran gedacht, ihn zu fragen, ob wir zusammen arbeiten wollen. Anfangs wusste ich auch gar nicht, was ich davon halten soll, schließlich wird in diesem Geschäft eine ganze Menge geredet und am Ende bleibt nur heiße Luft. Wyclef aber hat Wort gehalten und während seiner Europatour im Mai haben wir uns in Berlin ein Studio gemietet, in einer Nacht den Song geschrieben und dann aufgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Der Rapper aus Amerika, die deutsche Pop-Prinzessin und ein Song, der "One Nite Stand" heißt, da brodelt die Gerüchteküche. Wie gehen Sie damit um?

Connor: Der Song heißt ganz korrekt ja "One Nite Stand (Of Wolves And Sheep)" und es geht darin auch um die Wölfe im Schafspelz, die dir im Musik-Biz tagtäglich begegnen, also die Art Freunde, die nur für dich da ist, solange sie sich in deinem Erfolg sonnen können. Allerdings ist natürlich auch der klassische "One Nite Stand" gemeint, wo man vielleicht am nächsten Morgen denkt "das hätte ich mir sparen können", aber trotzdem fürs nächste mal etwas lernt.

SPIEGEL ONLINE: A propos "etwas lernen": Sie haben sich bisweilen darüber beschwert, dass man mehr über Ihre gewagten Outfits als über Ihre Stimme sprechen würde. Daran waren Sie aber auch nicht ganz unschuldig...

Umstrittenes Outfit bei "Wetten, dass...?": "Das ist mir ziemlich auf den Magen geschlagen"
DPA

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Connor: Stimmt schon, es hat mich aber einfach irgendwann genervt, dass alle nur noch über die "Wetten, dass..."-Geschichte gesprochen haben. Ich habe doch nichts anders gemacht, als viele andere auch, aber bei mir wurde alles, was ich gesagt oder getan habe, gleich auf die Goldwaage gelegt. Daran musste ich mich erst mal gewöhnen und das ist mir auch ziemlich auf den Magen geschlagen.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt ein wenig naiv. Gerade bezüglich dieses Auftritts musste Ihnen doch klar sein, dass sich die Boulevardpresse mit Vergnügen darauf stürzen würde...

Connor: Ganz ehrlich, damals hatte ich einfach noch nicht so viel Erfahrung im Umgang mit den Medien. Ganz davon abgesehen, dass mein Outfit damals unpassend war, sah es auch noch blöde und unvorteilhaft aus, wie ich heute gestehen muss. Auch wenn das nicht bedeutet, dass ich nun gar keine sexy Klamotten mehr anziehe, würde ich das heute so nicht mehr machen. Alles in allem war diese Zeit keine schöne Erfahrung, gerade auch für meine Familie nicht. Trotzdem bin ich froh darüber, weil ich daraus doch eine Menge für das Geschäft gelernt habe.

SPIEGEL ONLINE: Wäre es dann aber nicht sinnvoll gewesen, auf die Bikini-Fotos in der aktuellen Ausgabe des Männermagazins "FHM" zu verzichten?

Connor: Bestimmt, diese Fotos sind aber grundsätzlich in Ordnung, es sind ja, wie gesagt, nette Bikini-Fotos.

SPIEGEL ONLINE: Ganz nackt käme also nicht in Frage?

Connor: Auf gar keinen Fall, von mir wird man definitiv keine Nacktfotos sehen, jedenfalls keine, die ich gewollt habe.

Duett-Partner Wyclef Jean: "Allerdings ist natürlich auch der klassische One Nite Stand gemeint"
AP

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SPIEGEL ONLINE: Jedes noch so kleine Pop-Sternchen zieht sich heute für so genannte erotische Fotos aus; was raten Sie nach Ihren eigenen Erfahrungen einem Newcomer?

Connor: Ich glaube wirklich entscheidend ist, dass man tatsächlich ein Talent hat und dass es nicht nur diese Fotos sind, die einen auszeichnen. Nur über diese Schiene den Erfolg zu suchen, davon halte ichnichts und rate davon auch ab. Das mag kurzfristig Publicity bringen, langfristig aber wird es nicht funktionieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie möchten Sie von der Öffentlichkeit gesehen werden?

Connor: Wenn man meine Platte hört, wenn man sich meine Texte anhört, dann bekommt man, glaube ich, den richtigen Eindruck von mir und von dem, was ich kann. Denn das ist dann Sarah pur, ohne dass irgendjemand mir die Worte im Mund herumdrehen könnte. Ich bin letztendlich ein ganz normales Mädchen von22 Jahren, das einfach das Glück hat, gut singen zu können.

SPIEGEL ONLINE: Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Wie weit können Sie Du Ihr Image wirklich noch selbst bestimmen?

Connor: Natürlich gibt es Dinge, die sich verselbständigen. Fotos von früher, die ohne mein Wissen abgedruckt werden, Geschichten, die von der Presse erfunden werden, weil es gerade nichts Neues zu berichten gibt, und so weiter. Darauf habe ich natürlich keinen Einfluss. Und auch bei Interviews, die ich gebe,lässt sich natürlich durchaus die Absicht meiner Aussagen verändern, indem ein Komma dreimal hin und her geschoben oder einfach etwas weg gelassen wird. Das lernt man doch in jedem Rhetorikkurs.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie einen absolviert?

Connor: Nein, aber ein Interview- und ein Sprachtraining. Ich habe nun mal Ecken und Kanten und gebe nicht immer massenkompatible Antworten.

SPIEGEL ONLINE: Wie in der "Harald Schmidt-Show", wo Sie Udo Jürgens eine Vorliebe für kleine Jungs angedichtet haben; böse Zungen behaupteten damals, dass diese Äußerung weniger naiv, als reinesMarketing war, weil sie Schlagzeilen in der "Bild"-Zeitung garantierte...

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Connor: Nein, so clever war ich damals ganz bestimmt nicht. Das war damals doof von mir und ich habe mich auch längst bei Udo Jürgens entschuldigt. Ich bin niemand, der hinter dem Rücken anderer lästert. Wenn ich jemanden etwas mitzuteilen habe, dann sage ich ihm das auch ins Gesicht.

SPIEGEL ONLINE: Dann erzählen Sie doch mal, was Sie von Ihrer deutschen Konkurrenz halten...

Connor: Ich bewundere Joy Denalane, die deutschen Soul macht, und auch einige deutsche HipHop-Projekte gefallen mir ganz gut.

SPIEGEL ONLINE: Indem Sie englisch singen, grenzen Sie sich aber ganz bewusst abvon dieser neuen deutsche Soul-Szene.

Connor: Ich bin ein großer R'n'B- und HipHop-Fan und in der Tat ist das Angebot diesbezüglich in Deutschland nicht so groß. Daher orientiere ich mich doch eher an US-Künstlern.

SPIEGEL ONLINE: Also eher Mariah Carey als Michelle, eher Soul als Schlager oder Pop?

Connor: Schlager schon mal gar nicht. Pop ist ein Begriff, der sich sehr weit fassen lässt. Wenn Metallica heute einen Song raus bringen, der morgen Nummer Eins ist, dann ist das auch Pop. Also bin auch ich sicher irgendwo Pop. Was mich aber inspiriert ist eben R'n'B und Soul. Und da hatte ich es in Deutschland anfangs sehr schwer.

SPIEGEL ONLINE: Versuchen Sie deshalb, unbedingt auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen? Schließlich ist die Zusammenarbeit mit Wyclef Jean nach dem Duett mit TQ bereits Ihre zweite Kooperation mit einem bekannten US-Rapper.

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Connor: Ich habe diese Kooperationen nie langfristig geplant, das hat sich beide Male relativ spontan ergeben. Und Wyclef hat sich ja, wie schon erwähnt, sogar um mich bemüht. Ich finde es gut, dass es trotz aller Einschränkungen, die das Business mit sich bringt, immer noch möglich ist, dass sich zwei Künstler zusammen tun, um einfach ihre Musik zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Und Amerika...?

Connor: ... ist definitiv ein sehr großer Traum von mir. Allerdings wird mir hier in Deutschland schon zu viel darüber spekuliert, was ich diesbezüglich plane. Ich habe noch keine konkreten Vorstellungen und bin daher sehr vorsichtig mit meinen Aussagen. Wenn ich jetzt öffentlich irgendwelche Luftschlösser baue und es dann nicht klappt, kann ich mir genau vorstellen, wie mich die Presse zerreißt. Erst mal will ich den Erfolg in Deutschland und in Europa bestätigen, dann werde ich irgendwann auch Asien und Amerika anpeilen.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn es nicht klappt?

Connor: Dann bricht auch keine Welt zusammen. Selbst wennich keine Platten verkaufen würde, würde ich weiter Musik machen. Dann würde ich mir eben eine Jazz-Band suchen und vielleicht mal durch die Klubs von New Orleans touren. Dort stammt mein Vater her und mein Großvater war dort Jazz-Pianist. Erfolg und Auszeichnungen sind ja eine schöne Sache, aberandererseits auch relativ. Was wirklich zählt, ist einzig und allein die Musik.

Das Interview führte Andreas Kötter

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