SPIEGEL ONLINE: Herr Schulz, Sie bezeichnen Ihre neue Platte "SOS - Save Olli Schulz" als Geschenk an die Menschheit. Ein Anflug von Größenwahn?
Schulz: Überhaupt nicht. Ich beschreibe nur, was bei jeder neuen Platte geschieht: Ich schreibe Songs, die mein Leben widerspiegeln, und bis sie veröffentlicht werden, gehören sie mir allein. Danach gehören sie aber auch den Leuten, die sie hören. Ich trete dadurch mit ihnen in Kontakt. Und in diesem Sinne versuche ich sie der Welt zu schenken.
SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass der weibliche Teil der Welt ein Lied mit dem Titel "Halt die Fresse, krieg'n Kind" wirklich für ein Geschenk hält?
Schulz: Das hoffe ich. Das Lied ist überhaupt nicht sexistisch gemeint, sondern es richtet sich gegen diese passive Weltschmerz-Haltung, dieses Emo-Getue und diese Hobby-Depressionen. Das ist mir zu bequem. Wer der Welt wirklich helfen will, der soll was unternehmen. Die Idee zu dem Songtitel entstand bei einem Interview nach dem Bundesvision Song Contest vor drei Jahren. Da interviewte mich dieses Indie-Mädchen und fand, ich sei nicht mehr "indie genug". Irgendwann habe ich zu ihr gesagt: "Hast du keine anderen Probleme? Krieg'n Kind! Halt die Fresse!" Mir sind ein bisschen die Nerven durchgegangen.
SPIEGEL ONLINE: Der Welt helfen - was tun Sie denn selbst?
Schulz: Ich will die Leute glücklicher machen. Mit meinem Humor und meinen Songs. Das ist alles, was ich kann.
SPIEGEL ONLINE: Reden wir also über Ihren Humor. Auf Ihrer neuen DVD "Showman Olli Schulz" geben Sie sich als Entertainer - und erzählen unter anderem, dass Sie versehentlich "die Pisse" von einem Musiker-Kollegen getrunken haben. Muss Fäkalhumor sein?
Schulz: Die Mischung macht's. Ich gehe davon aus, dass die Leute wissen, dass ich intelligent genug bin und mich nicht nur auf dem Atzen-Niveau bewege. Deshalb kann ich auch mal einen Witz machen, der unter die Gürtellinie geht. Nur für eklige oder anzügliche Geschichten bekannt zu sein, wäre mir allerdings zu wenig. Deshalb spiele ich auch ernste Lieder, zum Beispiel "Ich bin verliebt in zwei Mädchen" - für meine Frau und mein Kind.
SPIEGEL ONLINE: In der TV-Talkshow "neoParadise" auf ZDFneo treten Sie als Erotik-Experte auf - und reißen ausschließlich Witze unter der Gürtellinie.
Schulz: Das ist absurd gemeint. Ich trage dort Gedichte vor, die ich mit siebzehn bis neunzehn geschrieben habe, das kann man heute nicht mehr ernst nehmen. Manche Limericks fallen mir aber auch spontan ein, wie "Da ist ein Wichsfleck auf meinem Sixpack". Da gefällt mir dann zum Beispiel der skurrile Reim.
SPIEGEL ONLINE: Sie erzählen auf der Bühne auch davon, wie Ihnen als Kind die Badehose geplatzt ist. Ein peinlicher Moment - warum gehen Sie damit vor Publikum hausieren?
Schulz: Mir ging es darum, das Erlebnis zu verarbeiten. Ich habe mich gefragt: Wie kann man mit Scham umgehen? Mir ist das tatsächlich passiert, meine Badehose ist geplatzt und dann stand ich da, mit heraushängendem Penis. Natürlich habe ich mich geschämt! Für mich geht diese Verarbeitung am besten öffentlich, das ist ein bisschen meine Therapiestunde. Außerdem erzähle ich lieber peinliche Dinge als wirklich Privates. Dahinter kann man sich auch verstecken. Privates hat jeder zu Hause, das will doch keiner hören.
SPIEGEL ONLINE: Gerade das interessiert doch viele Leute.
Schulz: Glaube ich nicht. Ich bin privat total langweilig. Alle denken immer, ich würde so ein wildes Leben führen. Auf meiner Facebook-Seite schreiben Leute "mit Olli Schulz würde ich gern mal einen saufen gehen". Dabei gehe ich gar nicht oft feiern, nach der Show gucke ich amerikanische Serien. Nur auf der Bühne erzähle ich lieber Witze, weil ich die Leute gern glücklich mache. Wenn alle mit einem debilen Grinsen nach Hause gehen, habe ich einen guten Job gemacht. Und perfekt ist der Abend, wenn ich die Leute dazu noch nachdenklich machen kann, mit Liedern, die mir wirklich am Herzen liegen.
SPIEGEL ONLINE: Worüber können Sie gar nicht lachen?
Schulz: Rassistische Witze finde ich überhaupt nicht komisch. Generell stören mich Witze, in denen sich über andere lustig gemacht wird - über alte Menschen oder über die, die eh schon eine Angriffsfläche bieten. Ich mache mich am liebsten über mich selbst lustig. Und ich mag auch richtig versaute Witze, die bin ich schon von meinem Großvater gewöhnt.
SPIEGEL ONLINE: Erzählen Sie mal einen?
Schulz: Nee. Das wäre mir jetzt peinlich.
Das Interview führte Anna Kohn
Das Interview führte Anna Kohn
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