Islamismus-Vorwurf Muhabbet spricht von "Missverständnis"

Ein Musterknabe geht in die PR-Offensive. Zwei Filmemacher haben Sänger Muhabbet vorgeworfen, den Mord an Regisseur Theo van Gogh gerechtfertigt zu haben - jetzt gibt der Popstar zu, über den Mord geredet zu haben. Er habe ihn aber nicht gutgeheißen.


Hamburg - "Dass ich ein Islamist sein soll, ist doch ein Witz!" - mit diesen Worten wehrt sich der türkischstämmige Sänger Muhabbet, 23, in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung gegen die Vorwürfe der Filmemacherin Esther Schapira. Sie hatte Muhabbet bezichtigt, am Rande einer Filmgala gesagt zu haben, der ermordete Islamkritiker Theo van Gogh habe Glück gehabt, dass er so schnell gestorben sei; er - Muhabbet - hätte ihn vorher sogar noch gefoltert. Schapira hatte einen Dokumentarfilm über den Mord an van Gogh gedreht und dafür am 20. Oktober den "Prix Europa" erhalten. Im Anschluss an die Preisverleihung sei Muhabbet ausfällig geworden.

Popsänger Muhabbet: Gern gesehener Gast im Politzirkus
Getty Images

Popsänger Muhabbet: Gern gesehener Gast im Politzirkus

Nun gesteht der als Integrationswunderknabe geltende Sänger ein, dass bei der Gala über den Mord an van Gogh gesprochen worden ist. Sein Manager Jochen Kühling hatte nach Recherchen von SPIEGEL ONLINE anfangs noch dementiert, dass der Mord überhaupt bei der Filmgala diskutiert worden war. Muhabbet selbst hatte am Montag in den ARD-"Tagesthemen" gesagt: "Ich weise diese Anschuldigungen komplett zurück."

Der "Bild"-Zeitung sagte Muhabbet nun, ihm tue "das Missverständnis sehr leid". Was er tatsächlich gesagt habe, sei: Ein fundamentalistischer Muslim könne beim Anblick einer nackten Frau in einer Moschee - wie in dem Van-Gogh-Film zu sehen - ausflippen und denken, "wer solche Bilder macht, den foltere ich erst und töte ihn dann". Die Filmautorin Esther Schapira, Ressortleiterin Zeitgeschehen beim Hessischen Rundfunk, wollte Muhabbets Äußerungen in der "Bild-"Zeitung nicht weiter kommentieren. Sie hielt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE an ihrer ersten Darstellung fest und sagte nur: "Ich weiß, wie es wirklich war."

Welche Meinung Muhabbet zu Theo van Gogh oder der niederländischen Islamkritikerin Ayan Hirsi Ali hat (der er in dem strittigen Gespräch ebenfalls den Tod gewünscht haben soll), gab er in dem Interview allerdings nicht zu Protokoll. Stattdessen verwies er auf sein bisher makelloses Image: "Warum sonst wäre der Außenminister mit mir aufgetreten oder die Kanzlerin mit mir zu einer Gala geladen worden?"

Muhabbet hatte erst am Montag öffentlichkeitswirksam mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und dessem französischen Kollegen Bernard Kouchner ein Lied zum Thema Integration aufgenommen. Zuvor war der Sänger ein gern gesehener Gast im deutschen Politzirkus: Er war als Unicef-Botschafter aufgetreten, hatte im Rahmen einer Initiative des Bundesfamilienministeriums gespielt und eine Anti-Gewalt-Kampagne öffentlich unterstützt.

Entsprechend hatte der Vorwurf gegen den Sänger großes Aufsehen erregt. Steinmeier hatte Muhabbet darauf umgehend in Schutz genommen, indem er auf die Verdienste des Sängers verwies und dazu riet, "unaufgeregt" mit der Sache umzugehen.

tdo/AFP



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