Jahrescharts 2010 Acht der zehn Top-Alben von Deutschen

Schulterklopfen bei der deutschen Musikindustrie: Acht der zehn erfolgreichsten Alben des Jahres 2010 stammten aus inländischer Produktion. Bei den Singles ist hingegen Lena Meyer-Landrut das einzige Landeskind in den Top Ten.

Unheilig-Sänger Der Graf: 20 Wochen lang auf Platz eins
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Unheilig-Sänger Der Graf: 20 Wochen lang auf Platz eins


Hamburg - Was waren das damals in den neunziger Jahren für Debatten um eine Radioquote, die deutschen Interpreten einen besseren Zugang zum Publikum sichern sollten! Heinz-Rudolf Kunze und der Deutsche Pop- und Rockmusiker-Verband legten sich mächtig ins Zeug, um "Schrägdenkern" wie Element Of Crime oder Die Sterne den Weg ins Radio zu bahnen - doch die wollten davon gar nichts wissen und witterten gar Deutschtümelei.

Es sind nicht gerade Kunzes Schrägdenker, die dafür verantwortlich sind, aber die deutschen Albumcharts präsentierten sich 2010 deutscher denn je. Das Marktforschungsunternehmen Media Control hat eine Jahresbilanz der von ihr erhobenen Hitparaden veröffentlicht, nach der acht der zehn erfolgreichsten Alben von deutschen Interpreten stammten.

Klar an der Spitze liegt die geläuterte Aachener Düsterband Unheilig um den Sänger Der Graf, deren Album "Große Freiheit" 20 Wochen lang auf Platz eins der wöchentlichen Charts stand. Auf Platz zwei folgt das Best-of-Album "Tattoos (40 Jahre Maffay)" von Peter Maffay, seinerzeit auch ein Quotenverfechter.

Weitere deutsche Interpreten in den Top Ten: Ich + Ich auf Platz vier mit "Gute Reise", Lena Meyer-Landrut mit "My Cassette Player" auf fünf, der deutsch-amerikanische Geiger David Garrett mit "Rock Symphonies" auf sieben, Xavier Naidoo mit "Alles kann besser werden" auf acht sowie die Schlagersängerinnen Helene Fischer ("Best of") und Andrea Berg ("Schwerelos") auf neun und zehn.

Die einzigen internationalen Sängerinnen, die sich dazwischen zu mogeln vermochten, waren Lady Gaga auf Platz drei mit "The Fame" und die Schottin Amy Macdonald mit "A Curious Thing" auf Rang sechs der Jahresbilanz.

Ganz anders sieht es bei den Singles aus, wo sich Lena Meyer-Landrut mit "Satellite" als einzige Deutsche in den Top Ten auf Platz drei plazieren konnte. Hit des Jahres nach der Media-Control-Auswertung war die "Over The Rainbow"-Version des 1997 verstorbenen Hawaiianers Israel "Iz" Kamakawiwo'ole.

feb/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
berlin_jens, 04.01.2011
1. Stückzahlen
Zitat von sysopSchulterklopfen bei der deutschen Musikindustrie: Acht der zehn erfolgreichsten Alben des Jahres 2010 stammten aus inländischer Produktion. Bei den Singles ist hingegen Lena Meyer-Landrut das einzige Landeskind in den Top Ten. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,737792,00.html
Was jetzt eigentlich wirklich im Artikel fehlt, sind die Stückzahlen - wie viele Alben braucht man für Platz 1 der Jahrescharts? Etwas weniger Abschreiben der MediaControl Pressemeldung und etwas mehr Eigenrecherche wäre schon toll gewesen.
braudel 04.01.2011
2. Jahrescharts 2010
Nachdem sich im Dezember verschiedene Fernseh- und Radiosender ihre eigenen Charts gestrickt haben liefert Media Control nun die "offiziellen Jahrescharts" des Jahres 2010. Das klingt fast so amtlich wie eine Verlautbarung des Statistischen Bundesamtes. Allerdings finden sich - wenn ich nicht etwas übersehen haben sollte - zu den "offiziellen" Jahresdaten von Media Control in den online zugänglichen Medien keinerlei Angaben was dort genau gemessen wurde(Zahl der verkauften Tonträger?, wirtschaftlicher Ertrag?)und über exakt welchen Zeitraum (Kalenderjahr? mit gleichbleibenden oder teilweise leicht variierenden Abgrenzungen?)dies erfolgte. Hinsichtlich ihrer Vergleichbarkeit sind zwar selbst amtliche Statistiken nicht immer ganz unproblematisch, aber es finden sich bei ihnen doch zumeist recht genaue Angaben zum Erhebungs- und Auswertungsmodus der Daten. Wenn man über ein "ranking" jubelt, wäre es doch ganz nett zu erfahren worüber man sich dabei freut, selbst wenn es sich nur um eine wunderschöne Nebensache wie Musik handelt. Oder ist es - bei einer solch banalen Angelegenheit - für den Spiegel ausreichend irgendein (postuliertes) Ergebnis zur Verfügung zu haben, das sich medial schön verwerten läßt?
40plus 04.01.2011
3. Wen juckt's ?
Seit Jahren nimmt die negative Korellation zwischen Verkaufszahlen und Qualität der gekauften Musik zu. Ganz offensichtlich liegt es auch daran, dass Freunde von volkstümlicher Musik, Peter Maffay, Unheilig oder Lena die einzigen sind, die noch CDs kaufen. Interessante Musik wird weitgehend illegal "erworben". Die Musik, die selbst in Mainstream-Magazinen wie Spex oder Musikexpress gepriesen wird, wird es nie in die Verkaufscharts schaffen, weil die Fans sich im Internet auskennen. Auf jeden Fall ist die meist verkaufte Musik nicht die meist gehörte, daher sind die Media Control Charts völlig belanglos geworden.
BigRedOne 04.01.2011
4. Mediacontrol
Zitat von berlin_jensWas jetzt eigentlich wirklich im Artikel fehlt, sind die Stückzahlen - wie viele Alben braucht man für Platz 1 der Jahrescharts? Etwas weniger Abschreiben der MediaControl Pressemeldung und etwas mehr Eigenrecherche wäre schon toll gewesen.
Sie sind ja lustig. Genau das will ja weder wissen! Nur dass Mediacontrol exakt diese Daten nicht rausrückt - und da sie sie auch erheben....dieses Monopol ist eine einzige Unverschämtheit. Natürlich wissen die Plattenfirmen, wieviel sie ausliefern, und die Gold/Platin-Datenbank gibt ein grobes Bild ab, aber die tatsächlichen wöchentlichen Verkaufszahlen behält Mediacontrol für sich.
Bokurano 05.01.2011
5.
Verkaufszahlen und die Erhebungs art und sowas wäre schon interessant. Aber wahrscheinlich werden die genauen Verkaufszahlen, dieser Künstler, wie auch der anderen, nie herausgeben, sonst würde man ja evtl. sehen können, dass es denen nicht soo schlecht geht bzw. Verkaufszahlen einigermaßen stabil sind oder sowas. Keine Ahnung wieso man das verbergen muss.
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