Zum Tode von James Horner Der König des Blockbuster-Soundtrack

Für "My Heart Will Go On" und die Filmmusik zu "Titanic" gewann er zwei Oscars, er war einer der großen Soundtrack-Komponisten Hollywoods. Nun ist James Horner beim Absturz seines Kleinflugzeugs ums Leben gekommen, er wurde 61 Jahre alt.

DPA

Von


Das Flugzeug des Komponisten, eine Tucano Turboprop-Maschine, ist im Los Padres National Forest, einem großen Waldgebiet im Süden Kaliforniens, abgestürzt. Der Pilot war allein an Bord, er starb in den Trümmern. Nun haben die Behörden bestätigt: Es handelte sich um den Besitzer des Kleinflugzeugs selbst: James Horner ist tot.

Horner war einer der erfolgreichsten Komponisten in Hollywood. Als sein größter Erfolg gilt die Musik zu James Camerons Katastrophen-Blockbuster "Titanic", für die er 1998 einen Oscar bekam. Auch den Oscar für den den besten Song erhielt Horner: Ausgezeichnet wurde "My Heart Will Go On", das von Céline Dion gesungene Thema, das wochenlang die Nummer eins der Hitparaden der Welt war. Vom Soundtrack-Album wurden dem "Hollywood Reporter" zufolge 27 Millionen Exemplare verkauft, es ist das wohl erfolgreichste orchestrale Album überhaupt.

Filmmusik mag für manche die Gelegenheit sein, experimentelle Kompositionen einem breiteren Publikum unterzujubeln - Horners Sache war das nicht. In seinen üppig orchestrierten Werken malte er die Emotionen der Filme kräftig aus, wobei er durchaus Wert auf Zwischentöne legte. Über seinen Soundtrack zu "Avatar" sagte er: "Die Musik muss hier die gefühlvolle, auch die spirituelle Seite tragen, das Übernatürliche und auch die Liebesgeschichte."

James Horner kam 1953 in Los Angeles als Sohn eines österreichischen Einwanderers zur Welt, der als Szenenbildner bereits im Filmgeschäft tätig war. Er wuchs in London auf, wo er auch sein Musikstudium begann, das er dann aber in Kalifornien abschloss. Seine ersten Filmmusik-Kompositionen schrieb er für die B-Film-Legende Roger Corman, doch der Durchbruch kam 1982, als Horner die Musik zum zweiten "Star Trek"-Kinofilm schrieb.

"Keinen Schmalz" wünschte sich James Cameron

Seine Scores schrieb Horner oft in sehr enger Zusammenarbeit mit den Regisseuren, wodurch sich lange währende Arbeitsbeziehungen entwickelten. Zwei davon haben ihre Wurzeln schon in den Achtzigerjahren: Mit Ron Howard arbeitete er 1985 an "Cocoon" und danach immer wieder (bei "Apollo 13" und "A Beautiful Mind" zum Beispiel).

Das Verhältnis zu James Cameron hingegen, für den Horner 1986 bei "Aliens" zum ersten Mal komponierte, war anfänglich schwierig. Horner schwor, nie wieder mit Cameron arbeiten zu wollen - doch es kam anders: Mit "Titanic" und "Avatar" stammt die Musik zu den beiden weltweit erfolgreichsten Kinofilmen überhaupt von James Horner.

Musikalisch paarte Horner anfangs den klassischen Orchestersound mit disharmonischeren Klängen, und auch für "Titanic" wünschte sich der Regisseur Cameron ausdrücklich "keinen Schmalz". Doch den Wunsch, auf Violinen zu verzichten, hinterging Horner ebenso wie Camerons Abneigung gegen Popsongs, wie der Komponist der "Berliner Zeitung" kürzlich im Interview erzählte.

Die Kritik ging oft ungnädig mit Horners Werk um: Der "Rolling Stone" wählte "My Heart Will Go On" unter die zehn schlimmsten Filmsongs, und Soundtrack-Experten störten sich daran, dass der Komponist seine Filmmusiken aus bekannten Motiven und Themen zusammenstückele - aus eigenen wie auch aus fremden; der "New Yorker"-Kritiker Alex Ross nannte ihn einen "Kleptomanen". Häufig verwendete Horner Elemente aus der keltischen Musik, nicht nur bei Mel Gibsons Schottland-Drama "Braveheart" von 1995.

Kritisch äußerte sich James Horner über die Verwendung digitaler Werkzeuge bei der Komposition und Aufnahme von Filmmusik. Dies führe dazu, dass man die Musik "höchstens noch als Soundeffekt" sehe. James Horner war da noch von der alten Schule, er schätzte den großen orchestralen Klang. "Für Filmmusik gibt es heute keinen Respekt mehr", klagte er 2009.

Eher ein Nebenwerk war der Soundtrack zu einem Dokumentarfilm mit Harrison Ford als Sprecher, der im April 2015 in die Kinos kam. Doch bei "Living In The Age Of Airplanes" war es wohl das Thema, das ihn reizte, die Musik zu schreiben. Denn das Fliegen war sein Hobby, Horner besaß mehrere Maschinen. Am Montag, um 9.30 Uhr Ortszeit, endete der letzte Flug seines Lebens; die Absturzursache ist noch unbekannt.

Mit Material von dpa und AP



insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
j.schiffmann 24.06.2015
1.
Immer dieses "Kleinflugzeug"... Eine Short (und das ist der Firmenname) S312 Tucano ist kein klassisches Sportflugzeug sondern ein zweisitziges militärisches Schulflugzeug - schon was extravagant für einen ziviles Betreiber...
Thorkh@n 24.06.2015
2.
Zitat von j.schiffmannImmer dieses "Kleinflugzeug"... Eine Short (und das ist der Firmenname) S312 Tucano ist kein klassisches Sportflugzeug sondern ein zweisitziges militärisches Schulflugzeug - schon was extravagant für einen ziviles Betreiber...
Nun ja, eine P-51 Mustang ist auf dem freien Markt nicht so ohne weiteres zu haben. Da ging die Tucano noch am ehesten in die Richtung. Was mich sehr erschreckt, ist, mit welcher Wucht Horner Flugzeug aufschlug. Von der Maschine sind den Bildern zufolge ja nur kleine und kleinste Bruchstücke übrig. Dafür war vermutlich eine sehr hohe Geschwindigkeit ursächlich.
DHC2 24.06.2015
3.
Zitat von j.schiffmannImmer dieses "Kleinflugzeug"... Eine Short (und das ist der Firmenname) S312 Tucano ist kein klassisches Sportflugzeug sondern ein zweisitziges militärisches Schulflugzeug - schon was extravagant für einen ziviles Betreiber...
Stimmt, die Tucano ist ein Militärtrainer: ein wendiges Hochleistungsflugzeug, in dem üblicherweise Kampfpiloten für ihren Einsatz in Düsenjets ausgebildet werden. Es gibt -nicht zuletzt aufgrund ihres horrenden Preises- nur sehr wenige zivil betriebene Tucanos, Horners war eine davon. Zur Anschauung: eine typische Einmot-Cessna hat 150-250PS. Die Tucano dagegen über 1000...
tinnuadan 18.11.2016
4.
Zitat von j.schiffmannImmer dieses "Kleinflugzeug"... Eine Short (und das ist der Firmenname) S312 Tucano ist kein klassisches Sportflugzeug sondern ein zweisitziges militärisches Schulflugzeug - schon was extravagant für einen ziviles Betreiber...
Und? Laut Wikipedia ist ein "Leichtflugzeug" oder "Kleinflugzeug" lediglich über die Masse definiert und muss weniger als 5,7 t haben. Eine Short S-312 liegt deutlich darunter. Dass es ein klassiches Sportflugzeug sei wurde im Artikel nicht behauptet.
sash1978 24.06.2015
5. mein Beileid
aber mal nebenbei, der größte ist immer noch John Williams.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.