Bandleader-Legende James Last ist tot

Er stand für den Sound der alten Bundesrepublik wie kaum ein anderer. Jetzt ist der vielseitige Musiker James Last gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.

DPA

Er galt als Erfinder des "Happy Party Sounds": James Last, der erfolgreichste Bandleader weltweit, ist tot.

Last wurde 1929 in Bremen als Hans Last geboren. Sein Vater, Louis Last, brachte ihn und seine Brüder schon früh zur Musik. 1943, in den Wirren des Krieges, entschied Last sich für eine Karriere als Musiker: Er lernte sein Handwerk an einer Heeresmusikschule, wo er als Bassist trotzdem vor allem die "entartete Musik" spielte: Jazz. Als er 1964 einen Schallplattenvertrag bei Polydor unterschrieb, begann seine beispiellose Weltkarriere als Orchesterleiter. Mit der ersten Schallplatte änderte die Plattenfirma zur besseren internationalen Vermarktung seinen Vornamen in "James".

Last tourte mit seinem Orchester weltweit. Im Laufe von über 50 Jahren Karriere spielte Last mit seiner Band nicht nur in Europa und Amerika, sondern auch in der ehemaligen Sowjetunion, China, Australien und Neuseeland. "Unsere Show ist keine Show, sondern wir leben auf der Bühne", sagte Last selbst. Und: "Andere gehen auf Kur, ich gehe auf Tour." Last selbst lebte seit mehr als 30 Jahren in den USA. Er verkaufte Millionen Platten und CDs.

Den berühmten "Happy Party Sound" erfand Last einer Anekdote nach auf der Feier seines zehnten Hochzeitstages: Die Band spielte die Hits des Tages nach, dazu wurden Partygeräusche gemischt; Singen, Tanzen, Lachen. Mit diesem Rezept produzierte Last eine Vielzahl von Platten und unternahm weltweite Tourneen, die ihm zu internationaler Popularität verhalfen. 1966 erschien Lasts erste eigene Komposition "Games that Lovers Play".

Mit seiner lässigen Art und den Pop-Klängen im Big-Band-Format traf er den Nerv der Nachkriegsgeneration - eckte jedoch vor allem im Feuilleton mit dieser süffigen Wohlfühlmusik immer wieder an: Der NDR-Jazz-Kritiker Michael Naura beschrieb sie in den Siebzigern als "Musik, die selbst für jene zahnlosen Klangschwelger verdaulich wurde, denen nur noch ein akustischer Milchbrei heruntergeht".

Erst im Frühjahr hatte Last seine letzte Tour beendet. Last sei im Beisein seiner Familie in Florida gestorben, wie sein langjähriger Konzertveranstalter Semmel Concerts mitteilte. Er wurde 86 Jahre alt.

eth/skr/dpa

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