Jazz-Gitarristen Singen am Lagerfeuer

Wie im Rock und Pop spielt die Gitarre auch im Jazz eine dominierende Rolle. Gitarristen bestimmen die Trends. Ein Blick auf aktuelle Alben.

Jesse Chun/ ECM

Als "Sideman" ist Ben Monder auf rund 180 Alben zu hören und für eine seiner "Leader"-Platten erhielt er 2013 im "Down Beat"-Magazin viereinhalb von fünf möglichen Sternen. Doch von vielen wird der 53-jährige US-Gitarrist erst wahrgenommen, seit er - neben dem Quartett des Saxofonisten Donny McCaslin - auf David Bowies letztem Werk "Blackstar" mitgespielt hat und in mehreren Interviews die faszinierende Arbeit mit der Pop-Ikone beschrieben hat.

Nun kann man Monder auf zwei deutschen Neuerscheinungen hören: als Leader auf der ECM-CD "Amorphae" und als Mitglied im Trio des Keyboarders Frank Woeste auf einem ACT-Album. Auf "Amorphae" musiziert Monder allein, im Duo mit Drummern und im Trio. "Er kann Akkordmelodien wie ein Keyboarder mit schwierigen, großen Intervallen spielen", beschreibt das Berendt-Jazzbuch Monders Stil, "und er hat eine besondere Sensibilität für schöne, dunkle Harmonien." Dabei nutzt Monder die Möglichkeiten, die Gitarristen zur Verfügung stehen voll: Mit elektronischen Hilfsmitteln erzeugen Gitarren heute mehr unterschiedliche Sounds als jedes andere Instrument.

Wenn Petra Hayden singt, wird's kitschig

Zu den Musikern, die Monder beeinflusst haben, gehört Bill Frisell. Sein neues Album nahm der 65-jährige Gitarrist im Quartett mit Cello, Bass und Drums auf. Nichts einzuwenden ist gegen die zusätzliche Stimme von Petra Hayden, wenn sie zusammen mit der Gitarre oder dem Cello eingesetzt wird, aber bei Schnulzen wie "Moon River" klingt die Tochter des 2014 verstorbenen Bassisten unerträglich kitschig. Zu den populären Melodien aus Filmen und TV-Serien auf der CD gehört die Erkennungsmelodie von "Bonanza". Frisell war einer der ersten Jazz-Gitarristen, die Western- und Country-Klänge in ihre Musik einbrachten.

Voll diesem Genre widmet sich der in Berlin lebende Gitarrist Kalle Kalima auf seinem Album "High Noon". Der Finne hat die Western-Gassenhauer seit Teenager-Tagen immer wieder gespielt. Mit dem gleichfalls in Berlin ansässigen US-Bassisten Greg Cohen (der unter anderem mit Tom Waits auftrat) und dem jungen Schlagzeuger Max Andrzejewski bringt Kalima die bekannten Stücke vor. So kann man die "Geisterreiter" - wie am Lagerfeuer - mitsingen.

Die Suche nach Klang und Energie

Anspruchsvoller klingen die Stücke, die bei Konzerten des Gitarristen Fred Frith mit dem Schweizer Piano-Bass-Drums-Trio Rusconi aufgenommen wurden. Der Brite Frith (67) spielte Violine und Klavier ehe er sich für die Gitarre entschied. Er komponierte Soundtracks für Filme, Theater und Tanzaufführungen, experimentierte im Free Jazz, Hard Rock und in der Minimalmusik.

"Für Fred gibt es keine stilistischen No-Go's oder Scheuklappen", sagt Stefan Rusconi, "es geht ihm um die Suche nach dem Klang und der Energie des gemeinsamen Moments." Die in Zürich und Hamburg aufgenommene Musik bestätigt diese Worte.

Mit dem amerikanischen Bläser Roger Janotta (Saxofone, Flöte, Bassklarinette) und dem Bassisten Paul Tietze hat der Münchner Gitarrist Thorsten Klentze eigene Stücke eingespielt. Er nutzt dabei sein Instrument sowohl elektrisch verstärkt als auch akustisch; mal ist die Gitarre Rhythmus-Instrument, mal spielt sie Melodien.

Die Trio-Aufnahmen illustrieren, wie vielseitig die Gitarre eingesetzt werden kann - selbst ohne technische Hilfsmittel.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
rjb26 14.02.2016
1. schön
solche Tips jenseits des üblichen Musik Muells in spon zu finden
darmwind 14.02.2016
2.
Der verstorbene Bassist hiess Charlie Haden, dementsprechend heisst seine Tochter Petra Haden.
rockwell_p 14.02.2016
3. Einer fehlt noch
Eine der besten Gitarristen der jüngeren Generation ist Matthew Stevens - Sideman von Esperanza Spalding und Christian Scott. Sein aktuelles Album "Woodwork" ist extrem empfehlenswert.
sekundo 14.02.2016
4. Der Küchen-Mucker
Zitat von darmwindDer verstorbene Bassist hiess Charlie Haden, dementsprechend heisst seine Tochter Petra Haden.
und oberste Beat-Kommissar Hielscher belegt einmal mehr, dass seine Kommentare so überflüssig sind wie eine Kühlschrankheizung. Insofern ist es unerheblich und belanglos zugleich, ob er den Namen von Petra Haden richtig schreibt oder ob er ihren Gesang kitschig findet. Hielscher sollte besser Briefe austragen.
sekundo 14.02.2016
5.
Zitat von rockwell_pEine der besten Gitarristen der jüngeren Generation ist Matthew Stevens - Sideman von Esperanza Spalding und Christian Scott. Sein aktuelles Album "Woodwork" ist extrem empfehlenswert.
Anhand welcher Kriterien sind Sie eigentlich zu diesem Urteil gekommen?!? Mit Stoppuhr und Massband kann man die künstlerische Leistung eines Musikers jedenfalls nicht messen!!
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