Von Afrika inspirierte Musik Hörbücher vom Ozean

Balafon, Ardine, Tidnite - mit diesen afrikanischen Instrumenten erweitern Musiker derzeit Jazz und Pop. Einige Alben kombinieren exotische Klänge mit dem Rauschen des Ozeans, andere erzählen die düstere Geschichte einer Prinzessin nach.

Bettina Fürst-Fastré

Das Balafon ist ein afrikanisches Holzxylophon mit untergehängten Kalebassen als Resonanzkörper. Aly Keita von der Elfenbeinküste beherrscht das Instrument virtuos. Der inzwischen in Berlin lebende Afrikaner bildet mit dem Drummer Christian Thome und dem Pianisten Hans Lüdemann das Trio Ivoire. Die ungewöhnliche Klavier-Balafon-Schlagzeug-Formation brachte gerade das Album "Timbuktu" heraus - eine reizvolle Fusion von afrikanischen und europäischen Klängen und Rhythmen.

Gegründet hat das Trio Ivoire 1999 Lüdemann. Der klassisch ausgebildete Echo-Jazz-Preisträger gehört - wie Joachim Kühn und der Niederländer Jasper van't Hof - zu jenen europäischen Jazzern, die sich auf der Suche nach neuen Sounds von Afrika inspirieren lassen. Lüdemann kennt den Kontinent: Er entdeckte ein "rhythmisches Paradies", als er 1984 in Benin seinen Bruder besuchte, der dort als Entwicklungshelfer arbeitete. Seitdem unternahm er Reisen und Tourneen in verschiedene Teile Afrikas. Dabei wurde die Begegnung mit dem Musiker Aly Keita in Abidjan vor 15 Jahren ein Schlüsselerlebnis. Der europäische Pianist und der afrikanische Balafon-Spieler musizieren seitdem gemeinsam auf ihren Instrumenten - obwohl die für völlig unterschiedliche Klangwelten geschaffen sind.

Das ist eine Kunst, die wenige beherrschen. Für die Arbeit mit Lüdemann entwickelte Keita zu seinem traditionellen pentatonischen Balafon noch ein chromatisch gestimmtes Instrument. Und auf der neuen CD "Timbuktu" bereichert Drummer Thome den Sound des Trios um dezente elektronische Beats. Die Musik vom Trio Ivoire, schrieb das Fachblatt "Jazzthetik" schon vor einigen Jahren, zeige, "dass auch im 21. Jahrhundert noch Entdeckungen möglich sind". Wohl wahr.

Eine Blues-Stimme aus der afrikanischen Wüste

Während westliche Musiker nach Afrika schauen, begeistern sich Kollegen von dort für Musik aus Amerika. Etwa die Sängerin Noura Mint Seymali und ihr Mann, der Saiten-Virtuose Jeihe Ould Chighaly aus Mauretanien. Die beiden kommen aus uralten Griot-Clans und pflegen die traditionelle Musik der Sahel-Region. Aber sie haben auch Etta James, James Brown und Miles Davis gehört und deren Musik in ihr Schaffen einbezogen. So verstärkt Seymali elektrisch den Klang ihrer afrikanischen Harfe (Ardine), und öfter als zu seiner traditionellen Laute (Tidnite) greift Ould Chighaly zur Gitarre und lässt diese schrill wie einst Jimi Hendrix erklingen. Die "New York Times" fand denn auch, dass Seymalis Lieder "etwas mit dem Blues gemeinsam" hätten.

Die Sängerin und ihre Band gastierten im Frühjahr in den USA und wurden schlagartig bekannt. Vermittelt hatte die Tour der im Senegal lebende amerikanische Schlagzeuger und Produzent Matthew Tinari. Zusammen mit dem E-Bassisten Ousmane Toure begleitet er Seymali / Chighaly. Die Platte der Band mit dem Titel "Tzenni" ist hörenswert: in Tradition verwurzelter Afro-Pop, angereichert mit Blues-, Rap- und Soul-Klängen.

Interessant für Freunde afrikanischer Musik könnte auch das Album "Memoirs of an Arabian Princess" sein. Ausgehend von der Lebensgeschichte der Prinzessin Salme von Sansibar, die während der Kolonialzeit den Hamburger Kaufmann Rudolph Heinrich Ruete heiratete und 1924 fern ihrer Heimat in Deutschland starb, wurden darauf die "Sounds of Zanzibar" eingefangen: die aktuelle Musik der arabisch geprägten afrikanischen Insel ebenso wie das Rauschen des Indischen Ozeans, Muezzin-Rufe und der Gesang des Chors der St. Joseph's Cathedral. So entstand eine Art Hörbuch aus Klanglandschaften, Rhythmen und Gesängen.


CDs:
Hans Lüdemann / Trio Ivoire: Timbuktu. Intuition; 19,99 Euro.
Noura Mint Seymali: Tzenni. Glitter Beat; 15,99 Euro.
Memoirs of an Arabian Princess - Sounds of Zanzibar. Winter & Winter; 21,99 Euro.



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