Jazz-Funk-Größe Keyboarder George Duke gestorben

Er war ein zentraler Bestandteil von Frank Zappas Band, arbeitete mit Michael Jackson und wurde von Daft Punk gesampelt: George Duke vereinte die Welten des Jazz und des Rock auch auf einer Reihe Soloalben. Nun ist der Keyboarder mit 67 Jahren gestorben.

George Duke (Archivbild von 2007): Kaum zu bändigende Experimentierfreude
Getty Images

George Duke (Archivbild von 2007): Kaum zu bändigende Experimentierfreude


Hamburg/Los Angeles - Unter Kennern gelten die Platten, die George Duke in der ersten Hälfte der siebziger Jahre für das Plattenlabel MPS (Musik-Produktion Schwarzwald) aufnahm, als Klassiker. Auf dem Fender Rhodes E-Piano und am Arp-Synthesizer erweiterte der Keyboarder mit kaum zu bändigendem Experimentiergeist das Soundspektrum des Jazz um Elemente aus brasilianischer und afrikanischer Musik, aus Soul, Funk und Rock.

George Duke war es von Beginn seiner Karriere an gewohnt, von musikalischen Größen umgeben zu sein. Das Klavierspielen habe er begonnen, nachdem er mit vier Jahren Duke Ellington spielen hörte, zitierte er seine Mutter. Während seines Musikstudiums am Konservatorium von San Francisco spielte er bereits in der Hausband des Half-Note-Clubs (unter anderem mit Al Jarreau), die Virtuosen wie Sonny Rollins oder Dexter Gordon begleitete.

Bei einem Konzert mit dem französischen Violinisten Jean-Luc Ponty entdeckten sowohl Frank Zappa als auch Cannonball Adderley das Talent des Keyboarders. Zappa nahm Duke in die Mothers Of Invention auf. Insgesamt spielte Duke auf 13 Alben des Exzentrikers die Tasteninstrumente.

Als Musiker, der anderen Stilen gegenüber stets offen war, war die Disco-Welle für George Duke keine Bedrohung, sondern eine Inspiration. Inzwischen beim Majorlabel CBS unter Vertrag, erreichten Crossover-Funk-Alben wie "Reach For It", "Follow The Rainbow" oder "Brazilian Love Affair" Ende der Siebziger auch ein breiteres Publikum, das eher an Pop- oder R&B-Musik gewohnt war.

In dieser Phase erschien auch der Song "I Love You More", das später die französischen Elektro-Könner Daft Punk für ihr "Digital Love" sampleten. Auch HipHopper bedienten sich oft seiner Sounds, und zwar Musiker aus dem ganzen Spektrum des Genres: von Vanilla Ice über A Tribe Called Quest bis zu Ice Cube.

Bei "Off The Wall", dem Album, mit dem Michael Jackson 1979 den Durchbruch als erwachsener Solokünstler schaffte, war auch George Duke beteiligt; er spielte auf zwei Tracks, programmierte aber auch die Synthesizer. Ein Schritt hin zur Produzentenrolle, in der er immer mehr aufging. Er produzierte leichtfüßige Pophits wie "Let's Hear It For the Boy" von Deniece Williams, arbeitete aber auch mit Schwergewichten wie Miles Davis, Smokey Robinson, Gladys Knight, Dionne Warwick und Natalie Cole.

Dukes Projekt mit dem Bassisten Stanley Clarke brachte ihn aber auch als Interpreten weiterhin in die Charts. In den Neunzigern überraschte er die Jazzkritiker, die ihn schon abgeschreiben hatten, mit dem Konzeptwerk "The Muir Woods Suite", das er live beim Jazzfestival von Montreux aufgenommen hatte.

2012 verlor George Duke seine Frau Corine, mit der er 40 Jahre lang verheiratet war. Seine Trauer war tief. Doch im Juli 2013 erschien dennoch ein neues Album, "Dreamweaver". Es sollte sein letztes sein. Duke starb am Montagabend in Los Angeles. Ein Sprecher sagte, er sei wegen chronischer lymphatischer Leukämie behandelt worden. George Duke wurde 67 Jahre alt.

feb/AP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.