Zum Tod von Horace Silver Mr. Funk

Horace Silver war einer der großen Styler und Stilisten des Jazz. Er mixte Boogie, Bop und Boogaloo - und war funky, bevor es dieses Wort überhaupt gab. Jetzt ist der Pianist im Alter von 85 Jahren gestorben.

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Sein Beitrag zum großen amerikanischen Songbook und zur Entwicklung der afroamerikanischen Musikgeschichte ist unermesslich. "The Preacher", "Quicksilver" und "Jungle Juice" sind längst Klassiker, die wieder und wieder von der nachwachsenen Jazz-Elite aufgegriffen wurden und deren elegant pumpende Piano-Akkorde in etlichen HipHop-Tracks als Sample auftauchten. Das im wahrsten Sinne Herzstück im Schaffen von Horace Silver aber ist "Song For My Father" - ein zartes Gebräu aus Soul, Gospel und Jazz, in dem er seinem Vater huldigte.

Der große, inzwischen vergessene Jazzpoet Leon Thomas machte Ende der Sechzigerjahre mit seiner Interpretation die Lyrics zu Silvers Song bekannt: "If there was ever a man / Who was generous, gracious and good / That was my dad. The man". So wurde aus dem Werk eine Hymne an den Vater, den großzügigen, selbstlosen Spender kultureller Identität und moralischer Integrität, der selbst bei radikalsten musikalischen Entgrenzungen und rigorosen sozialen Umwälzungen stets als Fixpunkt bestehen bleibt.

Nicht unwichtig für einen wie Horace Silver, der seit den späten Vierzigerjahren alle wichtigen Innovationsstufen des Jazz mitgemacht hat, aber gleichzeitig tief im Blues und Gospel geerdet war. Und der auch immer wieder dorthin zurückkehrte.

Koteletten bis zum Kinn

Silvers Vater war von den Kapverden eingewandert, der Sohn wurde 1928 in Norwalk in Connecticut geboren. Früh entdeckte der junge Horace Ward Martin Tavares Silver die großen Swing-Erneuerer Count Basie und Duke Ellington für sich. Nach ersten Auftritten in heimischen Clubs ging er bald an der Seite von Coleman Hawkins, Lester Young und später auch Miles Davis auf Tour. Es war die Zeit des Hardbop, die Silver mit seinem pulsierenden, aufreizenden Pianospiel prägte. Sein Spiel war funky, bevor es das Wort überhaupt gab.

Auch optisch war Silver eine Sensation; die Koteletten reichten bei ihm schon früh bis zum Anzugrevers, die schönen zurückgelegten Haare fielen ihm beim Traumtänzeln über die Tasten in sein Gesicht. Er trug nur die besten Anzüge. Nebendem unlängst verstorbenen Schlagzeuger Chico Hamilton war Silver einer der großen Styler des Jazz; auch so erschloss er das Genre für ein größeres Publikum.

Früh entdeckten die Besitzer des stilprägenden New Yorker Labels Blue Note sein Starpotenzial. Schon 1952 spielte er Aufnahmen mit dem Schlagzeuger Art Blakey ein, wenig später gründeten die beiden die Jazz Messengers, die in unterschiedlichsten Konstellationen bis in die Neunzigerjahre bestehen sollten.

Blue Note war das perfekte spirituelle und unternehmerische Umfeld für Silver. In den Sechzigerjahren war die Plattenfirma Hort für viele Künstler, die den Jazz in Richtung Soul und verschiedene moderne Tanzformen erweiterten, vom Boogie bis zum Boogaloo. Seine markanten Akkorde aus dieser Zeit bildeten die Basis für viele HipHop-Tracks. Neben den ebenfalls reichlich gesampelten Trompetern Donald Byrd und Lee Morgan war Silver eines der großen Zugpferde von Blue Note.

Was eben auch daran lag, dass er es verstand, den Jazz in alle Richtungen offenzuhalten. In seinem federnden Spiel schwangen afrokubanische Einflüsse ebenso mit wie hybride afroiberische Rhythmen von den Kapverden, der Heimat seines Vaters, dem ewigen Fixstern seines Lebens.

Wie sein Label Blue Note mitteilte, starb Horace Silver am Mittwoch im Alter von 85 Jahren eines natürlichen Todes.

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insgesamt 3 Beiträge
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kopfrigger 19.06.2014
1. kleiner etymologischer Ausflug zu Funk
Das Wort funk bzw. funky ist natürlich viel älter - bis Anfang des 20. Jahrhunderts bedeutete 'funk' ein übler oder unangenehmer Geruch, 'funky' dementsprechend auch übelriechend. Diese Eigenschaft wurde mit Schwarzen assoziiert, wahrscheinlich in Verbindung mit dem Körpergeruch des 'working black man'. Erst die Jazzer der Vorkriekszeit drehten die negative Bedeutung ins Positive und benutzten das Wort um ein authentisches, bodenständiges und tiefverwurzeltes Gefühl zu beschreiben, was dann verstärkt in der Popkultur der 50er aufgegriffen wurde. So verlor der Funk seinen üblen Geruch und mutierte wie Dr. Funkenstein. Funk you very much and may the funk be with you.
SeasickSteve 19.06.2014
2. ... ein weiterer Stern am Nachthimmel ...
Zitat von sysopGetty Images/ RedfernsHorace Silver war einer der großen Styler und Stilisten des Jazz. Er mixte Boogie, Bop und Boogaloo - und war funky, bevor es dieses Wort überhaupt gab. Jetzt ist der Pianist im Alter von 85 Jahren gestorben. http://www.spiegel.de/kultur/musik/jazz-star-horace-silver-ist-tot-blue-note-quicksilver-jungle-juice-a-976078.html
... was für ein Auftritt ... https://www.youtube.com/watch?v=SmXjWTyTHiM (mit dem leider zu früh verstorbenen Robert "Bob" Berg am Tenor)
chestnutman 21.06.2014
3. Rest in Peace Horace Silver
Immernoch einer der schönsten Standards http://www.youtube.com/watch?v=1dSi2qrucYk
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