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Jean Michel Jarre in China: Sound für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Jean Michel Jarre gilt als Maestro des Synthesizer-Pops mit Hang zum Großspektakel. 1999 beschallte er die Pyramiden von Gizeh, 2001 gingen Jarre-Klänge auf die Akropolis nieder. Jetzt läutete der Megastar des Bombast-Sounds das "französische Jahr in China" ein - mit einem Konzert in der Verbotenen Stadt.

Jarre-Konzert in Peking: Sound-Bombast mit kultureller Message
REUTERS

Jarre-Konzert in Peking: Sound-Bombast mit kultureller Message

1.300.000 Zuschauer verfolgten 1986 in Houston, Texas, Jean Michel Jarres Licht-, Laser- und Sound-Spektakel zu Ehren der verunglückten Challenger-Astronauten, 800.000 Menschen wohnten im selben Jahr seinem Konzert zu Ehren des Papstbesuchs in Lyon bei. Das Gedenkkonzert für den Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau in der franzöischen Hauptstadt schaffte es sogar ins Guinness-Buch der Weltekorde: Zwei Millionen Zuschauer waren am 14. Juli 1990 im Pariser Wolkenkratzerviertel La Défense dabei.

Am vergangenen Sonntag gab sich der Großmusiker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Ehre. Unterstützt vom Pekinger Symphonieorchester beschallte Jarre die Verbotene Stadt und läutete mit Klassikern wie "Oxygene" das "französische Jahr in China" ein.

600 Projektoren tauchten den Tiananmen-Platz in Blau- und Orange-Töne, während Impressionen von Paris und Edgar-Degas-Gemälden über die Leinwände flimmerten. Mehr als 15.000 Menschen waren bei dem Event versammelt.

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Jean Michel Jarre in China: Sound für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Jarre eröffnete das Konzert mit einem symbolträchtigen Duett und ließ sich von der Chinesin Cheng Lin auf einem Erhu, einem historischen Saiteninstrument, begleiten. Das letzte Stück trug den Titel des Veranstaltungsorts: "Tiananmen", jener Platz, auf dem das chinesische Militär 1989 ein Massaker verübt hatten. "Ich möchte dieses letzte Stück den Werten meines Landes widmen - Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit", erklärte Jarre zum Abschluss des Konzerts.

Tatsächlich hat der Auftritt Jarres auch eine politische Funktion. Frankreichs Präsident Jacques Chirac gehört zu jenen Staatschefs, die entschieden eine Aufhebung des EU-Waffenembargos gegen China fordern. Das nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens verhängte Handelsverbot entspreche "nicht länger der Realität der Dinge", zitierte die "Süddeutsche Zeitung" am vergangenen Samstag den Regierungschef. Jarres Konzert gehörte zum kulturellen Paket, das Chirac für seinen Staatsbesuch am vergangenen Samstag in China schnürte und dass die Solidarität seiner Regierung mit der asiatischen Großmacht bekräftigen soll.

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