Pop! "Oinka, oinka, oinka"

Von Christoph Dallach

Hello und Goodbye: Wieder mal wird die Platte versteigert, die John Lennon für seinen Mörder signierte. Abschiedsworte von Pop-Stars veröffentlicht der "Guardian", und Sony nimmt Abschied vom Kassettenrekorder.

Pop! "Oinka, oinka, oinka" Fotos
AP

Abgeschmackt

Am Abend des 8. Dezember 1980 wurde John Winston Lennon von einem Verrückten, der berühmt werden wollte, mit vier Schüssen aus einem 38er-Revolver vor seinem Wohnhaus, dem Dakota Building in Manhattan, ermordet. Fünf Stunden vorher hatte Mark David Chapman sein Opfer bereits abgefangen und ein Exemplar seines aktuellen Albums "Double Fantasy" signieren lassen. So weit ist die Tragödie bekannt.

Weniger gut dokumentiert ist die durchaus spannende Geschichte der Vinylplatte, auf deren Hülle Lennon sein finales Autogramm kritzelte. Fest steht nur, dass ein gewisser Philip Michael den kostbaren Tonträger Stunden nach dem Attentat aus einem Blumenkasten im Eingang des Dakota Building zog. Darüber, ob er die Platte einfach einsackte und aufbewahrte oder sie brav der Polizei übergab, herrscht Unklarheit. Sicher ist, dass die Platte vor einigen Jahren bei einem Auktionshaus auftauchte, für ein Mindestgebot von 525.000 Dollar, und tatsächlich einen Käufer fand. Das machte sie zur wertvollsten Platte aller Zeiten. Nun bietet dasselbe Auktionshaus das kostbare Stück wieder an. Der Verkaufstext macht klar, dass an der Authentizität der Schallplatte keine Zweifel bestehen, was Fingerabdrücke und allerlei gerichtliche Dokumente belegen. Es bleibt die Frage, wie bizarr es ist, so eine abgeschmackte Trophäe zu horten! Egal. Vermutlich wird der nächste Preis wieder irgendeinen Rekord brechen.

Abgetreten

Ob John Lennon letzte Worte fand, ist nicht überliefert. Aber diverse finale Sätze prominenter Musiker sind nun bei der Online-Ausgabe des "Guardian" nachzulesen. Zum Beispiel von Amy Winehouse, die noch durchaus kryptisch twitterte: "Oinka, oinka, oinka why you awake." Michael Jackson verlangte nach Milch: "Please, please, give me some more." Und Whitney Houston verkündete, dass sie gleich Jesus treffen werde. Oder der legendäre Rock-Schlagzeuger Cozy Powell, der gerade seine Freundin am Handy hatte, als in einen Crash raste: "...Oh Shit!" Amen.

Abgewickelt

Auch Elektrogeräte können das Zeitliche segnen. Nun hat es die Kassettendiktiergeräte von Sony erwischt, dem größten und vermutlich letzten Produzenten dieser Spezies. Anfang 2013 wollen die Japaner die Produktion endgültig einstellen. Besonders das TCM-450 wird Journalisten, aber auch den vielen Musikern fehlen, die Songideen lieber analog auf Kassette hatten, anstatt sie digital in ihr Smartphone zu summen. Bono verriet mal, dass er einen ganzen Vorratsschrank mit den handlichen Rekordern daheim habe. Auch Paul Weller und Morrissey sind als Nutzer bekannt. Vermutlich wird der Ebay-Kurs schnell durch die Decke gehen.

Geschenkt

Das amerikanische Folkpop-Duo Over The Rhine ist in Europa noch nicht so bekannt, musizierte aber schon mit den Cowboy Junkies und Bob Dylan und erinnert an Bon Iver und Civil Wars. Über die ohnehin empfehlenswerte Webseite Noisetrade geben Over The Rhine nun ein sehr gelungenes Weihnachtsalbum für lau ab. Freiwillige Spenden sind selbstverständlich willkommen.

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1. D'oh!
An-On 14.12.2012
Michael Jackson wollte keine Kuhmilch - wer die Umstaende seines Todes ein bisschen verfolgt hat, weiss, dass er mit "seiner Milch" Propofol meinte, das Narkosemittel, an dem er gestorben ist.
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Zur Person
Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.

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