Bluesrock-Größe Johnny Winter ist tot

Er war einer der großen Bluesgitarristen der späten Sechziger, sein Album "And Live" ist ein Klassiker - wie die Zürcher Polizei mitteilt, ist Johnny Winter nun im Alter von 70 Jahren gestorben.

Johnny Winter (hier 1984): Wandelnde Erinnerung an den Aufbruch der Sechziger
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Johnny Winter (hier 1984): Wandelnde Erinnerung an den Aufbruch der Sechziger


Zürich - Der US-amerikanische Bluesmusiker Johnny Winter ist nach Angaben der Zürcher Polizei in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 70 Jahren gestorben. Der Staatsanwalt habe eine Obduktion angeordnet, es gebe aber keine Hinweise auf Fremdeinwirkung, sagte eine Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.

Winter wurde 1944 im US-Bundesstaat Texas geboren. Im Zuge der Bluesbewegung der späten Sechziger, als die Musik auch von einem weißen Publikum begeistert entdeckt wurde, erlangte der technisch versiert und leidenschaftlich spielende Gitarrist, der mit markant heißerer Stimme sang, schnell Popularität. Dazu trug auch sein Auftritt beim berühmten Woodstock-Festival bei, auch wenn es Winter nicht in den darauf folgenden Dokumentarfilm schaffte, angeblich weil sich sein Management mit den Regisseuren überworfen hatte.

Als Höhepunkt im Werk Winters gilt die Platte "Johnny Winter And Live" aus dem Jahr 1970. Mit Coverversionen wie "Good Morning Little Schoolgirl" oder "Jumpin' Jack Flash" zeigte Winter, worin seine Stärke lag: in der großen Interpretation klassischer Rock- und Bluestitel.

In den Folgejahren geriet Winters Karriere immer wieder ins Schlingern: Heroinsüchtig zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück, veröffentlichte gelegentlich Comebackplatten, so "Guitar Slinger" im Jahr 1984, auf denen er seiner musikalischen Linie auch in einer Zeit treu blieb, als der Sound von Woodstock denkbar außer Mode geraten war.

Andere Exponenten der Bluesbewegung, so Fleetwood Mac oder Led Zeppelin, waren Weltstars geworden und hatten sich dabei musikalisch gewandelt. Der bleiche, stark tätowierte Winter überdauerte die Jahrzehnte, ähnlich wie der 2013 verstorbene Alvin Lee, als Live-Attraktion - von seinem Publikum geschätzt als wandelnde Erinnerung an den leidenschaftlichen Aufbruch der späten Sechziger.

sha/dpa

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