Jonathan Meese über Bayreuth "Verlogen und zynisch"

"Strippenzieher und Marionetten": Skandalkünstler Jonathan Meese reagiert im SPIEGEL mit harten Worten auf seine Entlassung durch die Leitung der Bayreuther Festspiele. Es habe Versuche gegeben, ihn einzuschüchtern.

Jonathan Meese (Archiv): "Die Kunst hat in Bayreuth kein Zuhause mehr"
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Jonathan Meese (Archiv): "Die Kunst hat in Bayreuth kein Zuhause mehr"


Hamburg - Als "verlogen und zynisch" hat der Künstler Jonathan Meese die Leitung der Bayreuther Festspiele bezeichnet. Im SPIEGEL reagierte er damit auf seine Entlassung. In seiner Erklärung heißt es: "Die Strippenzieher in Bayreuth stehen nicht auf der Bühne, sondern dahinter. Die sichtbaren Personen sind nur Marionetten und nicht entscheidungsfähig." Und: "Es geht in Bayreuth schon lange nicht mehr um Kunst. Es geht um Selbsterhalt, Macht und den Kampf gegen die sinkende Relevanz."

Meese war 2012 von Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, den Urenkelinnen des Festspielgründers, engagiert worden, um im Sommer 2016 seine Neuinszenierung von Richard Wagners "Parsifal" zu präsentieren. Der Berliner Künstler gilt wegen seiner provokanten Bilder, auf denen Eiserne Kreuze vorkommen, und Performances, in denen er den Hitler-Gruß persifliert hat, als Enfant terrible. Dass als Grund der Kündigung eine drohende Überziehung des Kostenbudgets für Bühnenbild und Kostüme genannt wurde, bezeichnet er als "vorgeschoben".

Aus dem Umfeld des Künstlers heißt es, dass Meese vielmehr von einer Unterschreitung des Etats ausgegangen sei und notfalls sogar bereit gewesen wäre, für die Mehrkosten selbst aufzukommen. In seiner Erklärung spricht er von Versuchen der Einschüchterung und einer "Kultur von Befehl und Gehorsam". Er sagt auch: "Künstler scheitern an Bayreuth, weil die Kunst dort kein Zuhause mehr hat. Meese ist nicht an Wagner gescheitert, sondern Bayreuth an Meese. Alle anderen Gründe sind vorgeschoben."

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insgesamt 18 Beiträge
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pascal3er2 15.11.2014
1. Hui, da ist er aber spät aufgewacht...
"Es geht in Bayreuth schon lange nicht mehr um Kunst. Es geht um Selbsterhalt." Genau. Ist aber schon so, seitedem es Wagner nicht mehr gibt. Wer wirklich glaubt, eine Familie die mit Hitler gemeinsame Sache gemacht hat, das diese an Kunst oder sonst was intressiert ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Wenn unser Star-Künstler hier dies erst jetzt merkt, muss ich leider anmerken, das er mit seiner Kunst wenn dann überhaupt nich ganz am Anfang steht. Dort wo es um Kommerz und Geld geht, da war noch nie Kunst. Ist in der Musik genauso. Alles was in den Charts ist, ist zu 99% Drecksmusik und dient nur dem Kohle machen...
HuFu 15.11.2014
2.
Nun ja, diese Erkenntnis (wie es um Bayreuth bestellt ist) ist ja nun nicht neu, sehr geehrter Herr Meese. ;)
tubelayer53 15.11.2014
3.
Zitat von pascal3er2"Es geht in Bayreuth schon lange nicht mehr um Kunst. Es geht um Selbsterhalt." Genau. Ist aber schon so, seitedem es Wagner nicht mehr gibt. Wer wirklich glaubt, eine Familie die mit Hitler gemeinsame Sache gemacht hat, das diese an Kunst oder sonst was intressiert ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Wenn unser Star-Künstler hier dies erst jetzt merkt, muss ich leider anmerken, das er mit seiner Kunst wenn dann überhaupt nich ganz am Anfang steht. Dort wo es um Kommerz und Geld geht, da war noch nie Kunst. Ist in der Musik genauso. Alles was in den Charts ist, ist zu 99% Drecksmusik und dient nur dem Kohle machen...
Nicht jeder Spinner ist schon ein Künstler, auch und insbesondere nicht wenn er seinen Bekanntheitsgrad durch Kokettieren mit Nazisymbolen gesteigert hat. Schade nur, dass das Publikum nun keine Gelegenheit mehr hat, zu sehen, wie er die Parsifalinszenierung vergeigt hätte.
taglöhner 15.11.2014
4. Ich Ich Ich
Hehe, vor seinem Rausschmiss hätte er das gewiss nicht losgelassen. Selbstenmpfundene Künstler sind halt schwierig. Dabei ist es der Markt, der sie erwählt, nicht Gott. So ist es auch mit Bayreuth.
horstma 15.11.2014
5. Falsche Vorstellung?
Wenn ich in ein Kasperletheater gehe, darf ich mich hinterher auch nicht beschweren, daß aus dem "Faust" nichts zitiert wurde...
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