Julian Lennon Späte Beschwerden

Anlässlich des 20. Todestags von John Lennon hat sich sein Sohn Julian erstmals offen und kritisch über die schwierige Beziehung zu seinem berühmten Vater geäußert.


Enttäuscht: Julian Lennon
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Enttäuscht: Julian Lennon

Jahrelang hatte sich der inzwischen 37-Jährige in Interviews um die Fragen der Journalisten herumgedrückt: Über seinen Vater wolle und würde er nicht reden, hatte der als Musiker und Songschreiber leidlich erfolgreiche Lennon-Sohn Julian ("Too Late For Goodbyes") stets betont und sich in seinen merkbar düsteren Gedanken vergraben. Bis jetzt. Auf seiner eigenen Homepage www.julianlennon.com veröffentlichte er am 4. Dezember, vier Tage vor dem 20. Todestag seines berühmten Vaters, eine ausführliche Erklärung seiner Gemütslage.

In der Nachricht offenbart Lennon vor allem Bitterkeit über die ständige Abwesenheit seines Vaters. Nur wenige Jahre habe der 1963 geborene Julian mit John als Vater zusammenleben können. Nachdem sich der Beatle von seiner ersten Ehefrau Cynthia, Julians Mutter, getrennt hatte und mit Yoko Ono zusammentraf, habe er nur noch selten mit seinem Vater zu tun gehabt, bis dieser am 8. Dezember 1980 von dem offenbar geistig verwirrten Mark Chapman in New York erschossen wurde.

Verantwortlich für die Vater/Sohn-Misere macht Julian zum einen Johns Angst vor den Anforderungen einer Vaterschaft, zum anderen aber auch die Beziehung zu Ono, die für große Distanz zwischen ihm und seinem Vater gesorgt habe. "Ich war lange Zeit sehr wütend, wenn ich ihn über seine großartige Haltung zu 'Love & Peace' reden hörte, ich als sein Sohn davon aber nichts mitbekam", schreibt er.

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AFP

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An anderer Stelle lobt er das "unglaubliche" Werk seines Vaters und was dieser zusammen mit den Beatles erreicht hat, bemängelt jedoch, dass "seine Musik mir keinen klaren Einblick in das wirkliche Leben meines Vaters und das, was er tatsächlich darüber dachte und fühlte, gegeben hat." Etwas wehmütig fragt sich Julian, wie alles gekommen wäre, wenn John heute noch am Leben wäre: "Es hinge davon ab, ob man es mit 'John Lennon' (Dad) zu tun hätte, oder mit 'John Ono Lennon' (der manipulierten Seele). Für den enttäuschten Sohn - wie auch für Millionen Beatles-Fans auf der ganzen Welt - ist Lennons zweite Frau offenbar noch immer der Teufel in Person.

Umso warmherziger bemüht er sich um deren Sohn, seinen kleinen Halb-Bruder Sean. Er wünscht seinem Verwandten, dass er "mit seinem Schicksal zurechtkomme" und versichert ihm, als "liebender großer Bruder" für ihn da zu sein. Darauf dürfte der inzwischen auch recht umtriebige Sean Lennon jedoch kaum angewiesen sein. Der zweite Lennon-Sohn verzichtet auf die Larmoyanz seines "big brother" und baut sich seit einigen Jahren konsequent sein eigenes Leben im Umfeld der Beastie Boys auf. Ein wenig Perspektive - statt der ewigen Rückschau - würde Julian wohl auch nicht schaden...



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