Finanzklemme Erzwingungshaftbefehl gegen Starpianist Justus Frantz

Hintergrund sind auch unbeglichene Gagen: Nachdem seine Orchesterfirma im Oktober Insolvenz beantragen musste, hat das Landgericht Hamburg nach Informationen des SPIEGEL Haftbefehl gegen Star-Dirigent Justus Frantz erlassen.

Dirigent Justus Frantz
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Dirigent Justus Frantz


Der Pianist und Dirigent Justus Frantz, 74, steckt in Nöten. Eine Richterin des Landgerichts Hamburg hat nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL einen Haftbefehl gegen Frantz erlassen, um ihn zu einer Vermögensauskunft zu zwingen. Damit quittierte das Gericht, dass der Musiker im September 2018 nicht zu einem Termin erschienen war, bei dem er die Vermögensauskunft - besser bekannt als Offenbarungseid - für die von ihm kurz zuvor noch geführte World Peace Philharmonia of the Nations GmbH abgeben sollte. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Heft 11/2019
Schicksalsschläge, Niederlagen, Alltagsstress - von der Kunst, wieder aufzustehen

Wie erst jetzt bekannt wird, musste die Firma im Oktober 2018 Antrag auf Insolvenz stellen; sie lenkt die Geschäfte der Philharmonie der Nationen, in der Musiker aus verschiedenen Ländern unter der Leitung von Frantz spielen. Frantz hatte ihre Geschäftsführung nur Tage vor dem Insolvenzantrag abgegeben und einem Unternehmer aus dem thüringischen Stadtilm übertragen, der schon mehrfach Firmen in die Insolvenz geleitet hat.

Hintergrund der Finanzprobleme sind laut SPIEGEL unter anderem Gagen, auf die ein litauischer Staatschor bis heute wartet. Der Manager des Chores hatte nach Auftritten im Januar 2018 mit der Philharmonie der Nationen in Bielefeld und Wuppertal vergebens versucht, Frantz oder Personen aus dessen Umfeld zur Zahlung zu bringen. Schließlich erwirkte er einen gerichtlichen Zahlungstitel gegen die World Peace GmbH.

Der Haftbefehl gegen Frantz ist wegen der Insolvenz der Gesellschaft zwar zurzeit außer Vollzug gesetzt, aber nicht aufgehoben. Anwälte von Frantz waren mit zwei Beschwerden gegen den Haftbefehl gescheitert. Frantz bleibe "auch nach seiner Abberufung (als Geschäftsführer, Red.) offenbarungspflichtig ", so die Richter. Frantz selbst sieht sich als Opfer eines früheren Partners, der zugesagt habe, die Konzerte zu finanzieren. Dieser habe das Geld aber nicht beigebracht. Er, Frantz, habe deshalb hohe Summen aus seinem Privatvermögen zuschießen müssen.

Der Partner, ein Unternehmer aus Halle an der Saale, teilte mit, dass eine russische Firma eine Sponsorenzusage nicht eingehalten habe. Auch er selbst habe Geld verloren.

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kajoter 11.03.2019
1.
Die künstlerische Insolvenz hätte er bereits viel früher einreichen können. Er vernachlässigste sein Klavierspiel und wollte Dirigent sein. Da er damit nur einen mäßigen Erfolg hatte, gründete er ein eigenes Orchester, mit dem er zumeist ein populäres Programm spielte. Das war zwar nicht so grauenerregend wie das von Rieu, orientierte sich aber prinzipiell in diese Richtung. Daraufhin blieb der ernsthafte musikalische Nachwuchs aus den westlichen Ländern allmählich weg und seine vormals bunte und sehr heterogene Philharmonie der Nationen wurde allmählich zu einer Philharmonie der ehemaligen Sowjetrepubliken. Sein Standing im sogenannten Westen wurde immer schlechter, bis er zum Schluss nicht mehr als aktiver Musiker registriert wurde. Insofern erscheint diese Insolvenz nicht völlig überraschend. Er hätte sich ein Beispiel an seinem Freund Christoph Eschenbach nehmen sollen, der den Weg einer ernsthaften Musikausübung nie verlassen hat.
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