Kammermusik Allstars in Feinarbeit

Dvorak, Suk und Schostakowitsch komponierten Geniestreiche für kleine Besetzung - wie man diese Blitze leuchten lässt, demonstrierten erste Solistenkräfte, die perfekt im Team arbeiten.

Marco Borggreve

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Maximilian Hornungs Celloton erobert mit Fülle, Kraft und sinnlicher Feinheit schnell die Bühne. Wie er diese Fähigkeit des Betörens in den Dienst eines kleinen Kammerensembles stellen kann, ohne sein Profil zu verlieren, ist schon eine Kunst für sich. Wenn Hornung, wie beim Zusammenspiel mit seinem häufigen Kammer-Partner Nils Mönckemeyer (Viola) und dem koreanischen Top-Pianisten William Youn (Klavier) Beethovens "Gassenhauer"-Trio spielt, gelingt das auf den Punkt. Beim diesjährigen Musikfestival in Mecklenburg-Vorpommern trafen die drei aufeinander, als könnten sie nie etwas anderes sein als ein perfektes Trio. Dabei ist dies nur eine Facette von Maximilian Hornungs Talenten.

Zusammen mit Anne-Sophie Mutter und Daniil Trifonov lieferte er eine mustergültige Version von Schuberts "Forellenquintett" (Deutsche Grammophon) ab, und mit Antonello Manacorda spielte er Konzerte von Haydn und Azarashvili (Sony Classical) ein. Alles Können als Teamspieler jedoch forderte ihm seine jüngste CD ab, die er gemeinsam mit Kollegen wie Christian Tetzlaff und der fabelhaften Antje Weithaas an den Violinen und Martin Helmchen (Klavier) aufnahm.

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Kammermusik: Könner am Werk

Ein publikumswirksames Programm: Antonin Dvoraks vielfarbiges g-moll-Trio op. 26 gepaart mit dem Jugendwerk seines Schülers Josef Suk, dem Klavierquartett op. 1, in welchem der temperamentvoll-jugendliche Suk im gar nicht zarten Alter von 17 Jahren es dem Meister mal so richtig und freundlich zeigen wollte. Der Schüler lieferte eine beglückende Reifeprüfung ab, da konnte auch Dvorak zufrieden sein.

Die deutsch-griechische Pianistin Kiveli Dörken greift von Beginn des Dvorak-Trio kraftvoll und ausdrucksstark in die Tasten, was sich als perfekter und wichtiger Gegenpol zu den markanten Linien der Mitstreiter Tetzlaff und Hornung erweist. Die Variationen des Grundthemas bilden die eigentlichen Herausforderungen für das variantenreiche Spiel der drei Instrumente, erst im zweiten Satz hat Hornungs Cello im seligen Adagio seinen großen Auftritt.

Die flinken und von düsteren Schatten durchzogenen Temporitten des dritten und vierten Satzes sind dann wieder forderndes Sprungbrett für virtuoses Ensemblespiel. Wie aus der fast bösartigen Polka im Finale ein versöhnliches Ende wird: ganz großes Kammer-Kino. Zumindest, wenn sich die Beteiligten so blenden verstehen.

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Ein Rausch, wie Josef Suks griffige Melodien seines Jugendwerkes von 1891 auf den Hörer einströmen: Kein Wunder, dass sein Examenswerk das Prager Konservatorium überzeugte. Antje Weithaas greift mit Kontrolle und pointierter Dramaturgie die Violinzaubereien Suks auf, der schließlich selbst Geiger war. Martin Helmchen (Klavier), Vickie Powell (Viola) und Maximilian Hornung (Cello) nehmen die freundschaftliche Schlacht dankbar an und zeigen einmal mehr, wie das Ganze stets weitaus mehr sie Summe seiner Teile werden muss. Wenn es dann noch so buchstäblich spielend gelingt: die reine Freude.

Ambitioniertes Ensemble

Ein Team, das gerade zum Sprung in die große Karriere ansetzt, ist das Münchner Goldmund Quartett, das spätestens seit seinem Gewinn beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD zu den zahlreichen jungen Kammerensembles in Europa gehört, die an die Spitze streben. Drei Haydn-Quartette legten Florian Schötz (Violine), Pinchas Adt (Violine), Christoph Vandory (Viola) und Rafael Paratore (Cello) als erste CD vor, und ihr Repertoire-Sprung mit der neuen Einspielung könnte kaum größer sein. Die beiden Streichquartette Nummer 3 in F-Dur sowie Nummer 9 in Es-Dur erfordern sowohl technische Brillanz als auch optimal sensibles Zusammenspiel - und genau dies sind die Stärken des ambitionierten Ensembles.

Die teils aggressiv anmutenden, fast percussiven Attacken des F-Dur-Quartetts von 1946 kontrastieren heftig mit lyrisch-melancholischen Passagen. Der zarte Beginn täuscht, es geht schnell in beunruhigende Gefilde und in ein Wechselspiel der Gefühle, bevor im fünften Satz ein brüchiger Friede angedeutet wird. Harter Stoff, aber faszinierend in jeder Sekunde der runden halben Stunde voller Überraschungen.

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Diese Brüche und wechselhaften Emotionen logisch verzahnt und technisch makellos hörbar zu machen, weisen das Goldmund Quartett als eines der vielversprechenden Ensembles derzeit aus. Auch wenn die Konkurrenz noch so groß ist: Da ist noch viel zu erwarten.

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