"Musikantenstadl"-Moderator Karl Moik ist tot

Bis zu 20 Millionen Menschen weltweit erreichte er mit dem "Musikantenstadl": Nun ist Karl Moik, langjähriger Moderator der ARD-Show, im Alter von 76 Jahren gestorben. 2006 hatte er die Sendung abgegeben, seither lebte er zurückgezogen.

imago

Salzburg/Hamburg - Abschied von einem Inbegriff des volkstümlichen Showgeschäfts: Karl Moik, langjähriges Gesicht des "Musikantenstadls", ist tot. Der gebürtige Österreicher starb laut mehreren Zeitungsberichten in einem Salzburger Krankenhaus.

Moik, der 1938 im österreichischen Linz geboren wurde und in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, gelang nach einer Lehre als Werkzeugmacher und Arbeit als Vertreter für Öfen, Kopiergeräte und Fernsehantennen Anfang der Siebzigerjahre der Einstieg ins TV-Geschäft, zunächst mit der "Volkstümlichen Hitparade" im ORF.

Bekanntheit auch über Österreichs Grenzen hinaus erlangte er ab 1980, als er für den ORF die Volksmusiksendung "Musikantenstadl" entwickelte; die Sendung wurde drei Jahre später mit großem Erfolg vom deutschen Fernsehen übernommen.

Kritiker sahen in ihm den Inbegriff der deutschen Schunkel-Spießigkeit, Fans den Bewahrer des volkstümlichen Liedgutes. Fakt war: Bis zu 20 Millionen Menschen weltweit erreichte Moik mit seiner Musik-Sendung, in der alle Lieder als reines Vollplayback vorgetragen wurden.

Am 31. Dezember 2005 moderierte er die Show als "Silvesterstadl" zum letzten Mal; danach gab er die Sendung unfreiwillig an den Sänger Andy Borg ab. Laut ARD war der Vertrag wegen Moiks schlechtem gesundheitlichen Zustand nicht verlängert worden. Der Moderator hatte 2004 einen Herzinfarkt erlitten.

Moik, der von "seinem Stadl" sprach, sich jedoch nie die Namensrechte sicherte, glaubte nicht, dass ein Nachfolger die Show ähnlich erfolgreich fortführen würde: "Natürlich ärgert man sich, ist gekränkt", sagte Moik der Zeitschrift "Super Illu". "Ich habe eine Schmusesendung zum Abschied abgelehnt. Ich bin keiner, der hingeht und bettelt: Bitt'schön, nehmt mich!"

Später gab sich der Moderator gelassener: "Ich habe damit abgeschlossen und zappe nur selten rein", sagte Moik 2010 der "Berliner Zeitung".

Zu den Höhepunkten seiner Karriere als "Stadl"-Moderator zählte Moik in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" sein Treffen mit Nelson Mandela nach einer Live-Sendung in Kapstadt 1998 und die erste Sendung in der DDR nach der Maueröffnung 1989 - der "Musikantenstadl" war die erste West-Show, die aus der DDR übertragen wurde.

Für seine Leistungen wurde Moik unter anderem mit der Goldenen Kamera, dem Bambi und dem österreichischen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

In den vergangenen Jahren hatte sich Moiks Gesundheitszustand verschlechtert; 2014 erlitt er einen schweren Herzinfarkt.

Moik wurde 76 Jahre alt.

eth



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