Britische Künstlerin Kate Tempest sagt wegen Drohmails Konzert in Berlin ab

Die britische Rapperin Kate Tempest wollte im Hangar 5 der Volksbühne ihr Album vorstellen - nun sagte sie den Auftritt wegen Drohungen ab. Zuvor war sie wegen ihres Israel-Boykotts in die Kritik geraten.

Kate Tempest beim Auftritt in Brighton am 6. Mai 2017
Getty Images

Kate Tempest beim Auftritt in Brighton am 6. Mai 2017


Kate Tempest hat ihr für den 6. Oktober in Berlin geplantes Konzert abgesagt. Wie die Volksbühne am Mittwoch mitteilte, habe ihr Londoner Management ATC die Absage mit "Drohungen gegen ihre Person" begründet, die per Mail und über die sozialen Medien eingegangen seien. "Kate will nicht in einer solch aggressiven Atmosphäre auftreten, und wir wollen kein weiteres Risiko für ihr mentales Wohlergehen und mögliche Gefahren für das Team auf uns nehmen."

Bei dem Konzert mit Chor (unter der Leitung von Barbara Morgenstern) und Orchester im Hangar 5 des stillgelegten Flughafens Berlin-Tempelhof hätte Tempest ihr Album "Let Them Eat Chaos" vorstellen wollen - ein Großteil der 2000 Karten war bereits verkauft worden. Volksbühnenintendant Chris Dercon zeigt sich in einer ersten Reaktion bestürzt: "Ich bedauere es sehr, dass Kate Tempest sich entschieden hat, nicht in Berlin aufzutreten. Das ist eine riesige Enttäuschung für uns und die vielen Besucher, die sich auf das Konzert gefreut haben", erklärte er. "Obwohl ich ihr Unwohlsein in dieser Situation verstehen kann, hätte ich mir gewünscht, dass sich die Künstlerin für einen Dialog mit ihrem Publikum geöffnet hätte. Dafür machen wir Kunst."

Bereits gekaufte Karten können nach Angaben der Volksbühne bis zum 20. Oktober über die jeweilige Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden.

Tempest hatte 2015 bei der Aktion "Artists for Palestine" zusammen mit anderen britischen Künstlern erklärt, aus Solidarität mit den Palästinensern keine professionellen Engagements in Israel anzunehmen. Ihr Name war in den vergangenen Wochen in mehreren Berichten mit dem Israel-Boykott der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) in Zusammenhang gebracht worden. Auch Sibylle Berg hatte in ihrer Kolumne dazu Stellung bezogen.

Im Mai 2016 war Tempests Debütroman "Hold Your Own" auf Deutsch erschienen, unter dem Titel "Worauf du dich verlassen kannst". Darin verbindet sich eine queere Liebesgeschichte mit Tempests anderen Herzensthemen, mit Verdrängung, Verarmung, Idealismus und Empathie.

bsc/dpa

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