Kollegah und Farid Bang Echo-Beirat hält an Nominierung fest

Kann ein Album für den Echo nominiert werden, wenn Zeilen gerappt werden, die Auschwitz-Überlebende entsetzen? Der Echo-Beirat prüfte den "Grenzfall" - und gab nun grünes Licht.

Farid Bang und Kollegah
imago/ xcitepress

Farid Bang und Kollegah


Bei der Nominierung von Kollegah & Farid Bang mit dem Album "Jung Brutal Gutaussehend 3" für den Echo in den Kategorien "HipHop/Urban National" und "Album des Jahres" handele es sich um einen "absoluten Grenzfall zwischen Meinungs- und Kunstfreiheit und anderen elementaren Grundrechten", konzediert Wolfgang Börnsen, der Sprecher des Echo-Beirats, den der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) mit der Prüfung des Falles betraut hatte.

Die Wortwahl einiger Texte sei "provozierend, respektlos und voller Gewalt", so der CDU-Politiker Börnsen: "Sie als Stilmittel des Battle-Rap zu verharmlosen, lehnen wir ab und möchten an dieser Stelle unsere deutliche Missbilligung gegenüber der Sprache und den getroffenen Aussagen unterstreichen."

In der vergangenen Woche hatte die "Bild"-Zeitung über strittige und möglicherweise antisemitische Textpassagen der Rapper Kollegah und Farid Bang berichtet. Echo-Geschäftsführerin Rebecca Heinz hatte darauf verwiesen, dass "die Sprache des Battle-Rap hart und verbale Provokationen ein typisches Stilmittel" seien.

Auschwitz-Überlebende wurden in der "Bild"-Zeitung zu Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" befragt und äußerten sich entsetzt. Farid Bang hat sich in einem Facebook-Post von "jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten" distanziert und entschuldigte sich bei der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano, die im "Bild-"Artikel namentlich genannt wurde.

Der Echo-Beirat kam nun mehrheitlich zu dem Ergebnis, dass ein formaler Ausschluss nicht der richtige Weg sei. Man appelliere allerdings "an die politisch wie gesellschaftlich Verantwortlichen (...), eine ernsthafte Debatte über die Bedeutung und den Deutungsrahmen der Kunst- und Meinungsfreiheit zu führen. Es gilt, über alle Medienformen hinweg eine Institution zu bestimmen, die eine Plattform zur Auseinandersetzung mit diesem Thema schafft", so Beiratssprecher Börnsen. Die Problematik reiche weit über den Echo hinaus.

Der BVMI-Vorstandssprecher Florian Drücke verwies darauf, dass der Echo ein Preis sei, der auf Verkaufszahlen basiere. "Die aktuelle Diskussion entzündet sich insofern am wirtschaftlichen Erfolg eines Produkts, also an der Wirkung und nicht an der Ursache", so Drücke. "Es kann aber nicht Aufgabe eines Wirtschaftsverbandes sein, freiverkäufliche Produkte im Nachhinein zu be- oder entwerten."

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