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Gefeierter Orchesterleiter: Dirigent Gerd Albrecht ist tot

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Dirigent und Orchesterleiter Gerd Albrecht: "Eminenter Verlust für unser Musikleben"

Mit eisernem Willen und voller Tatendrang: Gerd Albrecht dirigierte Orchester in aller Welt, brachte innovativste Produktionen auf die Bühne. Sein Herz aber gehörte den Kindern und Jugendlichen. Nun ist der langjährige Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper gestorben.

Berlin - Dirigent Gerd Albrecht ist tot. Er ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit in Berlin gestorben, teilte sein Büro am Montag mit.

Als "eminenten Verlust für unser Musikleben" bezeichnete der ehemalige Intendant der Hamburgischen Staatsoper, Peter Ruzicka, den Tod seines Freundes und langjährigen Kollegen. Beide hatten in ihrer gemeinsamen Zeit an der Staatsoper - 1988 übernahm Albrecht dort die musikalische Leitung - vielgelobte Neuproduktionen auf die Bühne gebracht.

Dazu gehörten etwa Robert Wilsons "Parsifal"-Inszenierung, die Neuentdeckung von Franz Schrekers "Schatzgräber" und Uraufführungen etwa von Wolfgang Rihms "Eroberung von Mexiko" und Helmut Lachenmanns "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern". Mit ihnen brachten die beiden der Staatsoper nach Meinung von Kritikern wieder einen internationalen Ruf. Dem Gespann Albrecht/Ruzicka bescheinigte die Zeitung "Die Welt" "Wagemut" und "intellektuellen Biss".

Eine wichtige Station war seine Zeit als Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie. 1991 auf einer Japan-Tournee hatten ihn die Mitglieder spontan gewählt. Es war eine politische Sensation, noch nie hatte ein Deutscher dieses Amt bekleidet. "Ihr seid doch wahnsinnig", soll Albrecht zu den Musikern nach der Wahl gesagt haben.

Deutschlands jüngster Generalmusikdirektor

Doch Albrecht war umstritten, bekam bald Gegenwind zu spüren. Das Orchester teilte sich in Gegner und Befürworter. Auch die Medien sahen den Vorgang kritisch. Dem Festkonzert der Philharmonie zum 100. Gründungsjubiläum blieben der damalige Präsident Vaclav Havel und Ministerpräsident Vaclav Klaus demonstrativ fern. Vor dem Hintegrund der Grabenkämpfe und der nationalistischen Töne entzog Anfang 1996 das Prager Kulturministerium Albrecht die künstlerische Kompetenz für das Orchester. Ende Januar gab der Dirigent seinen Rücktritt bekannt.

Begonnen hatte die Karriere des 1935 in Essen geborenen Musikers mit 22 Jahren, als er den Dirigierwettbewerb in Besançon gewann. Mit 27 Jahren wurde er in Lübeck Deutschlands damals jüngster Generalmusikdirektor. Danach folgten Leitungspositionen in Kassel, an der Deutschen Oper Berlin sowie beim Tonhalle-Orchester Zürich. Von 1997 bis 2007 war er Chefdirigent des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio und leitete von 2000 bis 2004 zusätzlich das Dänische Radio-Sinfonieorchester Kopenhagen. Er dirigierte das Bundesjugendorchester und war bei Festivals, etwa in Salzburg, Luzern und Edinburgh, zu Gast. Stets setzte er sich auch für die zeitgenössische Musik ein. Albrecht schrieb Bücher und moderierte Konzerte für mehr als 50 TV-Produktionen und Filme.

Die Musikvermittlung an Kinder und Jugendliche war für Albrecht eine Herzensangelegenheit. So begeisterte Albrecht schon ab den siebziger Jahren mit Kinder- und Jugendkonzerten, 1989 gründete er die Hamburger Jugendmusikstiftung und die "Klingenden Museen" in Hamburg und Berlin, deren Workshops schon Tausende Schulkinder besucht haben. Auch sein langjähriger Begleiter Ruzicka hob die Jugendarbeit noch einmal hervor. Seine Projekte hätten "vielfach zu nachhaltigen, prägenden Erlebnissen für eine junge Generation, die wir leider immer mehr zu verlieren drohen", geführt, so Ruzicka.

seh/dpa

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