Konzert-Subventionen Elbphilharmonie wegen Dumping verklagt

Neuer Ärger um Hamburgs spektakuläre Kulturbaustelle: Der Intendant der Elbphilharmonie muss sich mit einer Klage von Konzertveranstaltern herumschlagen. Der Vorwurf: Der Stadtstaat finanziere mit Steuergeldern einen Verdrängungswettbewerb.

Die Elbphilharmonie in Hamburg: Teure Baustelle, billige Spitzenorchester?
DPA

Die Elbphilharmonie in Hamburg: Teure Baustelle, billige Spitzenorchester?


Hamburg - Der Verband der deutschen Konzertdirektionen (VDKD) wird die Stadt Hamburg verklagen, weil sie als Veranstalter der Elbphilharmonie-Konzerte für Wettbewerbsverzerrungen sorge. Am Montag den 14. Febriar habe der Verband Klage eingereicht, so Prof. Dr. Johannes Kreile, Justiziar des VDKD zu SPIEGEL ONLINE.

Die Klage ist der Höhepunkt einer Auseinandersetzung zwischen Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter und privaten Konzertveranstaltern, die schon seit Jahren schwelt. Zwar befindet sich die Elbphilharmonie noch im Bau -die Eröffnung ist erst 2013 geplant - doch die stadteigene "Hamburg Musik GmbH", deren Chef Lieben-Seutter ist, veranstaltet im Vorfeld bereits spektakuläre Konzerte. So fanden etwa im Januar und Februar Gastspiele des Concertgebouw Orchesters und der Wiener Philharmoniker in der Laeiszhalle statt. Und zwar zu Preisen, die 40 bis 50 Prozent günstiger sind, als für solche Spitzenorchester üblich.

Der Verband der Konzertveranstalter wirft der "Hamburg Musik GmbH" vor, mit diesen Angeboten einen unzulässigen Verdrängungswettbewerb zu führen. Die Hamburg Musik GmbH solle es unterlassen "im sogenannten Hochpreissegment von Orchesterkonzerten Preise anzubíeten, die nicht kostendeckend sind", so Justitiar Kreile. "Wenn beispielsweise Aldi auf der grünen Wiese einen neuen Markt aufmacht, dürfen die drei Wochen die Milch unter Einkaufspreis anbieten. Wenn sie es dauerhaft machen, ist es unzulässig." Genau eine solche Preisdumping-Politik aber sei im Fall der Elbphilharmonie-Konzerte dauerhaft angelegt. "Im Haushaltsentwurf sind 6,4 Millionen Euro als Zuschüsse für die Hamburg Musik GmbH vorgesehen", so Kreile. "In Hamburg werden die Konzerte eindeutig systematisch unter Preis angeboten. In keinem Land und in keiner Stadt ist das so krass."

Lieben-Seutter sieht der Klage gelassen entgegen. Bundesweit gebe es häufiger solche Auseinandersetzungen zwischen öffentlichen und privaten Häusern. So hatte der VDKD 2002 aus ähnlichen Grund gegen die Stadt Berlin und die Berliner Philharmoniker geklagt. Der Klage sei damals nicht stattgegeben worden. Im Falle des Hamburger Konflikts lägen mehrere Rechtsgutachten vor, die keine Gefahr eines Verdrängungswettbewerbs sehen. "Wir machen in diesem Spitzensegment nur ein paar Konzerte pro Jahr, wir bewegen uns da also sehr vorsichtig", so der Elbphilharmonie-Intendant zu SPIEGEL ONLINE. "Das Concertgebouw-Orchester zum Beispiel war seit 10 Jahren nicht in Hamburg." Die bezuschussten Spitzenkonzerte will Lieben-Seutter als Zukunftsinvestitionen verstanden wissen: "Wir wollen Konzerte für ein breites Publikum machen. Was die Stadt hier an Subventionen reingibt, generiert doch erst das junge Publikum, das später die kostspieligeren Angebote der Privatveranstalter in Anspruch nehmen wird."

Eine Arithmetik, der die Konzertveranstalter nicht folgen wollen. "Die Subventionen sind unserer Auffassung nach nicht für Spitzenorchester da, sondern für Nachwuchsförderung", sagt Johannes Kreile vom VDKD. Nachdem ein letztes Gespräch zwischen dem VDKD und Lieben-Seutter in der vergangenen Woche keine Annäherung brachte, haben sich die Deutschen Konzertdirektionen dazu entschlossen, den Rechtsweg zu beschreiten. "Das ist eine Musterklage", so Kreile.

twi/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Achim 16.02.2011
1. Aldi
Der Vergleich mit Aldi hat mir sehr gefallen. Vor allem, weil man bei Aldi am Ende nur den Preis bezahlt, der vorher angekündigt wurde.
kundennummer 16.02.2011
2. Hoch lebe die Bananenrepublik Deutschland!
"Oles Flötenbude" hält Traditionen hoch! Sicherlich auch eine von diesen Alternativlosigkeiten. Fahndung nach politischen Würdenträgern mit Dreck am Stecken wäre selbstverständlich nicht hilfreich. Die Investoren wollen eben return-on-investment für die Spenden.
miezemaus 16.02.2011
3. ..für die reichen Leute..
ich glaube, die Stadt Hamburg könnte die Millionen sinnvoller ausgeben !
martin-kö 16.02.2011
4. Dumping mit fremden Geldern - keine große Leistung
In der Kulturwelt schmücken sich schnell Leute mit fremden Federn (Steuergeldern), denn sie müssen kein Risiko eingehen,da der Staat (hier: die Stadt Hamburg)es schon richten wird, wenn die Defizite eingetreten sind. Jeder Privatveranstalter muss schwarze Zahlen schreibe, will er überleben, die "großen" Intendanten brauchen sich nur zu amüsieren, wenn ein paar Millionen an Schulden von ihnen selbst gemacht worden sind. In Köln wurden übrigens jahrelang die Aufsichtsräte der KölnMusik mit Lustreisen nach St. Petersburg, Paris und Ankara etc. geködert, damit diese nachträglich alle Defizite ohne Aufhebens mit Steuergeldern tilgen. Dort wurde der Verdrängungswettbewerb subtiler angegangen: man bezahlte schlicht überhöhte Honorare, um die Konkurrenz der Privatveranstalter zu schwächen. Auch das war eine Art Verdrängungswettbewerb mit Hilfe von Steuergeldern.
hammond 17.02.2011
5. Verhältnismäßigkeit
Was mich am meisten an diesem " Musikantenstadl " ärgert ist die Entwicklung der Baukosten . Wenn ich mich recht erinnere waren zum Anfang ca. 70 Millionen Euro im Gespräch.Zumindest in der Öffentlichkeit. Angesichts der heutigen Zahlen kann wohl jeder Nagelstudiobetreiber besser rechnen. Dabei werden die Straßen(die Adern der Stadt),mit denen Hamburg sein Geld verdient nur billigst geflickt. Unfaßbar.
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